Teilchen im Kasten: Unterschied zwischen den Versionen

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Kugelsymmetrische Lösungen: Konkretisierung in Bezug auf R(0) \neq \infty
 
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Das '''Teilchen im Kasten''' ist ein Modell in der [[Quantenmechanik]], bei dem sich ein [[freies Teilchen]] in einem ''Kastenpotential'' befindet. Es handelt sich um einen Spezialfall des [[Potentialtopf]]es, bei dem das [[Potential (Physik)|Potential]] in einem bestimmten Bereich gleich null und außerhalb davon unendlich ist. Das Modellsystem macht die [[Quantisierung (Physik)|Quantisierung]] der [[Energie]] verständlich. Als eindimensionales Modell lässt es sich vergleichsweise einfach berechnen. Es handelt sich jedoch um eine vereinfachende Annahme, die den Regeln der Quantenmechanik nicht völlig entspricht, da die sich ergebende Wellenfunktion z. B. nicht stetig differenzierbar ist (am Übergang von [[Potentialbarriere]] und Kasteninnerem).
Das '''Teilchen im Kasten''' ist ein Modell in der [[Quantenmechanik]], bei dem sich ein [[freies Teilchen]] in einem ''Kastenpotential'' befindet. Es handelt sich um einen Spezialfall des [[Potentialtopf]]es, bei dem das [[Potential (Physik)|Potential]] in einem bestimmten Bereich gleich null und außerhalb davon unendlich ist. Das Modellsystem macht die [[Quantisierung (Physik)|Quantisierung]] der [[Energie]] verständlich. Als eindimensionales Modell lässt es sich vergleichsweise einfach berechnen.
[[Datei:Infinite potential well.svg|mini|Das Potential, hier mit <math>V</math>  bezeichnet, ist außerhalb des Potentialkastens  unendlich groß, im Inneren gleich null.]]


== Aufbau und Voraussetzungen ==
== Aufbau und Voraussetzungen ==
[[Datei:Infinite potential well.svg|thumb|Das Potential, hier mit <math>V</math>  bezeichnet, ist außerhalb des Potentialkastens  unendlich groß, im Inneren gleich null.]]
Das eindimensionale Modellsystem besteht aus einem ''[[Freies Teilchen|freien Teilchen]]'', beispielsweise einem Gasmolekül, das sich in dem potentialfreien Raum zwischen zwei unendlich großen Potentialen befindet. Die als „Wände“ bezeichneten Grenzen (eine bei <math>x=0</math> und eine bei <math>x=L</math>) sind orthogonal zur x-Achse und somit parallel zueinander. Dieses stark vereinfachende Modell eines Potentialtopfs bezeichnet man als ''Potentialkasten''.
Das eindimensionale Modellsystem besteht aus einem ''[[Freies Teilchen|freien Teilchen]]'', beispielsweise einem Gasmolekül, das sich in dem potentialfreien Raum zwischen zwei unendlich großen Potentialen befindet. Die als „Wände“ bezeichneten Grenzen (eine bei <math>x=0</math> und eine bei <math>x=L</math>) sind senkrecht zur x-Achse und somit parallel zueinander. Dieses stark vereinfachende Modell eines Potentialtopfs bezeichnet man als ''Potentialkasten''.


Innerhalb des Potentialkastens der Länge <math>L</math> wirken im Modell keine Kräfte auf das Teilchen ([[Gravitation]] und [[Elektromagnetisches Feld|Elektromagnetische Felder]] werden nicht berücksichtigt). Da das Potential außerhalb des Kastens unendlich groß ist, kann das Teilchen den Kasten nicht verlassen. Daraus folgt, dass sich das Teilchen im Inneren des Kastens mit konstanter Geschwindigkeit <math>v</math> bewegt und an den Wänden ohne Energieverlust reflektiert wird. Betrachtet man <math>v</math> als [[Vektor|vektorielle Größe]], so gilt, dass der ''Betrag'' der Geschwindigkeit konstant bleibt.
Innerhalb des Potentialkastens der Länge <math>L</math> wirken im Modell keine Kräfte auf das Teilchen ([[Gravitation]] und [[Elektromagnetisches Feld|Elektromagnetische Felder]] werden nicht berücksichtigt). Da das Potential außerhalb des Kastens unendlich groß ist, kann das Teilchen den Kasten nicht verlassen. Daraus folgt, dass sich das Teilchen im Inneren des Kastens mit konstanter Geschwindigkeit <math>v</math> bewegt und an den Wänden ohne Energieverlust reflektiert wird. Betrachtet man <math>v</math> als [[Vektor|vektorielle Größe]], so gilt, dass der ''Betrag'' der Geschwindigkeit konstant bleibt.


