Richardson-Zahl: Unterschied zwischen den Versionen

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:<math>\frac{1}{\sqrt{Ri}} = \frac{u}{\sqrt{g \cdot h}} = \mathit{Fr}</math>
:<math>\frac{1}{\sqrt{Ri}} = \frac{u}{\sqrt{g \cdot h}} = \mathit{Fr}</math>


Im [[Flugbetrieb]] gibt die Richardsonzahl z.&nbsp;B. Anhaltspunkte, ob [[Turbulenz]]en auftreten: je kleiner <math>Ri</math>, desto wahrscheinlicher sind Turbulenzen - bei typischen Ri-Werten von&nbsp;0,1 bis&nbsp;10.  
Im [[Flugbetrieb]] gibt die Richardsonzahl z.&nbsp;B. Anhaltspunkte, ob [[Turbulenz]]en auftreten: je kleiner <math>Ri</math>, desto wahrscheinlicher sind Turbulenzen bei typischen Ri-Werten von&nbsp;0,1 bis&nbsp;10.


=== Thermische Konvektion ===
=== Thermische Konvektion ===
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* <math>L</math> eine typische Länge des Problems.
* <math>L</math> eine typische Länge des Problems.


Diese Definition kann mit der [[Grashof-Zahl]] <math>Gr</math> und der [[Reynoldszahl]] <math>Re</math> auch geschrieben werden als:
Diese Definition entspricht einer [[Archimedes-Zahl #Andere Definition|alternativen Definition der Archimedes-Zahl]] und kann mit der [[Grashof-Zahl]] <math>Gr</math> und der [[Reynoldszahl]] <math>Re</math> auch geschrieben werden als:


:<math>Ri = \frac{Gr}{Re^2}</math>
:<math>Ri = \frac{Gr}{Re^2}</math>


[[Natürliche Konvektion]] ist für <math>Ri < 0{,}1</math> vernachlässigbar, [[Erzwungene Konvektion|erzwungene Konvektion]] ist für <math>Ri > 10</math> vernachlässigbar. In den Zwischenbereichen <math>(0{,}1 < Ri < 10)</math> müssen beide berücksichtigt werden.
[[Natürliche Konvektion]] ist für <math>Ri < 0{,}1</math> vernachlässigbar, [[erzwungene Konvektion]] ist für <math>Ri > 10</math> vernachlässigbar. Für Werte dazwischen <math>(0{,}1 < Ri < 10)</math> müssen beide berücksichtigt werden.


== Anwendungsbeispiel ==
== Anwendungsbeispiel ==
[[File:Fernwärmespricher Theiss.JPG|thumb|[[Fernwärmespeicher]]<br/>zur Versorgung der Stadt [[Krems an der Donau|Krems]]<br/>mit 50.000&nbsp;m³ Wasserinhalt<br/>und 2&nbsp;GWh Speichervermögen]]
[[Datei:Fernwärmespeicher Theiss.jpg|mini|[[Fernwärmespeicher]]<br/>zur Versorgung der Stadt [[Krems an der Donau|Krems]]<br/>mit 50.000&nbsp;m³ Wasserinhalt<br/>und 2&nbsp;GWh Speichervermögen]]
Insbesondere bei der Auslegung von [[Wärmespeicher]]n dient die Richardson-Zahl dazu, eine ordentliche [[Temperaturschichtung]] im Speicher zu dimensionieren.<ref>Robert Huhn: ''Beitrag zur thermodynamischen Analyse und Bewertung von Wasserwärmespeichern in Energieumwandlungsketten''. TUDpress, Dresden 2007, ISBN 978-3-940046-32-1; Andreas Oberhammer ''Europas größter Fernwärmespeicher in Kombination mit dem optimalen Ladebetrieb eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes'' (Vortrag 2007)</ref> Die Einströmung in den Speicher muss also so gestaltet werden, dass der einströmende [[Impuls]] nicht die Speicherschichtung zerstört.


Ende&nbsp;2007 wurde Europas größter [[Fernwärmespeicher]] mit über 2&nbsp;Mio.&nbsp;kWh Speichervermögen im [[Kraftwerk Theiß]] der [[EVN AG]] in Betrieb gesetzt. Er weist einen Durchmesser von 50&nbsp;Metern und eine Höhe von gut 20&nbsp;Metern auf. Trotz dieser geometrisch eigentlich ungünstigen Verhältnisse hat er eine perfekte Temperaturschichtung, da die Ein- und Ausströmungsvorgänge mittels der Richardson-Zahl berechnet und die Ein- und Ausströmimpulse entsprechend angepasst wurden.
Bei der Auslegung von Tanks als [[Wärmespeicher]]n dient die Richardson-Zahl dazu, eine stabile [[Temperaturschichtung]] (oben warm, unten kalt) im Speicher zu erhalten.<ref>Robert Huhn: ''Beitrag zur thermodynamischen Analyse und Bewertung von Wasserwärmespeichern in Energieumwandlungsketten''. TUDpress, Dresden 2007, ISBN 978-3-940046-32-1; Andreas Oberhammer ''Europas größter Fernwärmespeicher in Kombination mit dem optimalen Ladebetrieb eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes'' (Vortrag 2007)</ref> Die Einströmung in den Speicher muss also so langsam erfolgen, dass der  pro Zeit eingebrachte [[Impuls]] lokal aufgezehŕt wird und damit die Speicherschichtung im gesamten Tank nicht zerstört.
 
