Relativistisches Additionstheorem für Geschwindigkeiten

Relativistisches Additionstheorem für Geschwindigkeiten


Das Relativistische Additionstheorem für Geschwindigkeiten besagt, wie die Geschwindigkeit u eines Objekts in einem bestimmten Bezugssystem zu bestimmen ist, wenn das Objekt sich mit einer Geschwindigkeit u gegenüber einem zweiten Bezugssystem bewegt, das sich selber gegenüber dem ersten mit einer Geschwindigkeit v bewegt. In der klassischen Mechanik werden Geschwindigkeiten vektoriell addiert (u=u+v ) und haben daher keine obere Schranke. Da aber nach der speziellen Relativitätstheorie hierbei die Lichtgeschwindigkeit c nicht überschritten werden kann, gelten andere Formeln. Sie können aus der Lorentztransformation für gegeneinander bewegte Inertialsysteme hergeleitet werden. Die Unterschiede machen sich bemerkbar, wenn eine oder beide der zu addierenden Geschwindigkeiten nicht mehr vernachlässigbar klein gegenüber der Lichtgeschwindigkeit ist. Das relativistische Additionstheorem für Geschwindigkeiten ist durch Messungen bestätigt worden.

Definition

Diagramm zur relativistischen Addition der gleichgerichteten Geschwindigkeiten ux und v,
jeweils ausgedrückt in Bruchteilen der Lichtgeschwindigkeit c (Erläuterungen s. Artikeltext).
Die Konturlinien zeigen die resultierende Geschwindigkeit ux, ebenfalls normiert auf c
(Abstufung geändert für uxc>0,9).
Je größer die beiden Ausgangsgeschwindigkeiten, desto stärker weicht das Ergebnis von der arithmetischen Addition ab:
auch von der resultierenden Geschwindigkeit kann die Lichtgeschwindigkeit nicht überschritten werden.

Ein Beobachter bewege sich gegenüber dem Beobachter mit der Geschwindigkeit v in Richtung der x-Achse. Für den Beobachter bewege sich ein Körper mit der Geschwindigkeit u' =(ux,uy,uz). Dann hat dieser Körper für den Beobachter die Geschwindigkeit u mit den Komponenten

ux=ux+v1+uxvc2uxc=uxc+vc1+uxcvc
uy=uy1(vc)21+uxvc2=uy1γ(1+uxvc2)
uz=uz1(vc)21+uxvc2=uz1γ(1+uxvc2)

mit

γ=11(v/c)2

Koordinatenfrei ausgedrückt: Die resultierende Geschwindigkeit u ergibt sich aus der einfachen Addition der Geschwindigkeiten (u+v) mit folgenden Modifikationen:

  • Die Geschwindigkeit u ist um den Faktor 1+uvc2 kleiner.
  • Die Komponenten der Geschwindigkeit u senkrecht zu v sind zusätzlich um den Faktor 1/γ kleiner.

Interpretation

Sind die beteiligten Geschwindigkeiten sehr klein gegenüber der Lichtgeschwindigkeit

vcvc1,

so unterscheidet sich der Nenner (und auch der Term unter der Wurzel im Zähler) kaum von 1

1+uxvc21,1(vc)2=1γ1

und es ergibt sich in guter Näherung die übliche nichtrelativistische Geschwindigkeitsaddition:

uxux+vuyuyuzuz.

Beispiel: in einem mit v=200 km/h fahrenden Zug läuft eine Person mit ux=5 km/h relativ zum Zug in Fahrtrichtung. Die von einem am Bahndamm stehenden Beobachter gemessene Geschwindigkeit ux der Person ist gerade mal um 0,17 nm/h langsamer als die bei einfacher Addition erhaltenen ux+v=205 km/h. Zum Vergleich: der Durchmesser eines Atoms liegt in der Größenordnung von 0,1 nm. Das heißt, der „Zugläufer“ kommt in der Stunde knapp zwei Atomdurchmesser weniger weit, als man es bei nichtrelativistischer Rechnung erwarten würde – was bei einer zurückgelegten Strecke von 205 km sicher vernachlässigbar ist - ganz abgesehen von dem von Laien häufig übersehenen Gesetz der gültigen Ziffern.

Für Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit ergeben sich jedoch deutliche Abweichungen von der nichtrelativistischen Additionsregel, vgl. die folgenden Beispiele.

Folgerungen

Als Folge des Additionstheorems kann auch durch Überlagerung zweier Geschwindigkeiten die Lichtgeschwindigkeit nicht übertroffen werden.

1. Beispiel

Es sei

v=0,75c,ux=0,75c

Dann ist

ux=0,75c+0,75c1+0,750,75=1,5c1,5625=0,96c<c

und nicht etwa 1,5c.

2. Beispiel

Ist die Geschwindigkeit u' für den Beobachter gleich der Lichtgeschwindigkeit, dann ist sie es auch für den Beobachter .

Ist zum Beispiel

ux=0,uy=c,uz=0

dann ist

ux=v,uy=c/γ,uz=0,

also insbesondere

ux2+uy2+uz2=v2+c2(1v2c2)=c2=c.

Herleitung

Um das Formelbild einfach zu halten, verwenden wir als Längeneinheit die Strecke, die Licht in einer Sekunde zurückgelegt hat, und nennen sie eine Lichtsekunde. Dann haben Zeit und Länge dieselbe Maßeinheit und die dimensionslose Lichtgeschwindigkeit beträgt c=1. Untersuchungen in anderen Maßsystemen bringen keine tieferen Einsichten.

Aus der inversen Lorentz-Transformation (Ersatz von v durch -v)

t=t+vx1v2 ,x=x+vt1v2 ,y=y ,z=z

folgt, da die Transformation linear ist, für die Differentiale

dt=dt+vdx1v2 ,dx=dx+vdt1v2 ,dy=dy ,dz=dz.

Daher folgt für die Geschwindigkeiten, die der Beobachter ermittelt,

ux=dxdt=dx+vdtdt+vdx=dxdt+v1+vdxdt=ux+v1+vux ,
uy=dydt=dy1v2dt+vdx=dydt1v21+vdxdt=uy1v21+vux ,
uz=dzdt=dz1v2dt+vdx=dzdt1v21+vdxdt=uz1v21+vux .

Umgekehrt gilt (Ersetzen von v durch -v, und hier in der anderen eingebürgerten Schreibweise mit allen Faktoren c wiedergegeben):

ux=uxv1vuxc2 ,uy=uy1v2c21vuxc2 ,uz=uz1v2c21vuxc2 .

Weblinks

Wikibooks: Spezielle Relativitätstheorie – Lern- und Lehrmaterialien