Hertzscher Dipol: Unterschied zwischen den Versionen

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imported>DieHenkels
Konsequenzen: Formel für relative Intensität von blauem Streulicht korrigiert.
 
imported>Tiefenschaerfe
K Tippfehler korrigiert
 
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:<math>\vec p(t)\ = \vec p_0 \mathrm{e}^{-\mathrm{i}\omega t}</math>.
:<math>\vec p(t)\ = \vec p_0 \mathrm{e}^{-\mathrm{i}\omega t}</math>.


Ein solches reines Dipolmoment ohne räumliche Ausdehnung ([[Dipol#Punktdipol|Punktdipol]]) entsteht im [[Grenzübergang]] oszillierender Ladungsträger mit verschwindender Schwingungs[[amplitude]] (<math>\vec {l} \to 0</math>) und [[Grenzwert (Folge)#Bestimmte Divergenz|divergierender]] [[Elektrische Ladung|Ladungsmenge]] (<math>q \to \infty</math>).
Ein solches reines Dipolmoment ohne räumliche Ausdehnung ([[Dipol (Physik)#Punktdipol|Punktdipol]]) entsteht im [[Grenzübergang]] oszillierender Ladungsträger mit verschwindender Schwingungs[[amplitude]] (<math>\vec {l} \to 0</math>) und [[Grenzwert (Folge)#Bestimmte Divergenz|divergierender]] [[Elektrische Ladung|Ladungsmenge]] (<math>q \to \infty</math>).


=== Exakte Gleichungen ===
=== Exakte Gleichungen ===
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     +\left(3\vec n(\vec n\cdot\vec p)-\vec p\right)
     +\left(3\vec n(\vec n\cdot\vec p)-\vec p\right)
     \left(\frac{1}{\rho^3}-\frac{\mathrm i}{\rho^2}\right)\right]
     \left(\frac{1}{\rho^3}-\frac{\mathrm i}{\rho^2}\right)\right]
     \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}\quad</math> ([[Meridionalebene]] bzw. [[meridional]] „Richtung Süden“ und radial)
     \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}\quad</math> ([[Meridionalebene]] bzw. [[Meridian (Geographie)|meridional]] „Richtung Süden“ und radial)
Darin ist
Darin ist
* <math>c</math> die [[Lichtgeschwindigkeit]]
* <math>c</math> die [[Lichtgeschwindigkeit]]
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Aus diesen Gleichungen für den Hertz'schen Dipol lassen sich, im Gegensatz zu allen anderen Antennentypen, die Ausbreitungsgeschwindigkeiten der Wellenfronten analytisch berechnen. Insgesamt ergibt sich ein Strahlungsfeld, das zu jedem Zeitpunkt geschlossene Feldlinien hat, mit einer in allen Lehrbüchern wiedergegebenen charakteristischen [[Niere#Innerer Aufbau: Rinde und Mark|Nierenform]] (siehe z.&nbsp;B. das Außenfeld in Bild 1). Betont man zusätzlich die Zeitabhängigkeit, so erhält man obige Animation, welche in realistischer Weise u.&nbsp;a. die Phasengeschwindigkeit <math>v_p</math>, die Gruppengeschwindigkeit <math>v_g</math> und die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Energie <math>v_e</math> in Einheiten der Lichtgeschwindigkeit <math>c</math> als Funktion der Entfernung zur Quelle in Einheiten der Kreis-[[Wellenzahl]] <math>k=\tfrac{\omega}{c}=\tfrac{2\pi}{\lambda}</math> ergibt. Für große Abstände nähern sich alle diese Geschwindigkeiten der Lichtgeschwindigkeit. Im [[Nahfeld und Fernfeld (Antennen)|Nahfeld]] gibt nur <math>v_e</math> die Geschwindigkeit der Signalausbreitung richtig wieder.
Aus diesen Gleichungen für den Hertz'schen Dipol lassen sich, im Gegensatz zu allen anderen Antennentypen, die Ausbreitungsgeschwindigkeiten der Wellenfronten analytisch berechnen. Insgesamt ergibt sich ein Strahlungsfeld, das zu jedem Zeitpunkt geschlossene Feldlinien hat, mit einer in allen Lehrbüchern wiedergegebenen charakteristischen [[Niere#Innerer Aufbau: Rinde und Mark|Nierenform]] (siehe z.&nbsp;B. das Außenfeld in Bild 1). Betont man zusätzlich die Zeitabhängigkeit, so erhält man obige Animation, welche in realistischer Weise u.&nbsp;a. die Phasengeschwindigkeit <math>v_p</math>, die Gruppengeschwindigkeit <math>v_g</math> und die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Energie <math>v_e</math> in Einheiten der Lichtgeschwindigkeit <math>c</math> als Funktion der Entfernung zur Quelle in Einheiten der Kreis-[[Wellenzahl]] <math>k=\tfrac{\omega}{c}=\tfrac{2\pi}{\lambda}</math> ergibt. Für große Abstände nähern sich alle diese Geschwindigkeiten der Lichtgeschwindigkeit. Im [[Nahfeld und Fernfeld (Antennen)|Nahfeld]] gibt nur <math>v_e</math> die Geschwindigkeit der Signalausbreitung richtig wieder.


