Zitterbewegung

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Die Zitterbewegung ist eine theoretische, schnelle Bewegung von Elementarteilchen, speziell von Elektronen, die der (relativistischen) Dirac-Gleichung gehorchen.

Die Existenz einer solchen Bewegung wurde 1930 von Erwin Schrödinger postuliert, als Ergebnis seiner Analyse von Wellenpaket-Lösungen der Dirac-Gleichung für relativistische Elektronen im Vakuum. In diesem produziert eine Interferenz zwischen dem positiven und dem negativen Energiezustand eine Fluktuation der Position des Elektrons um den Mittelwert mit einer Kreisfrequenz von

ω=2mec2/1,61021s1

mit

Die Zitterbewegung eines freien relativistischen Teilchens wurde nie beobachtet, aber das Verhalten eines solchen Teilchens wurde mit einem eingesperrten Ion simuliert, indem man es in eine Umgebung platzierte, so dass die nicht-relativistische Schrödinger-Gleichung für das Ion dieselbe mathematische Form wie die Dirac-Gleichung hat (obwohl die physikalische Situation anders ist).

Theorie

Aus der zeitabhängigen Schrödingergleichung

Hψ(𝐱,t)=iψt(𝐱,t),

wobei H der Dirac-Hamiltonoperator für ein Elektron im Vakuum ist

H=(α0mc2+j=13αjpjc)

und ψ(𝐱,t) die Wellenfunktion,

folgt im Heisenberg-Bild, dass jeder Operator Q der folgenden Gleichung gehorcht:

idQdt(t)=[H,Q].

Speziell ist der zeitabhängige Ortsoperator gegeben durch

dxkdt(t)=i[H,xk]=cαk

mit αkγ0γk.

Die obige Gleichung zeigt, dass der Operator αk als k-te Komponente des „Geschwindigkeitsoperators“ interpretiert werden kann.

Die Zeitabhängigkeit des Geschwindigkeitsoperators ist gegeben durch

dαkdt(t)=i[H,αk]=2[iγkmσklpl]=2i[cpkαkH]

wobei σkli2[γk,γl] ist und p der Impuls.

Weil sowohl pk als auch H zeitunabhängig sind, kann die obige Gleichung zweimal integriert werden, um die explizite Zeitabhängigkeit xk(t) des Ortsoperators zu erhalten. Zuerst:

αk(t)=αk(0)e2iHt/+cpkH1

Dann:

xk(t)=xk(0)+c2pkH1t+12icH1(αk(0)cpkH1)(e2iHt/1).

Die resultierende Ausdruck besteht aus

  • einer Anfangsposition xk(0)
  • einem Bewegungsanteil c2pkH1t proportional zur Zeit und
  • einem unerwarteten Schwingungsanteil („Zitterbewegung“) 12icH1(αk(0)cpkH1)(e2iHt/1) mit einer Amplitude, die der Compton-Wellenlänge entspricht.

Interessanterweise verschwindet der Zitterbewegungsterm, wenn man die Erwartungswerte für Wellenpakete nimmt, die vollständig aus Wellen mit positiver Energie (oder vollständig aus Wellen mit negativer Energie) bestehen. Dies kann durch die Foldy-Wouthuysen-Transformation erreicht werden.

Siehe auch

Literatur

  • Erwin Schrödinger: Über die kräftefreie Bewegung in der relativistischen Quantenmechanik. In: Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Physikalisch-Mathematische Klasse. 1930, ZDB-ID 959457-7, S. 418–428.
  • Erwin Schrödinger: Zur Quantendynamik des Elektrons. In: Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Physikalisch-Mathematische Klasse. 1931, S. 63–72.
  • Albert Messiah: Quantum Mechanics. Volume 2. North-Holland, Amsterdam 1962, Chapter XX, Section 37, S. 950–952.
  • George Sparling: Zitterbewegung (PDF; 337 kB). In: Seminaires & Congrès. 4, 2000, ZDB-ID 2045737-6, S. 277–305, (englisch).