Roter Riese

Roter Riese

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Ein Roter Riese ist ein Stern von großer Ausdehnung und damit im Vergleich zu einem Hauptreihenstern gleicher Oberflächentemperatur (einem sogenannten roten Zwerg) ein Himmelskörper hoher Leuchtkraft. Beispiele hierfür sind einige Sterne erster Größe, die bereits freiäugig rot erscheinen: Aldebaran im Sternbild Stier und Beteigeuze, die linke Schulter des Orion. Auch Arktur im Sternbild Bärenhüter gehört zu dieser Klasse, leuchtet aber gelbrot.

Rote Riesen sind „alternde“ Sterne etwa von Sonnenmasse, in deren Kern das „Wasserstoffbrennen“ (4 Protonen zu 1 Heliumkern) mangels Nachschub erloschen ist. Sie verlagern sich daraufhin aufs Schalenbrennen, dehnen sich auf etwa das Hundertfache aus und im noch heißer gewordenen Kern fusioniert nun Helium zu Kohlenstoff. Nach weiteren Jahrmillionen enden sie – je nach Restmasse – als Weißer Zwerg oder als Neutronenstern.

Merkmale

Rote Riesen gehören zumeist den Spektralklassen K und M an, deren Oberflächentemperaturen laut Schmidt-Kaler (1982) bei 3330 (Spektralklasse M5) bis 4750 (Spektralklasse K0) Kelvin liegen. Relativ selten weisen sie eine der Spektralklassen R, N oder S auf, für die Schmidt-Kaler (1982) eine Temperaturspanne von 1900 bis 5400 K angibt. Mit diesen im Vergleich zur Sonne (deren Oberflächentemperatur 5780 K beträgt) niedrigen Temperaturen liegt das Maximum ihrer Schwarzkörperstrahlung im roten oder orangen Farbbereich.

Aufgrund ihrer Ausdehnung der und damit verbundenen großen Oberfläche ist die abgestrahlte Lichtmenge und damit die Leuchtkraft Roter Riesen sehr hoch, sodass es sich um Sterne großer absoluter Helligkeit handelt. Im visuellen Bereich liegen die absoluten Helligkeiten Roter Riesen der Spektralklassen K und M gemäß Schmidt-Kaler (1982) bei −0,4 bis 0,7 Magnituden, womit sie die Sonne (die mit 4,8 Magnituden erstrahlt) um etwa das 100-Fache übertreffen. Für die über das gesamte Spektrum integrierte Leuchtkraft (die sogenannte bolometrische Helligkeit) Roter Riesen der Klassen K und M gibt Schmidt-Kaler (1982) Werte von −2,6 bis 0,4 Magnituden an, was die Leuchtkraft der Sonne von 4,7 Magnituden um das bis zu 1000-Fache übersteigt. Die große Leuchtkraft bringt es zwangsläufig mit sich, dass Rote Riesen im Vergleich zu auch heißeren Hauptreihensternen aus sehr großer Entfernung zu sehen sind. Gerade unter den hellen, mit bloßem Auge sichtbaren Sternen sind sie besonders stark vertreten.

Wegen ihrer niedrigen Oberflächentemperatur und hohen Leuchtkraft befinden sich Rote Riesen im rechten oberen Bereich des Hertzsprung-Russell-Diagramms.

Wie im Artikel Sternoberfläche ausführlich dargestellt wird, weisen gerade Rote Riesen oft ausgedehnte Photosphären auf. Physikalische Größen wie Oberflächentemperatur, Oberflächenschwere oder Radius bedürfen daher bei diesen Sternen einer besonders sorgfältigen Definition.