[[Datei:Kugelkoord-lokale-Basis.png|300px|mini|Kugelkoordinaten mit zugehöriger vom Ort abhängigen Orthogonalbasis <math>(\theta = \vartheta)</math>]]
[[Datei:Kugelkoord-lokale-Basis.png|300px|mini|Kugelkoordinaten mit zugehöriger vom Ort abhängigen Orthogonalbasis]]
Durch zerlegen der Felder in die Komponenten der [[Kugelkoordinaten]] ergibt sich die zweite besonders in den Ingenieurswissenschaften gängige Darstellung. Hier wird auch die Ausrichtung des Feldes schnell deutlich.
Durch Zerlegen der Felder in die Komponenten der [[Kugelkoordinaten]] ergibt sich die zweite besonders in den Ingenieurswissenschaften gängige Darstellung. Hier wird auch die Ausrichtung des Feldes schnell deutlich.
:<math>\begin{align}
{| class="wikitable"
\underline {H}_\varphi &= \vec e_\varphi \cdot \vec H
|+
  = - | \vec p| \, \sin\vartheta \,\frac{\omega^3}{4\pi c^2}
!Radial
    \left(\frac{1}{\rho}+\frac{\mathrm{i}}{\rho^2}\right)
|<math>H_\text{r} = 0</math>
    \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}\\
|<math>E_\text{r} = \vec e_\text{r} \cdot \vec E = 2 |\vec p| \cos \theta\, \frac{\omega^3}{4\pi \varepsilon c^3} \left( \frac{1}{\rho^3}-\frac{\mathrm i}{\rho^2}\right) \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}</math>
\underline E_\text{r} &= \vec e_\text{r} \cdot \vec E = 2 |\vec p| \cos \vartheta\, \frac{\omega^3}{4\pi \varepsilon c^3} \left( \frac{1}{\rho^3}-\frac{\mathrm i}{\rho^2}\right) \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}\\
|-
\underline E_\vartheta &= \vec e_\vartheta \cdot \vec E
!Meridional
|<math>H_\theta = 0</math>
|<math>E_\theta = \vec e_\theta \cdot \vec E
   = |\vec E - \vec E_\text{r}|
   = |\vec E - \vec E_\text{r}|
   = - \sin \vartheta\, |\vec p|
   = - \sin \theta\, |\vec p|
     \frac{\omega^3} {4\pi \varepsilon c^3}
     \frac{\omega^3} {4\pi \varepsilon c^3}
     \left( \frac{1}{\rho} - \frac{1}{\rho^3} + \frac{\mathrm i}{\rho^2} \right)
     \left( \frac{1}{\rho} - \frac{1}{\rho^3} + \frac{\mathrm i}{\rho^2} \right)
     \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}\\
     \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}</math>
\underline H_\text{r} &= 0;\qquad \underline H_\vartheta = 0;\qquad \underline E_\varphi = 0
|-
\end{align}</math>
!Azimutal
|<math>H_\varphi = \vec e_\varphi \cdot \vec H
  = - | \vec p| \, \sin\theta \,\frac{\omega^3}{4\pi c^2}
    \left(\frac{1}{\rho}+\frac{\mathrm{i}}{\rho^2}\right)
    \mathrm{e}^{\mathrm{i} (\rho-\omega t)}</math>
|<math>E_\varphi = 0</math>
|}


==== Nah- und Fernbereich ====
==== Nah- und Fernbereich ====


Im ''Nahbereich'', <math>r\ll\lambda</math>, dominiert wegen des Terms <math>\propto\rho^{-3}</math> das elektrische Feld, während das Magnetfeld vernachlässigt werden kann: Es ist etwa im Verhältnis (r/λ) schwächer und in Gegenphase zum elektrischen Feld (d.&nbsp;h. wenn das eine Feld  maximal ist, hat das andere ein Minimum).&nbsp; <math>\vec E</math> verhält sich hier wie ein quasistatisches (d.&nbsp;h. langsam oszillierendes) Dipolfeld, und das Magnetfeld ist, analog zu einer schwachen [[Induktivität|induktiven Impedanz]] im Verhältnis zum starken [[Ohmscher Widerstand|Ohmschen Widerstand]], vernachlässigbar.
Im ''Nahbereich'', <math>r\ll\lambda</math>, dominiert wegen des Terms <math>\propto\rho^{-3}</math> das elektrische Feld, während das Magnetfeld vernachlässigt werden kann: Es ist etwa im Verhältnis (r/λ) schwächer und in Gegenphase zum elektrischen Feld (d.&nbsp;h. wenn das eine Feld  maximal ist, hat das andere ein Minimum).&nbsp; <math>\vec E</math> verhält sich hier wie ein quasistatisches (d.&nbsp;h. langsam oszillierendes) Dipolfeld, und das Magnetfeld ist, analog zu einer schwachen [[Induktivität|induktiven Impedanz]] im Verhältnis zum starken [[Ohmscher Widerstand|Ohmschen Widerstand]], vernachlässigbar. Das Magnetfeld steht senkrecht auf dem Radiusvektor und dem elektrischen Feld.


Die elektrische Feldstärke ist hier <math>\propto\rho^{-3}</math>, Winkel- und Frequenzabhängigkeit entsprechen dem langsam oszillierenden Dipolmoment.
Die elektrische Feldstärke ist hier <math>\propto\rho^{-3}</math>, Winkel- und Frequenzabhängigkeit entsprechen dem langsam oszillierenden Dipolmoment.


