„Geisterspiegel“ für Hochleistungslaser

„Geisterspiegel“ für Hochleistungslaser

Physik-News vom 09.02.2023
 

Um Laserlicht zu lenken, braucht es nicht unbedingt materielle Spiegel - ein Forschungsteam hat ein grundlegend neues Konzept experimentell verifiziert. Nämlich die Lichtreflektion an regelmäßigen Plasmastrukturen. Diese Methode kann insbesondere für kompakte Hochleistungslaser wichtig werden.

In immer mehr Forschungs- und Anwendungsbereichen werden Laser mit extrem hohen Leistungen benötigt. Ein prominentes Beispiel hierfür sind die Durchbrüche bei der lasergetriebenen Trägheitsfusion, die das US-amerikanische Lawrence Livermore National Laboratory im Dezember 2022 vermeldete.


Experimentalaufbau im Labor von Prof. Dr. Dino Jaroszynski an der Central Laser Facility am Rutherford Appleton Laboratory.

Publikation:


Vieux, G., Cipiccia, S., Welsh, G.H. et al.
The role of transient plasma photonic structures in plasma-based amplifiers
Communications Physics 6, 9 (2023)

DOI: 10.1038/s42005-022-01109-5



Die nächste Generation von gepulsten Ultrahochleistungslastern wird für Leistungsbereiche von Hunderten von Petawatt (1015 Watt) bis Exawatt (1018 Watt) ausgelegt. Gleichzeitig sollen die Aufbauten immer kompakter werden; sie sollen nicht mehr die Größe von Sporthallen haben, sondern in Universitätslaboren untergebracht werden können.


Simulationsergebnisse aus der ursprünglichen Publikation von 2016 zur Reflektion von Laserlicht am Plasmagitter.

Die Entwicklung solch kompakter und leistungsstarker Anlagen stellt große Anforderungen an die optischen Elemente in solchen Lasern, die die Laserstrahlen führen und formen. Typischerweise werden hierfür Gitter und Spiegel genutzt. Bei den sehr hohen Leistungsdichten und kleinen Abmessungen kann aber die Lichtleistung so groß werden, dass die Festkörperspiegel beschädigt oder sogar zerstört werden.

Ein gänzlich neues Konzept, der „Geisterspiegel“, kommt ohne klassisch-spiegelnde Festkörperoberflächen aus. Verwendet werden sollen Plasmen – also Gase, in denen die Atome vollständig ionisiert sind –, in denen kurzzeitig regelmäßige Strukturen induziert werden. Diese können ebenfalls Licht reflektieren oder anderweitig manipulieren.

Das Konzept wurde 2016 theoretisch von Prof. Dr. Karl-Heinz Spatschek und PD Dr. Götz Lehmann am Institut für Theoretische Physik I der HHU erarbeitet und in Physical Review Letters veröffentlicht. Die Physiker zeigten, dass es möglich ist, mittels Lasern reflektierende Plasmastrukturen zu erzeugen.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Dino Jaroszynski von der schottischen Universität in Strathclyde hat nun unter Beteiligung von Götz Lehmann das Konzept experimentell bestätigt. Sie haben einen „Geisterspiegel“ entwickelt und getestet. Die Ergebnisse stellten sie in der Fachzeitschrift Communications Physics im Januar 2023 vor. Lehmann wirkte bei der Konzeption und der Dateninterpretation im Rahmen des Düsseldorfer Modells mit.

Das Team realisierte mithilfe gegenläufiger Laserstrahlen einen geschichteten Plasmaspiegel. Die Laserstrahlen erzeugen dazu im Plasma eine Schwebungswelle, die wiederum die Elektronen und Ionen im Plasma in die regelmäßige Gitterstruktur treibt. Eine solche Struktur wirkt als sehr robuster Spiegel mit hohem Reflexionsvermögen.

Diese Spiegel sind sehr flüchtig, sie existieren nur für einige bis wenig hundert Pikosekunden (10-12 Sekunden). Dies reicht aber aus, um die ungleich kürzeren Hochleistungslaserpulse – die eine Länge im Femtosekundenbereich (10-15 Sekunden) haben – zu reflektieren.



Dr. Gregory Vieux aus Strathclyde, der die Experimente am Rutherford-Appleton-Laboratory (RAL) in Chilton / UK maßgeblich mit konzipierte und durchführte, sagt: „Die Plasmen halten Intensitäten von bis zu 10^18 Watt pro Quadratzentimeter stand. Dies übersteigt die Zerstörungsschwelle von konventionellen optischen Komponenten um vier bis fünf Größenordnungen. Dadurch wiederum kann die Größe optischer Elemente um zwei oder drei Größenordnungen reduziert werden, so dass Optiken – die sonst die Größe von einem Meter haben – auf Millimeter oder Zentimeter schrumpfen könnten.“


An den Forschungsarbeiten waren neben den Universitäten Strathclyde und Düsseldorf auch die Universitäten in Frankfurt und in Lissabon sowie das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt, das Ulsan National Institute of Science and Technology (UNIST) in Südkorea und das RAL beteiligt. Die relativistische Laser-Plasma-Physik ist ein Schwerpunkt im Fach Physik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.


Diese Newsmeldung wurde mit Material der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf via Informationsdienst Wissenschaft erstellt


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