APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis

APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis



Physik-News vom 24.05.2018

Das APEX-Teleskop in Chile wurde mit speziellen Zusatzgeräten technisch aufgerüstet, um interferometrische Beobachtungen bei einer Wellenlänge von nur 1,3 mm durchzuführen. Damit gehen die Forscher weiter in Richtung der direkten Kartierung des Schattens um das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße. Die Teilnahme von APEX am sogenannten Event-Horizon-Teleskop (EHT) enthüllt neue Details in der Struktur der Radioquelle Sgr A*, im Zentrum der Milchstraße. Mit APEX im EHT-Verbund verdoppelt sich die Winkelauflösung. Damit zeigt die Quelle eine asymmetrische und nicht punktförmige Helligkeitsverteilung mit Details von nur noch 36 Millionen Kilometern oder drei Schwarzschildradien Größe.

Astronomen sind auf der Jagd nach harten Beweisen für die Gültigkeit der Einsteinschen Allgemeine Relativitätstheorie. Dazu gehört die direkte Abbildung (Kartierung) des Schattens eines Schwarzen Lochs. Die Zusammenschaltung von Radioteleskopen, die über den ganzen Erdball verteilt sind, macht dies möglich (engl. VLBI = Very Long Baseline Interferometry; Radiointerferometrie mit langen Basislinien).


Schema-Diagramm der 1,3-mm-VLBI-Beobachtungen von Sgr A* aus dem Jahr 2013. Die Inlays zeigen zwei mögliche Modelle für das Erscheinungsbild von Sgr A*, die mit den Messergebnissen vereinbar sind.

Publikation:


Ru-Sen Lu et al.
Detection of Intrinsic Source Structure at ∼ 3 Schwarzschild Radii with Millimeter-VLBI Observations of Sagittarius A*
The Astrophysical Journal, Vol. 859, No. 1

DOI: 10.3847/1538-4357



Die einzelnen Teleskope befinden sich auf Bergen und in großer Höhe, um so den Einfluss der Erdatmosphäre auf die hochfrequente Radiostrahlung zu minimieren, und auch um menschengemachten Radiostörsignalen zu entgehen. Die kompakte Radioquelle Sagittarius A** (Sgr A*), die sich im Zentrum der Milchstraße befindet, wurde nun von derart zusammengeschalteten Teleskopen bei kurzen Millimeterwellenlängen und mit Mikrobogensekunden Auflösung beobachtet.

Das Forscherteam hat Sgr A* im Jahr 2013 mit VLBI-Teleskopen an vier verschiedenen Standorten beobachtet. Bei den Teleskopen handelt es sich um APEX in Chile, das CARMA-Array in Kalifornien, das James-Clerk-Maxwell-Teleskop (JCMT) und das Submillimeter-Array (SMA), beide in Hawaii, sowie das Submillimeter-Teleskop (SMT, das frühere Heinrich-Hertz-Teleskop) in Arizona. Die Detektionen der Quelle Sgr A* auf Teleskop-Basislinien von bis zu 10.000 km Länge zeigen eine ultrakompakte, asymmetrische und nicht punktförmige Helligkeitsverteilung.

„Die Einbeziehung des APEX-Teleskops hat die längste Basislinie im Vergleich zu früheren Beobachtungen fast verdoppelt und führt nun zu einer spektakulären Auflösung von nur noch drei Schwarzschildradien”, sagt Ru-Sen Lu vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) der Erstautor der Veröffentlichung. „Die Daten zeigen Details, die kleiner sind als die erwartete Ausdehnung des Materiestrudels rund um das zentrale Schwarze Loch ”, fügt Thomas Krichbaum (ebenfalls MPIfR) hinzu, der Initiator der Millimeter-VLBI-Beobachtungen mit APEX.

Der Standort von APEX auf der Südhalbkugel der Erde ermöglicht eine deutliche Verbesserung der Bildqualität für eine Quelle, die soweit südlich am Himmel steht wie Sagittarius A** (−29 Grad Deklination). APEX ist auch der Wegbereiter für die Teilnahme des großen und extrem empfindlichen ALMA-Teleskopes in den nun jährlich stattfindenden EHT-Beobachtungen.

„Wir haben in einer Höhe von über 5000 Metern hart daran gearbeitet, die Ausrüstung zu installieren, die eine Beteiligung des APEX-Teleskops an den 1,3mm-VLBI-Beobachtungen erst ermöglicht hat”, sagt Alan Roy, ebenfalls MPIfR, der technische Leiter des VLBI-Teams am APEX-Teleskop. „Wir sind wirklich stolz darauf, wie gut APEX bei diesem Experiment funktioniert hat.”

Das Team hat ein Modell Anpassungsverfahren auf die Beobachtungsresultate angewandt, um die Struktur von Sgr A* auf Skalen bis zu 25 millionstel Bogensekunden zu analysieren. “Wir sind im ersten Schritt davon ausgegangen, wie die Struktur der Quelle in der Nähe des Ereignishorizontes aussehen könnte, und nicht wie vorher nur von allgemeinen Argumenten basierend auf der Form der sogenannten Visibilities”, fügt Ru-Sen Lu hinzu. „Es ist sehr ermutigend zu sehen, dass die Anpassung einer ringförmigen Struktur sehr gut mit den Daten übereinstimmt, obwohl auch andere Modelle, wie z.B. eine Doppelstruktur möglich sind.” Zukünftige Beobachtungen mit dem sich weiter im Aufbau befindentem EHT werden diese Mehrdeutigkeiten beseitigen.

Im galaktischen Zentrum sind das schwarze Loch und seine Umgebung von dichter interstellarer Materie umgeben, welche die Wellenausbreitung der elektromagnetischen Strahlung entlang der Sichtlinie beeinflußt. Dies führt zur sogenannten interstellaren Szintillation, die die Schärfe der Kartierung beeinträchtigen kann. „Wir konnten jedoch zeigen, daß dieser Effekt bei den kurzen Millimeterwellenlängen keine wesentliche Rolle spielt,” sagt Dimitrios Psaltis von der Universität von Arizona, wissenschaftlicher Leiter beim EHT.

„Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Schritt im weiteren Aufbau des Event-Horizon-Teleskops dar”, schließt Sheperd Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, dem Direktor des EHT-Projektes. „Die Analyse neuer Beobachtungen, die seit 2017 sowohl APEX als auch ALMA einschließen, werden uns unserem Ziel näher bringen, das Schwarze Loch im Zentrums unserer Milchstraße direkt abzubilden.”


Diese Newsmeldung wurde via Informationsdienst Wissenschaft erstellt.


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