Entwicklung Roter Riesen bis zum Asymptotischen Riesenast

Sonnenähnliche Ausgangssterne

Datei:Entwicklung sonnenaehnlicher Stern HRD.jpg
Entwicklung eines sonnenähnlichen Sterns vom Einmünden des Protosterns in die Hauptreihe (A-B) bis zum asymptotischen Riesenast (D-E)
Datei:Entwicklung sonnenaehnlicher Stern Leuchtkraft.jpg
Leuchtkraft eines sonnenähnlichen Sterns vom Einmünden des Protosterns in die Hauptreihe bis zum asymptotischen Riesenast
Datei:Entwicklung sonnenaehnlicher Stern Masse.jpg
Masse eines sonnenähnlichen Sterns vom Einmünden des Protosterns in die Hauptreihe bis zum asymptotischen Riesenast

Rote Riesen gehen aus massearmen Hauptreihensternen am Ende ihrer Entwicklung hervor. Im Detail hängt dabei das Geschehen vor allem von der Masse, aber auch der chemischen Zusammensetzung des ursprünglichen Sterns ab. Um die Prinzipien dieser Spätphase der Sternentwicklung herauszuarbeiten, sei als Beispiel zunächst der Entwicklungspfad eines sonnenähnlichen Sterns (1 Sonnenmasse, 68 % Massenanteil für Wasserstoff, 30 % für Helium, 2 % für sonstige Elemente) im Hertzsprung-Russel-Diagramm (HRD) nach den Modellen von Schaller und Kollegen (1992) und Charbonnel und Kollegen (1996) gezeigt.

Schon im Hauptreihenstadium führt die Umwandlung von Wasserstoff zu Helium im Kern zu einem Leuchtkraftanstieg. Durch diesen Prozess verringert sich die Zahl der Teilchen (aus 4 Protonen und 4 Elektronen gehen 1 Heliumkern und 2 Elektronen hervor), gleichzeitig steigt die mittlere Atommasse (von 0,5 auf 1,33 atomare Masseneinheiten). Die Verringerung der Teilchenzahl im Kern zieht automatisch eine höhere Massendichte nach sich. An der Grenze zwischen Kern und inaktiver Wasserstoffhülle herrschen nämlich Temperatur- und Druckgleichgewicht und damit auf beiden Seiten jeweils die gleiche Teilchendichte. Da im Kern aber die Teilchenzahl abnimmt, kann dieses Gleichgewicht dort nur durch eine Verdichtung der Masse aufrechterhalten werden. Die Zentraltemperatur ist direkt proportional der Atommasse (siehe Sternaufbau), sodass mit der Atommasse auch die Temperatur im Kern entsprechend steigt. Damit aber wächst auch die nukleare Energieproduktion und somit die Leuchtkraft. Die Strahlungsleistung der Sonne ist den Modellen zufolge seit dem Beginn des Hauptreihenstadiums vor etwa 4,5 Milliarden Jahren um etwa 35 % angewachsen.

Im Laufe der Zeit geht der Wasserstoffvorrat im Kern zur Neige (im hier diskutierten Modell nach etwa 9,5 Milliarden Jahren), und damit versiegt dort auch die Energieproduktion. Dadurch gewinnt die Gravitation gegenüber dem Gasdruck +Strahlungsdruck die Oberhand; der Kern verdichtet sich wiederum. Dementsprechend steigt auch die Temperatur weiter an, sodass in der bisher inaktiven Wasserstoffhülle die Kernfusion zu Helium einsetzen kann. Zum Zeitpunkt des Versiegens des Wasserstoffs im Kern (Punkt A in HRD) ist die Leuchtkraft des Sterns schon auf etwa das 2-Fache des Sonnenwertes angewachsen.

Das Wasserstoffschalenbrennen treibt die Hülle des Sterns nach außen, wodurch diese trotz weiter steigender Zentraltemperatur auskühlt. Da die Leuchtkraft sehr stark von der Oberflächentemperatur abhängt, nimmt diese zunächst trotz der immer höheren Kerntemperatur nicht weiter zu. Der Stern ist in diesem Stadium ein gelber Unterriese (Spektraltyp G, Leuchtkraftklasse IV), derer sich im HRD parallel zur Temperaturachse von links nach rechts bewegt. Sein Radius wächst dabei etwa um das Zweifache an.