Ende 2007 wurde Europas größter [[Fernwärmespeicher]] mit über 2&nbsp;GWh Speichervermögen im [[Kraftwerk Theiß]] der [[EVN AG]] in Betrieb gesetzt. Er weist einen (Innen-)durchmesser von 50&nbsp;Metern und eine Höhe von gut 20&nbsp;Metern auf und ist vollständig im Wesentlichen mit Wasser gefüllt. Den Tank für ein gewisses Volumen niedriger als breit zu bauen spart [[hydrostatischer Druck|hydrostatische Druckbelastung]] am Fuß des Tanks. Um eine stabile Temperaturschichtung zu erhalten ist es nötig die [[Translation]]sgeschwindigkeit der Einströmung und auch der Ausströmung gering zu halten. Die Richardson-Zahl wird berechnet und dient zur Abschätzung des Verhaltens.


== Quellen ==
== Quellen ==

Aktuelle Version vom 1. Februar 2022, 20:59 Uhr

Die Richardson-Zahl Ri (nach dem britischen Mathematiker und Meteorologen Lewis Fry Richardson) ist eine dimensionslose Kennzahl. Sie beschreibt in der Strömungslehre den Zusammenhang zwischen potentieller und kinetischer Energie.

Definition

Flüssigkeiten oder Gase in einem Schwerefeld

Für Flüssigkeiten oder Gase in einem Schwerefeld kann man z. B. definieren

Ri=ghu2

mit

In dieser Definition wird der Kehrwert der Quadratwurzel aus der Richardson-Zahl auch als Froude-Zahl bezeichnet:

1Ri=ugh=Fr

Im Flugbetrieb gibt die Richardsonzahl z. B. Anhaltspunkte, ob Turbulenzen auftreten: je kleiner Ri, desto wahrscheinlicher sind Turbulenzen – bei typischen Ri-Werten von 0,1 bis 10.

Thermische Konvektion

In Problemen mit thermischer Konvektion wird folgende Definition benutzt:

Ri=gγ(TWandT0)Lu2

dabei ist

  • γ der Ausdehnungskoeffizient
  • TWand die Temperatur der geheizten Wand
  • T0 eine Referenztemperatur
  • L eine typische Länge des Problems.

Diese Definition entspricht einer alternativen Definition der Archimedes-Zahl und kann mit der Grashof-Zahl Gr und der Reynoldszahl Re auch geschrieben werden als:

Ri=GrRe2

Natürliche Konvektion ist für Ri<0,1 vernachlässigbar, erzwungene Konvektion ist für Ri>10 vernachlässigbar. Für Werte dazwischen (0,1<Ri<10) müssen beide berücksichtigt werden.

Anwendungsbeispiel

Datei:Fernwärmespeicher Theiss.jpg
Fernwärmespeicher
zur Versorgung der Stadt Krems
mit 50.000 m³ Wasserinhalt
und 2 GWh Speichervermögen

Bei der Auslegung von Tanks als Wärmespeichern dient die Richardson-Zahl dazu, eine stabile Temperaturschichtung (oben warm, unten kalt) im Speicher zu erhalten.[1] Die Einströmung in den Speicher muss also so langsam erfolgen, dass der pro Zeit eingebrachte Impuls lokal aufgezehŕt wird und damit die Speicherschichtung im gesamten Tank nicht zerstört.

Ende 2007 wurde Europas größter Fernwärmespeicher mit über 2 GWh Speichervermögen im Kraftwerk Theiß der EVN AG in Betrieb gesetzt. Er weist einen (Innen-)durchmesser von 50 Metern und eine Höhe von gut 20 Metern auf und ist vollständig im Wesentlichen mit Wasser gefüllt. Den Tank für ein gewisses Volumen niedriger als breit zu bauen spart hydrostatische Druckbelastung am Fuß des Tanks. Um eine stabile Temperaturschichtung zu erhalten ist es nötig die Translationsgeschwindigkeit der Einströmung und auch der Ausströmung gering zu halten. Die Richardson-Zahl wird berechnet und dient zur Abschätzung des Verhaltens.

Quellen

  1. Robert Huhn: Beitrag zur thermodynamischen Analyse und Bewertung von Wasserwärmespeichern in Energieumwandlungsketten. TUDpress, Dresden 2007, ISBN 978-3-940046-32-1; Andreas Oberhammer Europas größter Fernwärmespeicher in Kombination mit dem optimalen Ladebetrieb eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes (Vortrag 2007)