Erwin Schwab
Erwin Schwab (* 16. September 1964 in Heppenheim) ist ein deutscher Amateurastronom und arbeitet beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. Er entdeckte 98 Asteroiden[1] an der Taunus-Sternwarte des Physikalischen Vereins Frankfurt sowie ferngesteuert mit Teleskopen der Tzec Maun Foundation in den USA und Australien. In der Rangliste der Kleinplaneten-Entdecker befindet er sich unter den Top-Ten der erfolgreichsten deutschen.[2][3]
Für die Europäische Weltraumorganisation (ESA) sucht er als freiwilliger wissenschaftlicher Mitarbeiter nach verloren gegangenen Kometen und potentiell gefährlichen Asteroiden (NEOs).[4][5][6] Dabei hat er von 2014 bis 2021 über 30 vermisste Kometen wiedergefunden, was ungefähr 25% des weltweiten Anteils an Kometen-Wiederentdeckungen in diesem Zeitraum entspricht.[7][8]
Während einer Suchkampagne nach einem verschollenen Kometen entdeckte er im Juli 2019 ein einzigartiges Sternensystem, den ersten bekannten stromgespeisten Intermediär Polaren Bedeckungsveränderlichen, katalogisiert als J1832.4-1627.[9][10]
1986 wurde Schwab Zweiter in der Deutschen Bumerang-Meisterschaft.[11]
Astronomische Leistungen & Entdeckungen
Erwin Schwab begann 1981 die Bahnen von Kleinplaneten am Koordinatenmesstisch der Landessternwarte Heidelberg zu vermessen und machte 1998 seine erste Entdeckung im Team der Starkenburg-Sternwarte Heppenheim.[12] Einen seiner ersten Funde, den am 13. Oktober 1999 im Team der Starkenburg-Sternwarte (IAU-Code 611) entdeckten Kleinplaneten (40764) Gerhardiser, benannte er nach seinem Mentor Gerhard Iser.[13] Der Kleinplanet (33863) Elfriederwin, eine weitere Team-Entdeckung der Heppenheimer Sternwarte, erhielt den Namen seiner Eltern Elfriede und Erwin Schwab senior.[14]
Am 27. November 2006 ist ihm zusammen mit Rainer Kling die erste Entdeckung eines Kleinplaneten auf der Taunus-Sternwarte (IAU-Code B01) gelungen.[15] Dieser Fund trägt den Namen (224831) Neeffisis, eine Kombination aus Christian Ernst Neeff und der Göttin Isis.[16] Christian Ernst Neeff war Mitgründer des Physikalischen Vereins Frankfurt, welcher die Sternwarte auf dem Kleinen Feldberg im Taunus betreibt. Der Verein trägt in seinem Logo die Göttin Isis. Weitere auf dem Taunus Observatorium entdeckte Kleinplaneten, die inzwischen einen Namen tragen, sind zum Beispiel: (204852) Frankfurt,[17] (243440) Colonia, (274020) Skywalker, (207687) Senckenberg und (283142) Weena. Darunter auch die Jupiter-Trojaner (192220) Oicles und (221917) Opites, benannt nach Figuren aus der griechischen Mythologie. Des Weiteren gelang Erwin Schwab zusammen mit Rainer Kling und Ute Zimmer die Entdeckung des potentiell gefährlichen Kleinplaneten 2009 DM45.[18]
Von 2008 bis 2011 hatte Schwab die Möglichkeit ferngesteuert an Teleskopen der Tzec Maun Foundation (IAU-Code H10, D96) zu beobachten.[19] Dabei entdeckte er an einem Teleskop mit 35cm Durchmesser in Mayhill (USA) insbesondere die Kleinplaneten (241418) Darmstadt,[17] (263932) Speyer[20] und (264020) Stuttgart. Für die Entdeckung von (336698) Melbourne und (243536) Mannheim[21] verwendete Schwab einen Refraktor in Moorook (Australien), dessen Linse einen Durchmesser von nur 15cm hatte.[22][23] Nach Amateurastronomen benannte er (328477) Eckstein[24], (378917) Stefankarge, (379155) Volkerheinrich,[25] (389293) Hasubick[26] und (458063) Gustavomuler.[27] Mit einem seiner Funde ehrte er die Tzec Maun Foundation, die ihm kostenlosen Zugang zu den Teleskopen gewährte. (207901) Tzecmaun[28] war die erste anerkannte Entdeckung, die auf einer von dieser Foundation betriebenen Sternwarten gemacht wurde.