Im ''Fernbereich'', <math>r\gg\lambda</math>, sind Radiusvektor, elektrisches Feld und Magnetfeld paarweise orthogonal zueinander und die Felder in Gleichphase, im cgs-System sogar von identischer Stärke. Quantitativ gilt in diesem System <math>|\vec{E}|=|\vec{H}| \ \propto|\vec p| \ \omega^2/r</math> (bzw. ''[[Strahlungsintensität]]''&nbsp;&nbsp;<math>\propto |\vec p|^2\omega^4</math>).
Im ''Fernbereich'', <math>r\gg\lambda</math>, stehen zusätzlich Radiusvektor und elektrisches Feld nahezu orthogonal zueinander. Magnetfeld und elektrisches Feld schwingen in Gleichphase. Bis auf im SI-System willkürlich gewählte Konstanten haben sie dieselbe funktionale Abhängigkeit von den Variablen. Im cgs-System, wo diese Konstanten gleich Eins gesetzt werden, gilt <math>|\vec{E}|=|\vec{H}| \ \propto|\vec p| \ \omega^2/r</math> (bzw. ''[[Strahlungsintensität]]''&nbsp;&nbsp;<math>\propto |\vec p|^2\omega^4</math>).


Damit sich die Feldlinien des elektrischen Feldes schließen, gibt es noch eine radiale Komponente. Im Nahbereich gilt dafür ein Term  <math>\propto\rho^{-3}</math> und im Fernbereich dominiert der Term <math>\propto\rho^{-2}</math>.
Damit sich die Feldlinien des elektrischen Feldes schließen, gibt es noch eine radiale Komponente. Im Nahbereich gilt dafür ein Term  <math>\propto\rho^{-3}</math> und im Fernbereich dominiert der Term <math>\propto\rho^{-2}</math>.
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=== Konsequenzen ===
=== Konsequenzen ===


Die letzte Formel hat viele Konsequenzen, u.&nbsp;a. für die gesamte [[Radio]]- und [[Television|Fernsehtechnik]]<ref name="Dipolmoment">Dipolmoment und Antennenlänge werden bei elektrischer Dipolstrahlung in Beziehung gebracht, indem z.&nbsp;B. näherungsweise <math>|\vec p|(t)=l\cdot |Q(t)|</math> gesetzt wird: der mit der Frequenz ω/(2&pi;) oszillierende Dipol ergibt sich aus der Länge <math>l</math> der Antenne und der an Ober- und Unterseite entgegengesetzt-gleichen Ladung <math>Q(t)</math>.</ref>. Die blaue Färbung des [[Himmel (planetär)|Himmels]] entsteht dadurch, dass die Strahlung der Sonne die Luftmoleküle zu Dipolstrahlung anregt. Obwohl das [[Lichtspektrum|Sonnenspektrum]] sein Maximum bei <math>f=(\omega /2\pi )\sim 550 \cdot 10^{12}~\mathrm{Hz}</math> im grünen Spektralbereich hat, dominiert in der Abstrahlung blaues Licht (Frequenzen um den höheren Wert <math>f^\prime :=(\omega^\prime /2\pi )\sim 650 \cdot 10^{12}~\mathrm{Hz}</math>). Das ungefähre Verhältnis <math>(\omega^\prime /\omega )^4\cong(6{,}5/5{,}5)^4</math> entspricht nahezu einer Verdoppelung  der Strahlungsintensität beim Übergang von einer grünen zu einer blauen Frequenz bei festem Dipolmoment. Ferner ist die angegebene Formel  auch für die heute  alltäglich gewordene [[Mobiltelefon]]ie relevant. Dabei erfolgt  die Kommunikation über die vom Mobiltelefon zu den nächstgelegenen Vermittlungsknoten ausgehende Dipolstrahlung, deren Frequenzbereich (<math>\sim 10^9~\mathrm{Hz}</math>&nbsp;) genügend hoch ist, dass trotz minimalen Energieverbrauchs  der Mobiltelefone die Signalintensität für die Informationsübertragung ausreicht. Zugleich liegen die Frequenzen der Mobiltelefonie noch im biologisch unschädlichen Bereich, im Gegensatz etwa zur Röntgenstrahlung.
Die letzte Formel hat viele Konsequenzen, u.&nbsp;a. für die gesamte [[Radio]]- und [[Fernsehtechnik]]<ref name="Dipolmoment">Dipolmoment und Antennenlänge werden bei elektrischer Dipolstrahlung in Beziehung gebracht, indem z.&nbsp;B. näherungsweise <math>|\vec p|(t)=l\cdot |Q(t)|</math> gesetzt wird: der mit der Frequenz ω/(2&pi;) oszillierende Dipol ergibt sich aus der Länge <math>l</math> der Antenne und der an Ober- und Unterseite entgegengesetzt-gleichen Ladung <math>Q(t)</math>.</ref>. Die blaue Färbung des [[Himmel (planetär)|Himmels]] entsteht dadurch, dass die Strahlung der Sonne die Luftmoleküle zu Dipolstrahlung anregt (ein Beispiel für [[Rayleigh-Streuung]]). Obwohl das [[Lichtspektrum|Sonnenspektrum]] sein Maximum bei <math>f=(\omega /2\pi )\sim 550 \cdot 10^{12}~\mathrm{Hz}</math> im grünen Spektralbereich hat, dominiert in der Abstrahlung blaues Licht (Frequenzen um den höheren Wert <math>f^\prime :=(\omega^\prime /2\pi )\sim 650 \cdot 10^{12}~\mathrm{Hz}</math>). Das ungefähre Verhältnis <math>(\omega^\prime /\omega )^4\cong(6{,}5/5{,}5)^4</math> entspricht nahezu einer Verdoppelung  der Strahlungsintensität beim Übergang von einer grünen zu einer blauen Frequenz bei festem Dipolmoment. Ferner ist die angegebene Formel  auch für die heute  alltäglich gewordene [[Mobiltelefon]]ie relevant. Dabei erfolgt  die Kommunikation über die vom Mobiltelefon zu den nächstgelegenen Vermittlungsknoten ausgehende Dipolstrahlung, deren Frequenzbereich (<math>\sim 10^9~\mathrm{Hz}</math>&nbsp;) genügend hoch ist, dass trotz minimalen Energieverbrauchs  der Mobiltelefone die Signalintensität für die Informationsübertragung ausreicht. Zugleich liegen die Frequenzen der Mobiltelefonie noch im biologisch unschädlichen Bereich, im Gegensatz etwa zur Röntgenstrahlung.


