Hyperon

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Als Hyperonen werden Baryonen bezeichnet, die mindestens ein Strange-Quark (s-Quark), aber kein schweres Quark (also Charm- oder Bottom-Quark) als Valenzquark enthalten. Hyperonen wurden erstmals in den 1950er-Jahren nachgewiesen. Sie sind instabil und anders als die Nukleonen nicht am Aufbau der normalen Materie beteiligt, sondern gehören zu den Seltsamen Teilchen. Atomkerne, die Hyperonen enthalten, heißen Hyperkerne.

Datei:Baryon-octet-small.svg
Das SU(3)-Baryon-Oktett (Spin = 1/2)
mit den Quantenzahlen Isospin I3, Strangeness S und elektrische Ladung Q
Datei:Baryon-decuplet-small.svg
Das SU(3)-Baryon-Dekuplett (Spin = 3/2)
mit denselben Quantenzahlen.
Alle Teilchen außer dem Ω-Baryon sind kurzlebige (Spin-)Anregungen der Grundzustände im Oktett und können über die starke Wechselwirkung zerfallen.

Nomenklatur und Eigenschaften

Die Nomenklatur der Hyperonen richtet sich nach der Zahl ihrer s-Quarks, d. h. nach ihrer Strangeness:

Hyperonen zerfallen meist unter Einwirkung der Schwachen Wechselwirkung. Dabei wird ein mittelschweres s-Quark in ein leichtes u-Quark umgewandelt, was durch den Austausch eines W- vermittelt wird. Diese Bosonen koppeln ihrerseits meist an Quarks, wobei z. B. Pionen entstehen (hadronischer Zerfall), können aber auch in Leptonen übergehen (semileptonischer Zerfall).[1] Da einige Hyperonen paritätsverletzend zerfallen (z. B. Λ→pπ), spielten sie eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer Theorie für die Schwache Wechselwirkung.[2]

Hyperon Quarkinhalt Spin und Parität (JP) Isospin Strangeness Masse in MeV[3] Lebensdauer in s[3] Zerfallskanäle
Lambda Λ uds 1/2+ 0 −1 1115,683(6) 2,632(20) × 10−10 ,nπ0
Sigma Σ+ uus 1/2+ 1 −1 1189,37(7) 0,8018(26) × 10−10 0, nπ+
Sigma Σ0 uds 1/2+ 1 −1 1192,642(24) 7,4(7) × 10−20 Λγ
Sigma Σ dds 1/2+ 1 −1 1197,449(30) 1,479(11) × 10−10
Xi Ξ0 uss 1/2+ 1/2 −2 1314,86(20) 2,90(9) × 10−10 Λπ0
Xi Ξ dss 1/2+ 1/2 −2 1321,71(7) 1,639(15) × 10−10 Λπ
Sigma Σ*+(1385) uus 3/2+ 1 −1 1382,80(35) Λπ, Σπ
Sigma Σ*0(1385) uds 3/2+ 1 −1 1383,7(1,0) Λπ, Σπ
Sigma Σ*−(1385) dds 3/2+ 1 −1 1387,2(5) Λπ, Σπ
Xi Ξ*0(1530) uss 3/2+ 1/2 −2 1531,80(32) Ξπ
Xi Ξ*−(1530) dss 3/2+ 1/2 −2 1535,0(6) Ξπ
Omega Ω sss 3/2+ 0 −3 1672,45(29) 0,821(11) × 10−10 ΛK, Ξ0π, Ξπ0

Begriffsgeschichte

Der Begriff Hyperon entstand vor der Entdeckung der Quarks. Eine erste Definition lautete: Ein Hyperon ist ein Teilchen, welches schwerer ist als das Neutron, aber leichter als das Deuteron[4]. Mit der Einführung der Quarks als fundamentale Teilchen wurde auch die Definition abgeändert in Baryonen, die s-Quarks enthalten.[5] Mit der Entdeckung der schweren Quarks Charm und Bottom wurde auch diese Definition ungenau, aber nicht weiter spezifiziert. Stattdessen wurde ein Klassifizierungsschema für die Baryonen entworfen.[6] Der Name Hyperon ist als Sammelbegriff weiterhin gebräuchlich in der obigen Definition.

Literatur

  • Walter Greiner, Berndt Mueller: Quantenmechanik. Symmetrien. 4. Auflage. Deutsch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8171-1616-0.
  • Horst Stöcker (Hrsg.): Taschenbuch der Physik. 5. Auflage. Deutsch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8171-1720-5.
  • Bogdan Povh, Klaus Rith, Christoph Scholz, Frank Zetsche: Teilchen und Kerne. 8. Auflage. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-68075-8.
Wiktionary: Hyperon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Walter Greiner, Berndt Mueller: Quantenmechanik. Symmetrien. 3. Auflage. Deutsch, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-8171-1142-8. (Theoretische Physik. Band 5).
  2. T.D. Lee et al.: Possible Detection of Parity Nonconservation in Hyperon Decay. In: Phys.Rev., 106, 1957, S.1367, doi:10.1103/PhysRev.106.1367
  3. 3,0 3,1 J. Beringer et al. (Particle Data Group): 2013 Review of Particle Physics. In: Physical Review D. Bd. 86, 2012, 010001 und 2013 partial update for the 2014 edition. Particle Data Group, abgerufen am 26. Februar 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 149: attempt to index field 'data' (a nil value))..
  4. E.Amaldi et al.: Symbols for fundamental particles. In: Nature. Band 173, 1954, S. 123, doi:10.1038/173123a0.
  5. Bogdan Povh, Klaus Rith, Christoph Scholz, Frank Zetsche: Teilchen und Kerne. 8. Auflage. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-68075-8.
  6. K. Nakamura et al.: Review of Particle Physics. In: J. Phys. G, Nr. 37, 2010, Kapitel 8 Naming scheme for hadrons, S. 075021 (pdg.lbl.gov).