Mit fallender Oberflächentemperatur reicht die Wasserstoffkonvektionszone immer tiefer in den Stern hinab (siehe wiederum Sternaufbau), bis sie schließlich auf die wasserstoffbrennende Zone trifft. Damit können erstmals nukleare Reaktionsprodukte (von der wasserstoffbrennenden Schale erzeugtes Helium) in die Photosphäre gelangen (Punkt B im HRD). Dieses Stadium ist nach etwa 10,7 Milliarden Jahren erreicht. Die Unterriesenphase ist mit etwa 1,2 Milliarden Jahren also achtmal kürzer als das Hauptreihendasein.

Von Punkt B an beschleunigt sich das weitere Geschehen erheblich. Durch das Wasserstoffschalenbrennen nimmt die Masse des Heliumkerns zu, wodurch die Effekte der geringer werdenden Teilchenzahl, der zunehmenden Atommasse und des Gravitationsdrucks immer stärker greifen. In nur etwa 600 Millionen Jahren wandert der Stern zu Punkt C im HRD, wo das Zusammenwirken von hoher Leuchtkraft und geringer Oberflächenschwere nun auch den Masseverlust durch Sternwind drastisch anwachsen lässt. Die Leuchtkraft beträgt jetzt etwa das 35-Fache des Sonnenwertes, der Radius etwa 10 Sonnenradien. Der Stern ist zu einem Roten Riesen (Spektraltyp K, Leuchtkraftklasse III) geworden. Mit einem Masseverlust von etwa 10−10 Sonnenmassen pro Jahr ist der Sternwind bereits 10000 Mal so stark wie derjenige der Sonne, aber noch nicht ausreichend, um in kurzer Zeit die Struktur des Sterns entscheidend zu beeinflussen.

Von Punkt C aus benötigt der Stern nur noch etwa 50 Millionen Jahre, um erstmals ein Leuchtkraftmaximum zu erreichen. Der hierbei im HRD zurückgelegte Weg wird als Erster Riesenast bezeichnet. Hinsichtlich der abgestrahlten Leistung übertrifft der Rote Riese die Sonne nun etwa um das 1500-Fache, an Radius um das 120-Fache. Er weist jetzt den Spektraltyp M auf. Sein Masseverlust ist mit mehreren 10−8 Sonnenmassen pro Jahr so stark, dass der Stern im Laufe der weiteren Entwicklung einen signifikanten Teil seiner Masse einbüßt. Die Zentraldichte ist mit etwa 700 kg cm−3 so hoch, dass der Kern weitgehend wie ein Weißer Zwerg entartet ist.

Aufgrund dieser enormen Dichte (und der hohen Zentraltemperatur) kann nun das Heliumbrennen einsetzen. Damit steht im Kern eine neue Energiequelle zur Verfügung, die die Temperatur weiter ansteigen lässt. Da die Energieausbeute des Heliumbrennens aber extrem stark von der Temperatur abhängt (von deren 30. Potenz), kommt ein sich äußerst rasch aufschaukelnder Prozess in Gang, der als Helium-Blitz bezeichnet wird. Ist die Kerntemperatur genügend hoch, wird dessen Entartung aufgehoben. Damit wird jedoch der dort herrschende Gasdruck wieder temperaturabhängig, was eine heftige Expansion nach sich zieht. Die Hülle des Sterns ist aber in der Lage, diese abzufangen. Es kommt nicht zu einer Supernova-Explosion, doch zumindest zu einem Abwurf der äußersten, kühlen Schichten. Die Expansion lässt den Kern abkühlen, wodurch sich schließlich ein stabiler Zustand mit ruhig ablaufender Kernfusion einstellt.

Mit dem Abstoßen der äußersten Schichten wird der Stern wieder kleiner und an der Oberfläche heißer. Aus dem M-Riesen wird wieder ein K-Riese mit etwa 47 Sonnenleuchtkräften und 12 Sonnenradien (Punkt D im HRD).

Das Heliumbrennen verbringt der Rote Riese mit relativ gleichbleibender Leuchtkraft und Oberflächentemperatur. Erst wenn auch diese Energiequelle zur Neige geht, bewegt sich der Stern im HRD wieder nach rechts oben. Da dieser Pfad nicht mit dem Ersten Riesenast identisch, sondern zu etwas höheren Oberflächentemperaturen hin verschoben ist, erhält er eine eigene Bezeichnung als Asymptotischer Riesenast.

