Schiefe Ebene

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Eine schiefe, schräge oder geneigte Ebene (kurz respektive umgangssprachlich: Hang, Schiefe, Schräge bzw. Neigung) ist in der Mechanik eine ebene Fläche, die gegen die Horizontale geneigt ist. Sie wird verwendet, um den Kraftaufwand zur Höhenveränderung einer Masse zu verringern – der Arbeitsaufwand bleibt jedoch unverändert (ähnlich wie beim Hebel oder dem Flaschenzug). Die schiefe Ebene gehört zu den elementarsten einfachen Maschinen, auf der dann zahlreiche mechanische Wirkweisen beruhen, sie bildet beispielsweise die Basis einfacher Maschinen wie Keil oder Schraube.

Bei einer schiefen Ebene mit einem Neigungswinkel  α von 45° (entsprechend einem Anstieg von 100 %) verlängert sich die Strecke zum Heben eines Gewichts von z. B. 10 m in der Senkrechten auf etwa 14,1 m entlang der schiefen Ebene, wodurch sich der Kraftaufwand (unter Vernachlässigung der Reibung) auf 71 % reduziert. Wird der Neigungswinkel auf 22,5° (gleich einer Steigung von 41,5 %) halbiert, verlängert sich die Strecke  l auf rund 22 m, der Kraftaufwand verringert sich auf rund 45 % im Vergleich zum direkten Heben.

Alltag

Eine Rampe verschafft Zugang zum Obergeschoss.
Für Fahrräder und Kinderwagen gibt es oft Rampenanlagen parallel zu Treppen.

Anwendungen dieses Prinzips finden sich beispielsweise bei Serpentinen im Gebirge, Rampen, die im Altertum zur Errichtung von Gebäuden benutzt wurden, Fahrrad- oder Rollstuhlrampen usw. Schrauben lassen sich auch als Zylinder (Stange) mit einer aufgewickelten schiefen Ebene betrachten.

Das Werkzeug Keil nutzt ebenfalls die Prinzipien der schiefen Ebene.

Physikalische Grundlagen

Im Folgenden wird die Situation einer ruhenden Masse im Gleichgewicht auf einer schiefen Ebene beschrieben.

Die Gewichtskraft FG einer Masse, die sich auf einer schiefen Ebene befindet, hat ihren Angriffspunkt im Schwerpunkt der Masse. Sie wird zur Beschreibung des Problems in zwei Komponenten zerlegt, die Hangabtriebskomponente der Gewichtskraft FGH parallel zur Oberfläche der schiefen Ebene und die Normalkomponente der Gewichtskraft FGN senkrecht zur Oberfläche. Es ist strikt zu unterscheiden zwischen den echt wirkenden Kräften und der Zerlegung der Gewichtskraft in zwei Komponenten – die Komponenten sind keine wirkenden Kräfte. Die Normalkraft FN, welche von unten auf die Masse wirkt, ist eine Kontaktkraft und steht senkrecht zur Ebene. Ihr Angriffspunkt ist nicht im Schwerpunkt der Kontaktfläche, da der Druck nicht konstant ist. Der Betrag der Normalkraft FN ist gleich dem Betrag der Normalkomponente der Gewichtskraft FGN. Eine weitere Kraft, die wirkt, ist die Haftreibungskraft FRH. Auch diese ist eine Kontaktkraft und greift im Schwerpunkt der Kontaktfläche an – ist jedoch parallel zur Ebene und entgegengesetzt der Richtung der Hangabtriebskomponente der Gewichtskraft FGH.

Damit der Körper in Ruhe bleibt, darf die Hangabtriebskraft FGH nicht größer sein als die maximal mögliche Haftreibungskraft FRHmax. Letztere ist durch den Haftreibungskoeffizient  μH und den Betrag der Normalkraft FN gegeben. Es gilt:

FRHFRHmax=μHFN.

Ist diese Bedingung nicht erfüllt (weil bspw. der Neigungswinkel der Ebene zu groß ist oder der Haftreibungskoeffizient  μH zu klein), beginnt die Masse zu rutschen.

Hat die Masse eine Geschwindigkeit oder wirken noch weitere Kräfte, so müssen zusätzliche Überlegungen und Fallunterscheidungen gemacht werden, die hier noch nicht beschrieben sind. Die detaillierte mathematische Beschreibung der ruhenden Masse auf der schiefen Ebene ist im nächsten Abschnitt festgehalten.

Körper in Ruhe

Schiefe Ebenen mit einem Neigungswinkel α
Rot ist die Gewichtskraft und ihre Zerlegung in die Komponenten, grün sind die Kontaktkräfte zwischen Körper und Unterlage.

Folgende Bezeichnungen werden verwendet:

FG = Gewichtskraft der Masse,
FGN = Normalkomponente der Gewichtskraft FG,
FN = Normalkraft,
FGH=FH = Hangabtriebskomponente der Gewichtskraft FG,
FR = Haftreibungskraft,
α = Neigungswinkel der schiefen Ebene,
μH = Haftreibungs-Koeffizient,
(μ = Gleitreibungskoeffizient)
h = Höhe der schiefen Ebene,
b = Basis der schiefen Ebene sowie
l = Länge der schiefen Ebene.

Die Gewichtskraft FG kann aufgeteilt werden in eine Komponente senkrecht zur schiefen Ebene (Normalkomponente FGN) und eine Komponente parallel zur schiefen Ebene (Hangabtriebskomponente FGH).

FGN=FGcosα=FGbl
FGH=FGsinα=FGhl

An der Kontaktfläche zwischen Körper und schiefer Ebene wirken eine Normalkraft FN und eine Haftreibungskraft FR.