=== Von der Fernfeldnäherung zum Antennendiagramm ===
=== Von der Fernfeldnäherung zum Antennendiagramm ===
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Integriert man über alle Richtungen, so ergibt sich die insgesamt ins Fernfeld abgestrahlte [[Leistung (Physik)|Leistung]] zu
Integriert man über alle Richtungen, so ergibt sich die insgesamt ins Fernfeld abgestrahlte [[Leistung (Physik)|Leistung]] zu
<math>P = \tfrac{\omega^4|\vec p|^2}{12 \pi \varepsilon c^3} </math>. Dieses Ergebnis stammt von der Volumenintegration über alle Winkel der Kugelkoordinaten (der Radius kann vernachlässigt werden da dieser für die Gesamtstrahlleistung irrelevant ist). Bei [[Isotropstrahler|isotroper Verteilung]] ergäbe sich stattdessen eine Strahlungsintensität von <math>\bar{I} = \tfrac{\omega^4|\vec p|^2}{48 \pi^2 \varepsilon c^3}. </math> Das als [[Antennengewinn]] bezeichnete Verhältnis <math>\tfrac{I(0)}{\bar{I}}</math> beträgt im Vakuum also 1,5 (etwa 1,76 [[Dezibel|dBi]]).
<math>P = \tfrac{\omega^4|\vec p|^2}{12 \pi \varepsilon c^3} </math>. Dieses Ergebnis stammt von der Integration über den Raumwinkel. Bei [[Isotropstrahler|isotroper Verteilung]] ergäbe sich stattdessen eine Strahlungsintensität von <math>\bar{I} = \tfrac{\omega^4|\vec p|^2}{48 \pi^2 \varepsilon c^3}. </math> Das als [[Antennengewinn]] bezeichnete Verhältnis <math>\tfrac{I(0)}{\bar{I}}</math> beträgt im Vakuum also 1,5 (etwa 1,76 [[Dezibel|dBi]]).


== Verallgemeinerung: Multipolstrahlung ==
== Verallgemeinerung: Multipolstrahlung ==
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Die zugehörige Verallgemeinerung der Hertzschen Dipolstrahlung ist die sogenannte Multipolstrahlung. Anstelle des Dipolvektors treten  elektrische plus magnetische Multipolmomente <math>a_{\ell m}^{(E)}</math> bzw. <math>a_{\ell m}^{(M)}</math> auf, wobei die Indizes <math>\ell</math> und <math>m</math> sich auf die polaren bzw. azimutalen Winkelvariablen <math>\theta</math> bzw. <math>\varphi</math> der [[Kugelkoordinaten]] beziehen. Die allgemeine Formel ist nach [[John David Jackson (Physiker)|John David Jackson]]
Die zugehörige Verallgemeinerung der Hertzschen Dipolstrahlung ist die sogenannte Multipolstrahlung. Anstelle des Dipolvektors treten  elektrische plus magnetische Multipolmomente <math>a_{\ell m}^{(E)}</math> bzw. <math>a_{\ell m}^{(M)}</math> auf, wobei die Indizes <math>\ell</math> und <math>m</math> sich auf die polaren bzw. azimutalen Winkelvariablen <math>\theta</math> bzw. <math>\varphi</math> der [[Kugelkoordinaten]] beziehen. Die allgemeine Formel ist nach [[John David Jackson (Physiker)|John David Jackson]]
:<math> \begin{align}
:<math> \begin{align}
\vec{E}(\vec{x},t) &= \Re\left(\sum_{\ell=1}^\infty \sum_{m=-\ell}^\ell \left[a_{\ell m}^{(M)} h_\ell^{(1)}(kr) \vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi)+\frac{\mathrm iZ_0}{k}a_{\ell m}^{(E)}\vec{\nabla}\times(h_\ell^{(1)}(kr)\vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi))\right]\mathrm{e}^{-\mathrm i\omega t}\right)\\
\vec{E}(\vec{x},t) &= \sum_{\ell=1}^\infty \sum_{m=-\ell}^\ell \left[a_{\ell m}^{(M)} h_\ell^{(1)}(kr) \vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi)+\frac{\mathrm iZ_0}{k}a_{\ell m}^{(E)}\vec{\nabla}\times(h_\ell^{(1)}(kr)\vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi))\right]\mathrm{e}^{-\mathrm i\omega t}\\
\vec{H}(\vec{x},t) &= \Re\left(\sum_{\ell=1}^\infty \sum_{m=-\ell}^\ell \left[a_{\ell m}^{(E)} h_\ell^{(1)}(kr) \vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi)-\frac{\mathrm i}{kZ_0}a_{\ell m}^{(M)}\vec{\nabla}\times(h_\ell^{(1)}(kr)\vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi))\right]\mathrm{e}^{-\mathrm i\omega t}\right)
\vec{H}(\vec{x},t) &= \sum_{\ell=1}^\infty \sum_{m=-\ell}^\ell \left[a_{\ell m}^{(E)} h_\ell^{(1)}(kr) \vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi)-\frac{\mathrm i}{kZ_0}a_{\ell m}^{(M)}\vec{\nabla}\times(h_\ell^{(1)}(kr)\vec{X}_{\ell m}(\theta, \varphi))\right]\mathrm{e}^{-\mathrm i\omega t}
\end{align}</math>
\end{align}</math>
Dies entspricht ungefähr der Vertauschung von <math>\vec E</math> und <math>\vec H</math> unter Berücksichtigung des Vorzeichens (&nbsp;+iZ<sub>0</sub>&nbsp;→&nbsp;-i/Z<sub>0</sub>), analog zur formalen Vertauschungssymmetrie der freien [[Maxwellsche Gleichungen|Maxwellschen Gleichungen]] im [[cgs-System]] (Vakuum,  <math>\vec{B}=\vec{H}</math>, <math>\vec{D}=\vec{E}</math>):
Dies entspricht ungefähr der Vertauschung von <math>\vec E</math> und <math>\vec H</math> unter Berücksichtigung des Vorzeichens (&nbsp;+iZ<sub>0</sub>&nbsp;→&nbsp;-i/Z<sub>0</sub>), analog zur formalen Vertauschungssymmetrie der freien [[Maxwellsche Gleichungen|Maxwellschen Gleichungen]] im [[cgs-System]] (Vakuum,  <math>\vec{B}=\vec{H}</math>, <math>\vec{D}=\vec{E}</math>):
:<math>\operatorname{rot}\vec E + \frac{1}{c}\frac{\partial \vec H}{\partial t} =0, \quad \operatorname{rot}\vec H -\frac{1}{c}\frac{\partial \vec E}{\partial t} =0. </math>
:<math>\operatorname{rot}\vec E + \frac{1}{c}\frac{\partial \vec H}{\partial t} =0, \quad \operatorname{rot}\vec H -\frac{1}{c}\frac{\partial \vec E}{\partial t} =0. </math>