Abermals liegt die Ursache für den Leuchtkraftanstieg in der abnehmenden Teilchenzahl (3 Heliumkerne wandeln sich in 1 Kohlenstoffkern um), der zunehmenden Atommasse (von 1,33 auf 1,85 atomare Masseneinheiten) und Gravitationsdruck. Nach etwa 120 Millionen Jahren ist das Helium im Kern aufgebraucht (nur 1/80 der Dauer des Hauptreihenstadiums), der Punkt E im HRD ist erreicht (etwa 120-fache Sonnenleuchtkraft und 23-facher Sonnenradius). Nach weiteren 40 Millionen Jahren hat der Stern das erste Leistungsmaximum übertroffen, er weist jetzt etwa 2500 Sonnenleuchtkräfte und 160 Sonnenradien auf. In seinem Zentrum befindet sich nun ein inaktiver, wiederum bis zur Entartung verdichteter Kern aus Kohlenstoff und Sauerstoff (letzterer geht durch Anlagerung eines weiteren Heliumkerns an den Kohlenstoff hervor), umgeben von einer heliumbrennenden Schale, der sich weiter außen die wasserstoffbrennende Schale anschließt. Wie im nächsten Abschnitt gezeigt wird, steigt auf dem Asymptotischen Riesenast die Leuchtkraft noch etwas weiter an.

Zwei weitere Abbildungen sollen noch einmal die sich beschleunigende zeitliche Entwicklung verdeutlichen. Um das kurze Stadium des Roten Riesen graphisch sichtbar machen zu können, sind Leuchtkraft und Masse nicht gegen das Alter des Sterns, sondern die noch verbleibende Zeit bis zum Beginn des Stadiums des Weißen Zwerges aufgetragen. Die Zeit ist logarithmisch dargestellt, d. h. von links nach rechts werden die einzelnen Entwicklungsphasen immer kürzer. Nach einem gemächlichen Leuchtkraftanstieg im Hauptreihenstadium und einer stabilen Energieabgabe in der Unterriesenphase folgt ein rascher, dramatischer Anstieg zum Ersten Riesenast. Der Helium-Blitz löst geradezu einen Leuchtkraftabsturz aus, dem sich eine zweite, jedoch kurze Phase von Stabilität anschließt. Schließlich erfolgt ein schneller Aufstieg auf dem Asymptotischen Riesenast.

Die Masse des Sterns bleibt lange Zeit stabil, erst nahe am ersten Leuchtkraftmaximum greift der Sternwind strukturverändernd ein. Bis zum Einsetzen des Heliumbrennens hat der Rote Riese mehr als 10 % seiner ursprünglichen Masse verloren. Nach dem Aufstieg auf dem Asymptotischen Riesenast hat er 30 % der Ursprungsmasse eingebüßt.

Einfluss der Masse auf die Sternentwicklung

Datei:Entwicklung HRD Masse.jpg
Entwicklung eines Sterns mit 1,7 Sonnenmassen vom Einmünden des Protosterns in die Hauptreihe bis zum asymptotischen Riesenast

Von allen Zustandsgrößen hat die Masse bei weitem den stärksten Einfluss auf die Sternentwicklung. Als Beispiel sei hier der Weg im HRD eines Stern sonnenähnlicher chemischer Zusammensetzung, aber mit 1,7 Sonnenmassen, dem soeben skizzierten Szenario eines Sterns mit 1 Sonnenmasse gegenübergestellt. Die Punkte A bis E entsprechen den gleichen Entwicklungsstadien wie hierbei besprochen.

Im Hauptreihenstadium ist der massereichere Stern bei weitem leuchtkräftiger als der massearme, der Unterschied beträgt etwa den Faktor 10. Dementsprechend ist der Wasserstoffvorrat im Kern trotz größerer Ausgangsmasse wesentlich schneller versiegt; nach etwa 1,6 statt 9,5 Milliarden Jahren. Wie bei einem Stern mit 1 Sonnenmasse ist schon das Hauptreihendasein von einem signifikanten Anstieg der Leuchtkraft begleitet.