Da der Körper in Ruhe ist, muss der Betrag der Haftreibungskraft FR gerade gleich groß sein wie der Betrag der Hangabtriebskomponente FGH der Gewichtskraft:

 FR=FGH.

Entsprechend gilt auch:

 FN=FGN.

Mit dem Haftreibungsgesetz:

FRμHFN

ergibt sich als notwendige Bedingung:

μHtanα.

Wenn der Neigungswinkel  α zu groß oder der Reibungskoeffizient μH zu klein ist, so ist kein Gleichgewicht möglich und der Körper rutscht.

Der Haftreibungskoeffizient μH (manchmal als μ0 bezeichnet) ist in jedem Fall größer als der Gleitreibungskoeffizient μ.

Zu beachten ist, dass:

  1. die Steigung als das Verhältnis tan(α)=hb und
  2. der Anstieg als das Verhältnis sin(α)=hl

bezeichnet wird.

Gleitende Bewegung (nur Translation) mit Luftwiderstand

Im Folgenden soll die Luftwiderstandskraft F=kv2 bei der Bewegung des Körpers an der schiefen Ebene berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu obigem Abschnitt ist der Körper nicht mehr in Ruhe. Wirksam sind der Luftwiderstand sowie die Gleitreibung. Die Konstante k ist von der Form des Körpers und der Dichte des strömenden Mediums (bspw.: Luft) abhängig. Es gilt:

k=cwAρ.

Hierbei ist:

cw = der Widerstandsbeiwert,
A = die Körperquerschnittsfläche,
ρ = die Dichte des strömenden Mediums sowie
μ = der Gleitreibungs-Koeffizient.

Aus den Kraftansätzen entstehen recht komplexe Bewegungsgleichungen – diese Differenzialgleichungen sind jedoch lösbar.

Abwärtsbewegung

Datei:Schiefe Ebene g.png

Aus dem Kraftansatz:

ma=mgsinαμmgcosαkv2

folgt die Differenzialgleichung:

mv˙+kv2=c

mit:

c=mgsinαμmgcosα.

Folgende Fälle sind zu unterscheiden:

a)


Ansatz:

v(t)=atanhbtv˙=abcosh2(bt)

Durch Einsetzen in die Differenzialgleichung erhält man unter Berücksichtigung von:

cosh2(bt)=1+sinh2(bt)

und durch Koeffizientenvergleich:

a=ck und b=ckm.

Als Lösung ergibt sich:

v˙=cktanh[tckm+Artanh(v0kc)].
ck ist die Endgeschwindigkeit.
v0<ck.
 tanhx ist der Tangens Hyperbolicus.

Datei:Schiefe Ebene b.png


b)
 c<0 bzw.  tanα<μ

Unter Berücksichtigung von itanhix=tanx erhält man:

v˙=cktan(ckm(tt0));t[0;t0].

Zum Zeitpunkt t0=mckarctan(v0kc) kommt der Körper zur Ruhe.

Für den Bremsweg s gilt:

s=0t0v˙dt=mklncosArtanh(v0kc).


c)
 c=0 bzw.  tanα=μ
v˙=mk(t+mkv0)

Die Geschwindigkeit nähert sich zwar hyperbelförmig der Ruhe, der Bremsweg ist aber unendlich lang.

Aufwärtsbewegung

float
float

Datei:Schiefe Ebene h.png

Aus dem Kraftansatz:

ma=mgsinα+μmgcosα+kv2

folgt die Differenzialgleichung:

mv˙kv2=c

mit:

c=mgsinα+μmgcosα.

Ansatz:

v˙=atanbt
v˙=abcos2bt.

Durch Einsetzen in die Differenzialgleichung erhält man unter Berücksichtigung von:

 cos2bt=1sin2bt

und durch Koeffizientenvergleich erhält man:

a=ck und b=ckm.

Als Lösung ergibt sich:

v˙=cktan(ckm(tt0));t[0;t0]

zum Zeitpunkt:

t0=mckarctan(v0kc)

kommt der Körper zur Ruhe, wobei v0 negativ ist.

Für den Bremsweg s gilt:

s=0t0v˙tdt=mkln(cos[arctan(|v0|kc)]).

Rotation

Bei der Rotation kann man die Energieerhaltung ansetzen: Die potentielle Energie zu Beginn der Bewegung wird in Translations- und Rotationsenergie umgewandelt.

Epot=Ekin+Erot

Das heißt:

mgh=m2v2+ω2Θω

Für den Spezialfall eines Zylinders oder einer Kugel gilt, dass sich das Objekt während einer Umdrehung um den Weg 2πr fortbewegt. Das heißt, wir haben für diesen Spezialfall die Nebenbedingung:

v=2πrT

wegen ω=2π/T gilt also: v=ωr und somit:

mgh=m2(ωr)2+ω2Θω

dies lässt sich vereinfachen zu

2gh=ω2r2+Θmω2=ω2(r2+Θm)

Die Rotationsgeschwindigkeit ergibt sich am Ende der Beschleunigung als

ω=2ghr2+Θm

und die Translationsgeschwindigkeit ist:

v=2gh1+Θmr2

Für den Spezialfall eines homogenen Vollzylinders ist das Trägheitsmoment Θ=mr2/2.[1] Für einen Hohlzylinder mit vernachlässigbar dünnem Rand ist das Trägheitsmoment Θ=mr2.[1] Die Geschwindigkeiten sind damit:

vVollzylinder=4gh3
vHohlzylinder=gh
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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Jürgen Eichler: Physik: Grundlagen für das Ingenieurstudium. Vieweg Verlag, Braunschweig/Wiesbaden 1993, ISBN 978-3-528-04933-1, S. 31, doi:10.1007/978-3-322-96859-3 (Google Books).