Reimar Lüst

Reimar Lüst

Version vom 2. November 2017, 07:23 Uhr von imported>Samulat (→‎Mitgliedschaften)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Reimar Lüst (* 25. März 1923 in Barmen) ist ein deutscher Astrophysiker und Wissenschaftsmanager.

Biografie

Lüst, Sohn eines evangelischen Pfarrers, besuchte zwischen 1933 und 1941 das Wilhelmsgymnasium und das Humanistische Gymnasium in Kassel, wo er 1941 das Abitur ablegte. Anschließend leistete er von 1941 bis 1943 Wehrdienst bei der Kriegsmarine; dort war er Leitender Ingenieur auf einem U-Boot (U 528). Von 1943 bis 1946 war er in Kriegsgefangenschaft in den USA (Mexia (Texas)) und in England.

Nach seiner Freilassung studierte Lüst zwischen 1946 und 1949 Physik an der Universität Frankfurt am Main. Er promovierte 1951 in Theoretischer Physik bei Carl Friedrich von Weizsäcker als wissenschaftlicher Mitarbeiter des von Werner Heisenberg geleiteten Göttinger Max-Planck-Instituts für Physik. Zwischen 1955 und 1956 erhielt Lüst ein Fulbright-Stipendium am Enrico Fermi Institute der University of Chicago und an der Princeton University. 1959 habilitierte er im Fach Physik an der Universität München.

Lüst war Gastprofessor für Mathematik an der New York University (1959) und am Massachusetts Institute of Technology (1961) sowie für Aeronautik und Astrophysik am California Institute of Technology (1962). 1960 war er wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik. Aufgrund seiner Forschung im Bereich Astrophysik arbeitete er von 1962 bis 1964 mit Beginn des Raumfahrtzeitalters als Technischer Direktor bei der ESA-Vorgänger-Organisation ESRO, deren Vizepräsident er von 1968 bis 1970 war. Zwischen 1963 und 1972 war Lüst Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik.

1964 war er außerordentlicher Professor an der Universität München und 1965 Honorarprofessor an der Technischen Universität München. Von 1969 bis 1972 war er Vorsitzender des Wissenschaftsrates und von 1972 bis 1984 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Zwischen 1984 und 1990 war Lüst Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Von 1989 bis 1999 hatte er das Amt des Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung inne. Seit 1992 ist er Professor der Universität Hamburg.

Durch die Verbindung von Forschung und Mitgliedschaft in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen auf der einen Seite und Mitarbeit in Aufsichtsräten von Firmen im Raumfahrtbereich auf der anderen Seite wird er oft als Wissenschaftsmanager bezeichnet.

Lüst ist verheiratet mit der Journalistin Nina Grunenberg-Lüst. Er ist Vater des theoretischen Physikers Dieter Lüst.

Mitgliedschaften

Mitgliedschaften in anderen Einrichtungen

  • Wissenschaftsrat (1965–1972)
  • Mitglied der American Academy of Arts and Sciences (seit 1976)
  • Korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (seit 1981)
  • Vorsitzender der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (1985 bis 1986)
  • Mitglied der Academia Europaea (seit 1989)
  • Mitglied des Stiftungsrates International Space Science Institut (1995)
  • Wissenschaftlicher Beirat im Hanse-Wissenschaftskolleg (1997)
  • Vorsitzender des Aufsichtsrates Northern Institute of Technology Hamburg Harburg (NITHH) (1998–2003)
  • Vorsitzender der Programmkommission Raumfahrt, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) (1998)
  • Chairman of the Board of Governors International University Bremen (1999–31. Dezember 2004)
  • Seniormitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
  • Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG.

Mitgliedschaften in der Wirtschaft

  • Vorsitzender des Aufsichtsrates der ERNO GmbH, Bremen (1976–1984)
  • Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Aerospace AG München (1990–1993)
  • Mitglied des Aufsichtsrates der Daimler Benz Aerospace AG/DaimlerChrysler AeroSpace AG München (1998)

Ehrungen

Ehrenbürgerschaft

Ehrenmitgliedschaft

Weitere Ehrungen

  • Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland[2] (1973)
  • Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland
  • Offizier der Ehrenlegion (Officier de l'Ordre National de la Légion d'Honneur)
  • Schaffung eines „Reimar-Lüst-Stipendiums“ zur Förderung junger Wissenschaftler aus Spenden deutscher Wirtschaftsunternehmen (1983)[3]
  • Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (1984)
  • Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (1989)[4]
  • Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland (1990)
  • Harnack-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (1993)
  • Ehrensenator der Humboldt-Universität zu Berlin (2003)
  • Wilhelm-Exner-Medaille
  • Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2001)
  • Ehrenmedaille für besondere Verdienste um die Wissenschaft der Zeit-Stiftung
  • Joachim-Jungius-Medaille der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften
  • Der Asteroid (4386) Lüst ist nach ihm benannt.
  • Zahlreiche Ehrendoktorwürden und Ehrenprofessuren wurden ihm verliehen
  • Auf Grund des 90. Geburtstags ehrte ihn Bremen mit einem wissenschaftlichen Kolloquium.[5]

Siehe auch

Veröffentlichungen

  • Hydrodynamik. Bibliographisches Institut, Mannheim 1978, ISBN 3-411-01540-3.
  • Künstliche Wolken – ein Mittel der Weltraumforschung in: Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft. 1968, S. 150–172

Literatur

  • Paul Nolte: Der Wissenschaftsmacher : Reimar Lüst im Gespräch mit Paul Nolte, München : Beck 2008, ISBN 978-3-406-56892-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Reimar Lüst (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 17. Juli 2016.
  2. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 43, 9. März 1973.
  3. Susanne Mellinghoff: Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Max-Planck-Gesellschaft. In: Beiträge zur Hochschulforschung. 25. Jahrgang, Heft 2, 2003, S. 86.
  4. Verdienstordenträgerinnen und -träger seit 1986. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. März 2017.
  5. Senatspressestelle Bremen

Die News der letzten Tage