Die darauffolgende Unterriesenphase ist besonders kurz, sie umfasst lediglich etwa 40 Millionen statt 1,2 Milliarden Jahre. Sie ist nun durch einen bemerkenswerten Leuchtkraftabfall gekennzeichnet, der aber durch die verhältnismäßig starke Abkühlung der Sternoberfläche erklärt werden kann. Während bei dem massearmen Stern zwischen den Punkten A und B die Oberflächentemperatur um etwa 700 K zurückgeht, fällt diese bei dem massereicheren um etwa 2000 K ab. Die Leuchtkraft hängt jedoch empfindlich von der Oberflächentemperatur ab, nämlich ihrer vierten Potenz.

Die weitere Entwicklung verläuft z. T. erstaunlich analog, der massereichere Stern büßt insbesondere seinen anfänglichen enormen Leuchtkraftvorsprung auf der logarithmischen Skala weitgehend ein. Sein Aufstieg auf die Spitze des Ersten Riesenastes geschieht zwar rasch – in etwa 80 statt 600 Millionen Jahren – doch mit dann etwa 2200 Sonnenleuchtkräften übertrifft er den massearmen Stern nur noch um etwa einen Faktor 1,5. Trotz unterschiedlicher Ausgangsmassen und damit Leuchtkräfte und Oberflächentemperaturen nähern sich die Entwicklungspfade der Sterne mit weniger als etwa 2,5 Sonnenmassen in ihrer Spätphase stark aneinander an. Es kommt zu einer Zusammenballung der Roten Riesen im HRD, auch wenn die massereicheren geringfügig heißer sind als die masseärmeren. Erst oberhalb von etwa 2,5 Sonnenmassen bleiben die anfänglichen Leuchtkraftunterschiede zwischen Sternen unterschiedlicher Ausgangsmasse auch im Stadium des Roten Riesen erhalten, wobei dieses aber dann mehr und mehr der Leuchtkraftklasse II, den hellen Riesen, zuzuordnen ist.

Auch nach dem Heliumblitz bleiben die Wege der masseärmeren Sterne dicht beisammen. Der Stern mit ursprünglich 1,7 Sonnenmassen weist mit etwa 86 Sonnenleuchtkräften nur einen Vorsprung von knapp einem Faktor 2 gegenüber dem Stern mit 1 Sonnenmasse auf. Dies hat zur Folge, dass die Dauer des zentralen Heliumbrennens nur wenig verkürzt ist, auf 80 statt 120 Millionen Jahre. Der Aufstieg zum Asymptotischen Riesenast erfolgt hingegen wieder ziemlich rasch, nämlich innerhalb von 15 statt 40 Millionen Jahren. Mit 2700 Sonnenleuchtkräften ist der Leuchtkraftvorsprung gegenüber dem Stern mit 1 Sonnenmasse nun fast ganz verschwunden.

Da der Stern mit ursprünglich 1,7 Sonnenmassen als Roter Riese kaum leuchtkräftiger ist als derjenige mit anfänglich 1 Sonnenmasse, darf man auch keinen wesentlich höheren Masseverlust erwarten. Die hier verwendeten Modelle sagen für den massereicheren bis zum Aufstieg zum Asymptotischen Riesenast sogar einen geringeren Masseverlust voraus. Während der masseärmere bis zu dieser Phase bereits etwa 0,3 Sonnenmassen (30 % seiner Ausgangsmasse) verloren hat, sind dem massereicheren nur etwa 0,15 Sonnenmassen (ca. 10 % seiner Ursprungsmasse) abhandengekommen.

Während zu höheren Sternmassen hin der Übergang von den Riesen zu den hellen Riesen fließend ist, ist die kleinste Ausgangsmasse Roter Riesen durch das Alter des Universums und die Dauer der Hauptreihenphase klar definiert. Sterne mit weniger als 0,8 Sonnenmassen hatten noch gar nicht die Gelegenheit, die Hauptreihe zu verlassen. Eine noch geringere Masse bei Roten Riesen kann sich nur durch heftigen Sternwind einstellen.