Der Ausdruck <math>\Re </math>, die „Realteilbildung“, wird oft der Einfachheit halber weggelassen. <math>Z_0</math> ist die Vakuumimpedanz <math>\textstyle\sqrt{\mu_0/\varepsilon_0}.</math> Die <math>\vec X_{\ell m}</math> sind die sphärischen Momente des Radiusvektors. Die Gewichtsfaktoren <math>a_{\ell m}^{(E)}</math> bzw. <math>a_{\ell m}^{(M)}</math> beschreiben für <math>\ell=1</math> elektrische bzw. magnetische [[Dipol]]strahlung bzw. für <math>\ell=2</math> [[Quadrupol]]strahlung, jeweils mit <math>2\ell+1</math> verschiedenen <math>m</math>-Werten. Man hat also für die aufeinander folgenden <math>\ell</math>-Werte drei bzw. fünf <math>m</math>-Werte. Im Fernbereich kann die  Radialfunktion <math>h_\ell^{(1)}(kr),</math> eine  sphärische [[Besselfunktion]], vereinfacht werden zu <math>\textstyle h_\ell^{(1)}(kr)\cong (-\mathrm i)^{\ell+1}\frac{\exp(\mathrm i k r)}{k r},</math> in Übereinstimmung mit den obigen Formeln. Die Größe ''k'' schließlich ist gleich ''ω/c''.
<math>Z_0</math> ist die Vakuumimpedanz <math>\textstyle\sqrt{\mu_0/\varepsilon_0}.</math> Die <math>\vec X_{\ell m}</math> sind wie folgt definiert:
:<math>\vec X_{\ell m} = \frac{1}{\sqrt{\ell(\ell+1)}} \vec L Y_{\ell m}</math>
mit den [[Kugelflächenfunktionen]] <math>Y_{\ell m}</math> und dem [[Drehimpulsoperator]] <math>\vec L = - \mathrm i \vec r \times \vec \nabla</math>.
 
Die Gewichtsfaktoren <math>a_{\ell m}^{(E)}</math> bzw. <math>a_{\ell m}^{(M)}</math> beschreiben für <math>\ell=1</math> elektrische bzw. magnetische [[Dipol (Physik)|Dipolstrahlung]] bzw. für <math>\ell=2</math> [[Quadrupol]]strahlung, jeweils mit <math>2\ell+1</math> verschiedenen <math>m</math>-Werten. Man hat also für die aufeinander folgenden <math>\ell</math>-Werte drei bzw. fünf <math>m</math>-Werte. Im Fernbereich kann die  Radialfunktion <math>h_\ell^{(1)}(kr),</math> eine  sphärische [[Besselfunktion]], vereinfacht werden zu <math>\textstyle h_\ell^{(1)}(kr)\cong (-\mathrm i)^{\ell+1}\frac{\exp(\mathrm i k r)}{k r},</math> in Übereinstimmung mit den obigen Formeln. Die Größe ''k'' schließlich ist gleich ''ω/c''.


=== Nah- und Fernfeld ===
=== Nah- und Fernfeld ===


Im Nahbereich sind die Feldkomponenten jetzt &nbsp;bei komplizierter Richtungsabhängigkeit, gegeben durch die [[Kugelflächenfunktion]]en <math>Y_{\ell m}(\theta ,\varphi )</math>&nbsp;&nbsp;  proportional zu <math>r^{-(\ell+2)}.</math> &nbsp;Im Fernbereich sind dagegen nach-wie-vor alle Komponenten <math>\propto 1/r \ ,</math> und die elektrischen bzw. magnetischen Felder sowie der Radiusvektor sind wie bei ebenen elektromagnetischen Wellen paarweise orthogonal zueinander.
Im Nahbereich sind die Feldkomponenten jetzt &nbsp;bei komplizierter Richtungsabhängigkeit, gegeben durch die [[Kugelflächenfunktion]]en <math>Y_{\ell m}(\theta ,\varphi )</math>&nbsp;&nbsp;  proportional zu <math>r^{-(\ell+2)}.</math> &nbsp;Im Fernbereich sind dagegen nach wie vor alle Komponenten <math>\propto 1/r \ ,</math> und die elektrischen bzw. magnetischen Felder sowie der Radiusvektor sind wie bei ebenen elektromagnetischen Wellen paarweise orthogonal zueinander.