Während der Suche nach dem verschollenen Kometen P/2012 K3 (Gibbs) entdeckte Schwab im Juli 2019 ferngesteuert mittels des Calar Alto Schmidt Teleskops (IAU-Code Z84) in Spanien ein einzigartiges Sternensystem, den ersten bekannten stromgespeisten Intermediär Polaren Bedeckungsveränderlichen, katalogisiert als J1832.4-1627 (Identifikations-Nummer der AAVSO: 000-BNG-512).[29][30] Klaus Beuermann, Paul Breitenstein und Erwin Schwab fanden heraus, dass im Gegensatz zu den bisher bekannten Intermediär Polar Veränderlichen Sternen, dieser keine Akkretionsscheibe hat, sondern die Materie direkt auf den Weißen Zwergstern autrifft, veröffentlicht in Astronomy & Astrophysics 2022.[31][32]
Ehrungen
- Auf Vorschlag des spanischen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value) wurde der Asteroid 185638 nach Erwin Schwab benannt.
- Samuel-Thomas-von-Soemmerring-Preis 2009
für: „Astrometrie von Objekten unseres Planetensystems und die Entdeckung von Asteroiden an der Hans-Ludwig-Neumann-Sternwarte des Physikalischen Vereins am Standort Taunus-Observatorium“[33] - Samuel-Thomas-von-Soemmerring-Preis 2019
für: „Bestimmung der Rotationsperiode des gefährlichen Kleinplaneten 2018 AM12“[33] - Samuel-Thomas-von-Soemmerring-Preis 2020
für: „Entdeckung eines Veränderlichen Sterns, dessen Klassifizierung als DQ-Herculis-Typ sowie die Periodenbestimmung anhand von Lichtkurven“[33]
Publikationen (Auswahl)
- Wie das Leben von Pit so mit ihm spielt. Books on Demand GmbH, 2007, ISBN 978-3-8370-0576-9
- Kleinplaneten-Entdeckungen in Deutschland. Epubli Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-741-80915-6
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Minor Planet Discoverers
- ↑ Kleinplaneten-Entdeckungen in Deutschland. Epubli Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-741-80915-6
- ↑ Ranking German Discoverers
- ↑ Lost asteroid rediscovered with a little help from ESA, ESA, 12 October 2012. Retrieved 16 February 2022.
- ↑ Recovering of comet Catalina with the Schmidt telescope, Centro Astronómico Hispano-Alemán, April 2018. Abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Minor Planet Electronic Circulars 2018-H30
- ↑ recoveries of comets in cooperation with the European Space Agency (ESA), private Homepage. Abgerufen am 16. Februar 2022.
- ↑ comet recoveries statistic, private Homepage. Abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Egelsbacher Hobby-Forscher entdeckt seltenen Stern, Offenbacher Post, 12. Januar 2022
- ↑ Discovery report for the AAVSO, 2019-09-05
- ↑ Deutsche Meisterschaft im Bumerangwerfen 1986 private Homepage, Abgerufen am 16. Februar 2022
- ↑ Kleinplaneten Entdecker Erwin Schwab, Abgerufen am 16. Februar 2022
- ↑ Gerhardiser @ Minor Planet Database
- ↑ Elfriederwin @ Minor Planet Database
- ↑ Jahrbuch des Nassauischen Vereins für Naturkunde, 2019, Nr. 140, S.167
- ↑ [https://www.minorplanetcenter.net/db_search/show_object?utf8=%E2%9C%93&object_id=Neeffisis Minor Planet Database
- ↑ 17,0 17,1 Frankfurter Rundschau Online, abgerufen am 9. August 2010
- ↑ Minor Planet Electronic Circulars 2009-D81
- ↑ Tzec Maun
- ↑ Kleinplant trägt Namen „Speyer“: Von Sterngucker Erwin Schwab entdeckter Asteroid zieht in rund 202 Millionen Kilometer Entfernung zwischen Mars und Jupiter seine Bahn. In: Speyer Aktuell Medien KG. 9. Juli 2011, abgerufen am 23. September 2017.
- ↑ Amtsblatt Mannheim vom 6. Januar 2011 (PDF; 4,4 MB)
- ↑ Asteroid Mannheim, Abgerufen am 16. Februar 2022
- ↑ Asteroid Melbourne, Abgerufen am 16. Februar 2022
- ↑ Eckstein @ Minor Planet Database
- ↑ Volkerheinrich @ Minor Planet Database
- ↑ Hasubick @ Minor Planet Database
- ↑ Gustavomuler @ Minor Planet Database
- ↑ Tzecmaun @ Minor Planet Database
- ↑ The first binary star of its kind discovered with the Schmidt telescope, Centro Astronómico Hispano-Alemán, 23 November 2021. Abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ The International Variable Star Index, Datenbankeintrag des Entdeckungskredits.
- ↑ J1832.4-1627, the first eclipsing stream-fed intermediate polar, Beuermann, K., Breitenstein, P. & Schwab, E. 2022, A&A, 657, A101 (englisch)
- ↑ J1832.4-1627 is the first eclipsing stream-fed intermediate polar, study finds, phys.org, 15 November 2021. Abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ 33,0 33,1 33,2 Preise von Erwin Schwab. Abgerufen am 17. Februar 2022.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schwab, Erwin |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Amateurastronom |
| GEBURTSDATUM | 16. September 1964 |
| GEBURTSORT | Heppenheim (Bergstraße) |