Einfluss der chemischen Zusammensetzung auf die Sternentwicklung

Datei:Entwicklung HRD Zusammensetzung.jpg
Entwicklung eines Sterns mit 1 Sonnenmasse, aber sehr geringem Anteil von Elementen schwerer als Helium, vom Einmünden des Protosterns in die Hauptreihe bis zum asymptotischen Riesenast.

Schließlich sei auch die Rolle der chemischen Zusammensetzung an einem Beispiel aufgezeigt. Der sonnenähnliche Stern mit einem Anteil von 2 % an Elementen schwerer als Helium wird nun mit einem Stern gleicher Masse, aber nur einem Anteil von 0,1 % an „schweren“ Elementen verglichen.

Der „metallarme“ Stern (mit dem geringen Anteil „schwerer“ Elemente) ist auf der Hauptreihe bedeutend leuchtkräftiger, etwa um einen Faktor 3. Je weniger „schwere“ Elemente die Sternmaterie enthält, umso durchsichtiger ist sie, umso schwächer sind die die Energie zurückhaltenden Spektrallinien. Zugleich ist der „metallarme“ Stern an der Oberfläche um etwa 1000 K heißer. Spektrallinien treten vor allem im Blauen und Ultravioletten auf. Dieser Bereich des Spektrums profitiert also am meisten von der erhöhten Durchsichtigkeit.

Durch die Verschiebung hin zu höherer Leuchtkraft als auch Temperatur gelangt der Stern im HRD dem Anschein nach unter die Hauptreihe der Sterne sonnenähnlicher Zusammensetzung. Dies wurde früher irrtümlich als Leuchtkraftdefizit interpretiert, wodurch solche Sterne „Unterzwerge“ genannt und ihnen eine eigene Leuchtkraftklasse VI zugewiesen wurde.

Die in Wahrheit größere Leuchtkraft verkürzt erwartungsgemäß das Hauptreihenstadium – den Modellen zufolge etwa um ein Drittel. Nach etwa 6 Milliarden Jahren ist der Wasserstoff im Kern verbraucht. Auch in der Unterriesenphase bleibt der Leuchtkraftunterschied erhalten. Somit fällt für den „metallarmen“ Stern auch dieser Lebensabschnitt kürzer aus – mit etwa 600 Millionen Jahren um die Hälfte.

Der Weg zum Ersten Riesenast ist mit etwa 200 Millionen Jahren sogar um etwa zwei Drittel kürzer als bei Sternen mit sonnenähnlicher Elementenhäufigkeit. Dabei büßt nun aber auch der „metallarme“ Stern seinen Leuchtkraftvorsprung ein, und so ist die Dauer des Heliumbrennes mit 80 Millionen Jahren abermals nur um etwa ein Drittel verkürzt. Der Aufstieg zum Asymptotischen Riesenast vollzieht sich hingegen wieder rasch, er benötigt mit etwa 20 Millionen Jahren nur die halbe Zeit im Vergleich zu einem sonnenähnlichen Stern.

Erhalten bleibt zumindest zum Teil die höhere Oberflächentemperatur. Als Roter Riese ist der „metallarme“ Stern noch immer um etwa 500–600 K heißer. Die Riesenäste von Kugelsternhaufen, die sich durch einen besonders geringen Anteil „schwerer“ Elemente auszeichnen (zumeist nur einige 0,01 %), sind blauer als bei offenen Sternhaufen, deren chemische Zusammensetzung mit der der Sonne vergleichbar ist.