Monopolstrahlung würde <math>\ell=0</math> entsprechen. Dass diese nicht auftreten kann, ist anschaulich klar, weil z.&nbsp;B. das Außenfeld einer kleinen geladenen Kugel unabhängig vom oszillierenden Kugelradius nur durch die im Kugelmittelpunkt vereinigte konstante Gesamtladung gegeben ist.
Monopolstrahlung würde <math>\ell=0</math> entsprechen. Diese kann nicht auftreten, da das Außenfeld einer kleinen geladenen Kugel unabhängig vom oszillierenden Kugelradius nach dem [[Gaußscher Integralsatz|Satz von Gauß]] nur durch die konstante Gesamtladung gegeben ist. Dies muss nicht als zusätzliche Annahme gefordert werden, denn insbesondere ist <math>\vec X_{00} = 0</math>.


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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== Literatur ==
== Literatur ==
* John D. Jackson: ''Klassische Elektrodynamik''. 3. Auflage. deGruyter, 2002, ISBN 3-11-016502-3.
* John D. Jackson: ''Klassische Elektrodynamik''. 3. Auflage. de Gruyter, 2002, ISBN 3-11-016502-3.
* Klaus Kark: ''Antennen und Strahlungsfelder : elektromagnetische Wellen auf Leitungen, im Freiraum und ihre Abstrahlung.'' Vieweg, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8348-0216-6.
* Klaus Kark: ''Antennen und Strahlungsfelder : elektromagnetische Wellen auf Leitungen, im Freiraum und ihre Abstrahlung.'' Vieweg, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8348-0216-6.


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[[Kategorie:Heinrich Hertz]]
[[Kategorie:Heinrich Hertz]]
[[Kategorie:Wikipedia:Artikel mit Video]]
[[Kategorie:Wikipedia:Artikel mit Video]]
[[en:Dipole antenna#Hertzian dipole (current element)]]

Aktuelle Version vom 29. Januar 2022, 18:42 Uhr

Datei:DBP 1983 1176 Schwingungskreis.jpg
Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz: Briefmarke von 1983

Der Hertz'sche Dipol (nach Heinrich Hertz), auch Elementardipol genannt, ist die Idealisierung eines Senders elektromagnetischer Strahlung (die auch Dipolstrahlung oder Dipolwelle genannt wird) und dient der Berechnung der Abstrahlung realer Antennen sowie als Bezugsantenne, um die Richtwirkung einer Antenne als Gewinn zahlenmäßig zu erfassen. Eine Verallgemeinerung ergibt die (hier mitbehandelte) Multipolstrahlung.

Der Hertz'sche Dipol als Modell

Betrag der elektrischen Feldstärke E=|E| (farbig) und der Poynting-Vektor (schwarze Pfeile) im Nahfeld des vertikal in der Bildebene liegenden Dipols. Blaue/rote Farben bedeuten ein nach unten/oben orientiertes elektrisches Feld.

Datei:Animation Hertzscher Dipol.ogv

Dem Hertz'schen Dipol als Modell liegt ein elektrisches Dipolmoment p, das sinusförmig mit der Kreisfrequenz ω variiert, zugrunde, dargestellt in komplexer Schreibweise

p(t) =p0eiωt.

Ein solches reines Dipolmoment ohne räumliche Ausdehnung (Punktdipol) entsteht im Grenzübergang oszillierender Ladungsträger mit verschwindender Schwingungsamplitude (l0) und divergierender Ladungsmenge (q).

Exakte Gleichungen

Für das magnetische und elektrische Feld am durch Abstand r und Richtung n gegebenen Ort gilt:

H=ω34πc2(n×p)(1ρ+iρ2)ei(ρωt) (azimutal, verläuft in Breitenkreisen um die Dipolachse)
E=ω34πεc3[(n×p)×n1ρ+(3n(np)p)(1ρ3iρ2)]ei(ρωt) (Meridionalebene bzw. meridional „Richtung Süden“ und radial)

Darin ist

Aus diesen Gleichungen für den Hertz'schen Dipol lassen sich, im Gegensatz zu allen anderen Antennentypen, die Ausbreitungsgeschwindigkeiten der Wellenfronten analytisch berechnen. Insgesamt ergibt sich ein Strahlungsfeld, das zu jedem Zeitpunkt geschlossene Feldlinien hat, mit einer in allen Lehrbüchern wiedergegebenen charakteristischen Nierenform (siehe z. B. das Außenfeld in Bild 1). Betont man zusätzlich die Zeitabhängigkeit, so erhält man obige Animation, welche in realistischer Weise u. a. die Phasengeschwindigkeit vp, die Gruppengeschwindigkeit vg und die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Energie ve in Einheiten der Lichtgeschwindigkeit c als Funktion der Entfernung zur Quelle in Einheiten der Kreis-Wellenzahl k=ωc=2πλ ergibt. Für große Abstände nähern sich alle diese Geschwindigkeiten der Lichtgeschwindigkeit. Im Nahfeld gibt nur ve die Geschwindigkeit der Signalausbreitung richtig wieder.

