Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichung
Die Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichung (mit englischer Transkription im Deutschen gelegentlich auch Landau-Lifshitz-Gilbert-Gleichung genannt) beschreibt in der Elektrodynamik das Verhalten der magnetischen Momente eines ferromagnetischen Materials in einem effektiven magnetischen Feld . Benannt ist sie nach Lew Dawidowitsch Landau, Jewgeni Michailowitsch Lifschitz[1] und T. L. Gilbert. Es handelt sich um eine gewöhnliche Differentialgleichung, aus der allerdings durch Berücksichtigung der nichtlokalen Natur dieses Effektivfeldes bezüglich der Wechselwirkung der Magnetisierungsdipole eine komplizierte Integro-Differentialgleichung entsteht.
Landau-Lifschitz-Gleichung
Die ursprüngliche Landau-Lifschitz-Gleichung wurde im Jahr 1935 aufgestellt. Sie beschreibt sowohl die Präzession der Magnetisierung [2] als auch die auftretende Dissipation. ist der konstante Betrag des Vektors die sogenannte „Sättigungsmagnetisierung“.
mit dem gyromagnetischen Verhältnis und dem phänomenologischen Dämpfungsparameter . Jedoch versagt diese Formel für den Fall großer Dämpfung ().
Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichung
1955 ersetzte Gilbert den Dämpfungsterm und führte eine Art zähflüssige Kraft ein. Es ergab sich die sog. Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichung:
die sich in äquivalenter Form auch einfacher schreiben lässt (exakt!):
mit , dem Gilbert-Dämpfungsparameter und der Identifikation (Einheitsvektor). Man kann zeigen, dass die zuletzt resultierende Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichung mit der im vorigen Unterkapitel zitierten originalen Landau-Lifschitz-Gleichung identisch ist, wenn man mit λ identifiziert; der entscheidende Unterschied ist aber, außer der größeren formalen Einfachheit, dass in "fits" jetzt nicht und sondern und benutzt werden. Formal wird nur durch ersetzt; der letzte Term enthält alle Dämpfungsterme.
Im Gegensatz zur Landau-Lifschitz-Gleichung richtet sich das magnetische Moment nun asymptotisch für in Richtung des Feldes aus, wobei sich nun wie in der Mechanik beim „gedämpften Oszillator“ [3] die Dämpfung auch auf die Präzessionsfrequenz auswirkt. Für den Fall kleiner Dämpfung geht die Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichung in die Landau-Lifschitz-Gleichung über.
Das „effektive Feld“
Landau und Lifschitz haben 1935 noch angegeben, wie der Vektor von allen vier beteiligten Wechselwirkungen (der „magnetischen Austauschenergie“, der „Dipol-Dipol-Energie“, der „Anisotropieenergie“ und der „Zeeman-Energie“) abhängt. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden.
Spinwellen u. ä.

Mit den Landau-Lifschitz-Gilbert-Gleichungen können u.a. auch dynamische Zustände (z. B. Spinwellen, wie im nebenstehenden Bild) realistisch behandelt werden, wobei alle relevanten Geometrien (beispielsweise auch Dünnschicht-Geometrien) und Wechselwirkungen (u.a. auch die sehr langreichweitige magnetische Dipol-Dipol-Wechselwirkung) voll berücksichtigt werden können, wenn man bei den Computersimulationen hohen Speicherbedarf und entsprechende Rechenzeiten in Kauf nimmt. [4]
Die Dispersionsrelationen in diesen Systemen – das sind die Beziehungen zwischen Frequenz und Wellenlänge der Anregungszustände – sind wegen der hohen Zahl der charakteristischen Längen des Systems und der beteiligten Winkel sehr komplex.
Einzelnachweise und Fußnoten
- ↑ Landau, Lifschitz, Theory of the dispersion of magnetic permeability in ferromagnetic bodies, Phys. Z. Sowj., Band 8, 1935, S. 153
- ↑ Zur Bedeutung des Vektors Es gilt, dass das magnetische Moment des infinitesimal-kleinen Volumens dV ist. Dabei ist die magnetische Vakuumpermeabilität.
- ↑ Zum gedämpften harmonischen Oszillator: Siehe alle Lehrbücher der theoretischen Mechanik
- ↑ J. Miltat, G. Albuquerque, A. Thiaville: An Introduction to Micromagnetics in the Dynamic Regime. In: Topics in Applied Physics 83: 1–34, Springer-Verlag Berlin, 2002 (online; PDF; 10,7 MB)