Asteroseismologie

Mittels der Asteroseismologie ist es möglich, den Status des Roten Riesen zu untersuchen. Die Konvektion in der äußeren Atmosphäre regt Schwingungen an, die von der Photosphäre und Dichtesprüngen im Stern reflektiert werden und zur Bildung eines komplexen Musters an stehenden Wellen in der Atmosphäre des Roten Riesen führen. Die Dichtespünge entstehen an den Rändern der wasserstoff- und heliumbrennenden Zonen, in denen schwere Elemente als Ergebnis der Fusion entstehen. Bei einer Analyse von minimalen Helligkeitsvariationen aus den Datensätzen der Kepler-Mission gelang eine Einteilung nach wasserstoff- oder heliumbrennenden Roten Riesen. Damit lassen sich die Modelle der Sternentwicklung von Sternen mittlerer Masse besser verifizieren bezüglich Massenverluste und der minimalen Masse, die zum Zünden des Heliumbrennens erforderlich ist.[1] Die Asteroseismologie ermöglicht weiterhin die Untersuchung des Rotationsverlaufs innerhalb der Sterne. Dabei stellt sich heraus, dass die Rotationsdauer der Kerne von Roten Riesen erheblich kürzer ist als die ihrer ausgedehnten Atmosphären. Die schnelle Rotation führt zu stärken Vermischung im Inneren der Sterne und damit steht auch mehr Brennstoff für thermonukleare Reaktionen zur Verfügung, wodurch die Lebensdauer dieser Sterne verändert wird.[2]

Entwicklung Roter Riesen bis zum Weißen Zwerg

Infolge ihrer Ausdehnung haben die äußeren Gasschichten eine sehr geringe Dichte und sind nur noch schwach durch die Gravitation des Sterns gebunden. Daher entwickelt sich im Verlauf seines Roten-Riesen-Stadiums ein starker Sternwind, durch den die äußeren Gasschichten vollständig abgestoßen werden; sie umgeben ihn dann für einige Zeit als planetarischer Nebel. Rote Riesen mit einer Masse von weniger als acht Sonnenmassen schrumpfen in der Folge zu Weißen Zwergen. Bei mehr als acht Sonnenmassen setzen am Ende des Heliumbrennens weitere Fusionsprozesse ein, bis der Rote Riese als Supernova explodiert.

Beispiele

Größenvergleich zwischen Aldebaran und der Sonne
Name Masse in M Radius in R Leuchtkraft in L
Aldebaran (α Tau A) 2,5 44,2 156
Arktur (α Boo) 1,5 25,7 210
Enif (ε Peg A) 10–11 185 6.700
Gacrux (γ Cru) 3 84 1.500
La Superba (Y CVn) 3 215 4.400
Menkar (α Cet) 3 84 1.800
Mira (ο Cet A) 1,2 400 8.400
Ras Algethi (α Her A) 7–8 300 17.000

Siehe auch

Literatur

  • C. Charbonnel, G. Meynet, A. Maeder, D. Schaerer: Grids of stellar models. VI. Horizontal branch and early asymptotic giant branch for low mass stars (Z = 0.020, 0.001). In: Astronomy and Astrophysics Supplement Series. Band 115, 1996, S. 339–344.
  • Norbert Langer: Leben und Sterben der Sterne. C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1995, ISBN 3-406-39720-4.
  • G. Schaller, D. Schaerer, G. Meynet, A. Maeder: New grids of stellar models from 0.8 to 120 solar masses at Z = 0.020 and Z = 0.001. In: Astronomy and Astrophysics Supplement Series. Band 96, 1992, S. 269–331.
  • Theodor Schmidt-Kaler: Physical Parameters of Stars. In: K. Schaifers, H. H. Voigt (Hrsg.): Landolt-Börnstein New Series. Vol. 2b, Springer, New York 1982.
  • Klaus Werner, Thomas Rauch: Die Wiedergeburt der Roten Riesen. In: Sterne und Weltraum. 46(2), 2007, S. 36–44. ISSN 0039-1263

Weblinks

Wiktionary: Roter Riese – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Rote Riesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Timothy R. Bedding u. a.: Gravity modes as a way to distinguish between hydrogen- and helium-burning red giant stars. In: Nature. Band 471, Nr. 4, 2011, S. 608–611, doi:10.1038/nature09935.
  2. M. P. Di Mauro u. a.: Internal rotation of red giants by asteroseismology. In: Astrophysics. Solar and Stellar Astrophysics. 2012, arxiv:1212.4758.

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