Kugelkoordinaten mit zugehöriger vom Ort abhängigen Orthogonalbasis

Durch Zerlegen der Felder in die Komponenten der Kugelkoordinaten ergibt sich die zweite besonders in den Ingenieurswissenschaften gängige Darstellung. Hier wird auch die Ausrichtung des Feldes schnell deutlich.

Radial Hr=0 Er=erE=2|p|cosθω34πεc3(1ρ3iρ2)ei(ρωt)
Meridional Hθ=0 Eθ=eθE=|EEr|=sinθ|p|ω34πεc3(1ρ1ρ3+iρ2)ei(ρωt)
Azimutal Hφ=eφH=|p|sinθω34πc2(1ρ+iρ2)ei(ρωt) Eφ=0

Nah- und Fernbereich

Im Nahbereich, rλ, dominiert wegen des Terms ρ3 das elektrische Feld, während das Magnetfeld vernachlässigt werden kann: Es ist etwa im Verhältnis (r/λ) schwächer und in Gegenphase zum elektrischen Feld (d. h. wenn das eine Feld maximal ist, hat das andere ein Minimum).  E verhält sich hier wie ein quasistatisches (d. h. langsam oszillierendes) Dipolfeld, und das Magnetfeld ist, analog zu einer schwachen induktiven Impedanz im Verhältnis zum starken Ohmschen Widerstand, vernachlässigbar. Das Magnetfeld steht senkrecht auf dem Radiusvektor und dem elektrischen Feld.

Die elektrische Feldstärke ist hier ρ3, Winkel- und Frequenzabhängigkeit entsprechen dem langsam oszillierenden Dipolmoment.

Im Fernbereich, rλ, stehen zusätzlich Radiusvektor und elektrisches Feld nahezu orthogonal zueinander. Magnetfeld und elektrisches Feld schwingen in Gleichphase. Bis auf im SI-System willkürlich gewählte Konstanten haben sie dieselbe funktionale Abhängigkeit von den Variablen. Im cgs-System, wo diese Konstanten gleich Eins gesetzt werden, gilt |E|=|H| |p| ω2/r (bzw. Strahlungsintensität  |p|2ω4).

Damit sich die Feldlinien des elektrischen Feldes schließen, gibt es noch eine radiale Komponente. Im Nahbereich gilt dafür ein Term ρ3 und im Fernbereich dominiert der Term ρ2.

Konsequenzen

Die letzte Formel hat viele Konsequenzen, u. a. für die gesamte Radio- und Fernsehtechnik[1]. Die blaue Färbung des Himmels entsteht dadurch, dass die Strahlung der Sonne die Luftmoleküle zu Dipolstrahlung anregt (ein Beispiel für Rayleigh-Streuung). Obwohl das Sonnenspektrum sein Maximum bei f=(ω/2π)5501012Hz im grünen Spektralbereich hat, dominiert in der Abstrahlung blaues Licht (Frequenzen um den höheren Wert f:=(ω/2π)6501012Hz). Das ungefähre Verhältnis (ω/ω)4(6,5/5,5)4 entspricht nahezu einer Verdoppelung der Strahlungsintensität beim Übergang von einer grünen zu einer blauen Frequenz bei festem Dipolmoment. Ferner ist die angegebene Formel auch für die heute alltäglich gewordene Mobiltelefonie relevant. Dabei erfolgt die Kommunikation über die vom Mobiltelefon zu den nächstgelegenen Vermittlungsknoten ausgehende Dipolstrahlung, deren Frequenzbereich (109Hz ) genügend hoch ist, dass trotz minimalen Energieverbrauchs der Mobiltelefone die Signalintensität für die Informationsübertragung ausreicht. Zugleich liegen die Frequenzen der Mobiltelefonie noch im biologisch unschädlichen Bereich, im Gegensatz etwa zur Röntgenstrahlung.

Von der Fernfeldnäherung zum Antennendiagramm

Im Fernfeld sind die Terme mit ρ2 und ρ3 vernachlässigbar. Schreibt man nur die dominierenden Terme auf, so folgt:

Hω24πcr(n×p)ei(ρωt)Eω24πεc2r(n×p)×nei(ρωt)
Betrag der Feldstärke im Fernfeld eines vertikalen Hertz'schen Dipols in Kugelkoordinaten

Der Betrag des gemeinsamen Faktors n×p enthält die Richtungsabhängigkeit der Feldstärke. Sie variiert wie cosφ mit dem Winkel φ zur Äquatorebene und ist unabhängig vom Azimut (siehe nebenstehendes Antennendiagramm).

Der Poynting-Vektor S=E×H gibt die Energieflussdichte an. Sein Betrag, zeitlich gemittelt, ist im Fernfeld

|S(θ,r)|=12ω2|p|4πεc2rω2|p|4πcr(1cos2θ)

und bis auf einen 1/r2-Faktor gleich der Strahlungsintensität

I(θ)=ω4|p|232π2εc3(1cos2θ).

Dabei ist θ der von p aus gemessene Polarwinkel des Vektors r. Vom Azimutalwinkel φ hängt das Ergebnis dagegen nicht ab. Die Ausstrahlung erreicht also ihr Maximum in den Richtungen senkrecht zu p, also senkrecht zur Antenne. In Antennenrichtung selbst verschwindet sie.

Integriert man über alle Richtungen, so ergibt sich die insgesamt ins Fernfeld abgestrahlte Leistung zu P=ω4|p|212πεc3. Dieses Ergebnis stammt von der Integration über den Raumwinkel. Bei isotroper Verteilung ergäbe sich stattdessen eine Strahlungsintensität von I¯=ω4|p|248π2εc3. Das als Antennengewinn bezeichnete Verhältnis I(0)I¯ beträgt im Vakuum also 1,5 (etwa 1,76 dBi).

Verallgemeinerung: Multipolstrahlung

Definitionen

Die Zuführung eines Wechselstroms der Kreisfrequenz ω zu einer Antenne der Länge l erzeugt also einen periodisch oszillierenden elektrischen Dipolvektor mit der Antennenrichtung (z-Richtung) als Dipolrichtung. (Das elektrische Dipolmoment ist Q(t)l, wobei Q(t) die periodisch oszillierende elektrische Ladung ist.)

Ebenso wird durch ein in der (x,y)-Ebene auf einem Kreis mit Radius ΔR umlaufendes Teilchen mit der konstanten Ladung Q0 ein magnetischer Dipolvektor erzeugt, der per Konvention ebenfalls die z-Richtung hat und entsprechend dem Umlaufsinn zirkular polarisiert ist. (Das magnetische Dipolmoment ist π(ΔR)2Q0 ; die Kreisfrequenz des Umlaufs ist ω.)

Magnetische Dipolstrahlung ist also wegen der quadratischen Abhängigkeit des Momentes von der (im Vergleich zu λ) kleinen Länge ΔR von vornherein eine Größenordnung schwächer als elektrische Dipolstrahlung. Für diese gilt dagegen die schon bekannte lineare Beziehung.[1]

Zwei geringfügig gegeneinander verschobene entgegensetzt-gleiche Dipolvektoren ergeben einen sog. „Quadrupoltensor“, zwei geringfügig gegeneinander verschobene entgegengesetzt-gleiche Quadrupole einen „Oktupol“ usw. Die Zahl der Freiheitsgrade erhöht sich dabei jedes Mal um zwei, nicht um drei, weil bei der Richtung der Verschiebung nur die beiden Winkelkoordinaten senkrecht zur z-Achse involviert sind.

Anstelle der kartesischen Koordinaten (x, y, z) werden im Folgenden Kugelkoordinaten (r,θ,φ) benutzt, die in der üblichen Weise miteinander zusammenhängen.

Formel

Die zugehörige Verallgemeinerung der Hertzschen Dipolstrahlung ist die sogenannte Multipolstrahlung. Anstelle des Dipolvektors treten elektrische plus magnetische Multipolmomente am(E) bzw. am(M) auf, wobei die Indizes und m sich auf die polaren bzw. azimutalen Winkelvariablen θ bzw. φ der Kugelkoordinaten beziehen. Die allgemeine Formel ist nach John David Jackson

E(x,t)==1m=[am(M)h(1)(kr)Xm(θ,φ)+iZ0kam(E)×(h(1)(kr)Xm(θ,φ))]eiωtH(x,t)==1m=[am(E)h(1)(kr)Xm(θ,φ)ikZ0am(M)×(h(1)(kr)Xm(θ,φ))]eiωt

Dies entspricht ungefähr der Vertauschung von E und H unter Berücksichtigung des Vorzeichens ( +iZ0 → -i/Z0), analog zur formalen Vertauschungssymmetrie der freien Maxwellschen Gleichungen im cgs-System (Vakuum, B=H, D=E):

rotE+1cHt=0,rotH1cEt=0.

Z0 ist die Vakuumimpedanz μ0/ε0. Die Xm sind wie folgt definiert:

Xm=1(+1)LYm

mit den Kugelflächenfunktionen Ym und dem Drehimpulsoperator L=ir×.

Die Gewichtsfaktoren am(E) bzw. am(M) beschreiben für =1 elektrische bzw. magnetische Dipolstrahlung bzw. für =2 Quadrupolstrahlung, jeweils mit 2+1 verschiedenen m-Werten. Man hat also für die aufeinander folgenden -Werte drei bzw. fünf m-Werte. Im Fernbereich kann die Radialfunktion h(1)(kr), eine sphärische Besselfunktion, vereinfacht werden zu h(1)(kr)(i)+1exp(ikr)kr, in Übereinstimmung mit den obigen Formeln. Die Größe k schließlich ist gleich ω/c.

Nah- und Fernfeld

Im Nahbereich sind die Feldkomponenten jetzt – bei komplizierter Richtungsabhängigkeit, gegeben durch die Kugelflächenfunktionen Ym(θ,φ) –  proportional zu r(+2).  Im Fernbereich sind dagegen nach wie vor alle Komponenten 1/r , und die elektrischen bzw. magnetischen Felder sowie der Radiusvektor sind wie bei ebenen elektromagnetischen Wellen paarweise orthogonal zueinander.

Monopolstrahlung würde =0 entsprechen. Diese kann nicht auftreten, da das Außenfeld einer kleinen geladenen Kugel unabhängig vom oszillierenden Kugelradius nach dem Satz von Gauß nur durch die konstante Gesamtladung gegeben ist. Dies muss nicht als zusätzliche Annahme gefordert werden, denn insbesondere ist X00=0.

Siehe auch

Literatur

  • John D. Jackson: Klassische Elektrodynamik. 3. Auflage. de Gruyter, 2002, ISBN 3-11-016502-3.
  • Klaus Kark: Antennen und Strahlungsfelder : elektromagnetische Wellen auf Leitungen, im Freiraum und ihre Abstrahlung. Vieweg, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8348-0216-6.

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Dipolmoment und Antennenlänge werden bei elektrischer Dipolstrahlung in Beziehung gebracht, indem z. B. näherungsweise |p|(t)=l|Q(t)| gesetzt wird: der mit der Frequenz ω/(2π) oszillierende Dipol ergibt sich aus der Länge l der Antenne und der an Ober- und Unterseite entgegengesetzt-gleichen Ladung Q(t).