== Zustandsfunktion und Antreffwahrscheinlichkeit ==
== Zustandsfunktion und Antreffwahrscheinlichkeit ==
[[Datei:Waves_in_Box.svg|thumb|Im Potentialkasten können nur Wellen existieren, für die <math>L</math> ein Vielfaches ihrer halben Wellenlänge <math>\lambda</math> ist.]]
[[Datei:Waves in Box.svg|mini|Im Potentialkasten können nur Wellen existieren, für die <math>L</math> ein Vielfaches ihrer halben Wellenlänge <math>\lambda</math> ist.]]


Beschreibt man das Teilchen, wie in der Quantenphysik üblich, mit Hilfe einer einfachen [[Wellenfunktion]], ergibt sich, dass im Inneren des Potentialkastens nur solche Energie-Eigenfunktionen zulässig sind, für die <math>L</math> ein ganzzahliges Vielfaches ihrer halben Wellenlänge ist.
Beschreibt man das Teilchen, wie in der Quantenphysik üblich, mit Hilfe einer einfachen [[Wellenfunktion]], ergibt sich, dass im Inneren des Potentialkastens nur solche Energie-Eigenfunktionen zulässig sind, für die <math>L</math> ein ganzzahliges Vielfaches ihrer halben Wellenlänge ist.
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== Energie ==
== Energie ==
Weil für ein Teilchen innerhalb eines Potentialkastens nur bestimmte einzelnen Eigenzustände  <math>n</math> zulässig sind, können sie auch nur bestimmte [[Diskrete Teilmenge|diskrete]], von <math>n</math> abhängige Energiewerte haben. Dies gilt auch bei endlich hohen „Wänden“ und hat weitreichende Auswirkungen etwa auf das Verständnis des Aufbaus von [[Atom]]en. Mit den oben gemachten Annahmen lässt sich für die Energie eines Teilchens in Abhängigkeit von <math>n</math> folgende Gleichung herleiten:
Weil für ein Teilchen innerhalb eines Potentialkastens nur bestimmte einzelne Eigenzustände  <math>n</math> zulässig sind, können sie auch nur bestimmte [[Diskrete Teilmenge|diskrete]], von <math>n</math> abhängige Energiewerte haben. Dies gilt auch bei endlich hohen „Wänden“ und hat weitreichende Auswirkungen etwa auf das Verständnis des Aufbaus von [[Atom]]en. Mit den oben gemachten Annahmen lässt sich für die Energie eines Teilchens in Abhängigkeit von <math>n</math> folgende Gleichung herleiten:


:<math>E_{n} = \frac{h^{2}}{8mL^{2}}n^{2} \quad \text{mit} \quad n=1,2,3, \ldots</math>
:<math>E_{n} = \frac{h^{2}}{8mL^{2}}n^{2} \quad \text{mit} \quad n=1,2,3, \ldots</math>
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:<math>H=-\frac{\hbar^{2}}{2m}\frac{\mathrm{d}^{2}}{\mathrm{d}x^{2}}+V(x)\ ,\quad V(x)=\begin{cases}
:<math>H=-\frac{\hbar^{2}}{2m}\frac{\mathrm{d}^{2}}{\mathrm{d}x^{2}}+V(x)\ ,\quad V(x)=\begin{cases}
0 & (0\leq x\leq L)\\
0 & (0< x< L)\\
\infty & (x<0,\ x>L)\end{cases}</math>
\infty & (x\leq 0,\ L\leq x)\end{cases}</math>


Die [[Schrödingergleichung]]
Die [[Schrödingergleichung]]
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in die [[stationäre Schrödingergleichung|zeitunabhängige (stationäre) Schrödingergleichung]] über.
in die [[stationäre Schrödingergleichung|zeitunabhängige (stationäre) Schrödingergleichung]] über.


:<math> H\,\psi(x)=E\,\psi(x)</math>  
:<math> H\,\psi(x)=E\,\psi(x)</math>


Im Folgenden wird die zeitunabhängige Schrödingergleichung zu lösen sein ([[Spektrum (Operatortheorie)|Eigenwertproblem]] des Hamiltonoperators)
Im Folgenden wird die zeitunabhängige Schrödingergleichung zu lösen sein ([[Spektrum (Operatortheorie)|Eigenwertproblem]] des Hamiltonoperators)
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=== Außerhalb des Kastens, Stetigkeitsbedingung ===
=== Außerhalb des Kastens, Stetigkeitsbedingung ===


Außerhalb des Kastens muss die Wellenfunktion aufgrund des unendlich hohen Potentials identisch null sein.  
Außerhalb des Kastens muss die Wellenfunktion aufgrund des unendlich hohen Potentials identisch null sein.
:<math>\, \psi(x) = 0\ ,\quad (x<0,\ x>L)</math>
:<math>\, \psi(x) = 0\ ,\quad (x<0,\ x>L)</math>


Da die Wellenfunktion jedoch überall stetig sein muss, werden somit Randbedingungen an die Wellenfunktion im Kasten gestellt, nämlich dass die Wellenfunktion <math>\, \psi(x)</math> an den Wänden gleich 0 ist:  
Da die Wellenfunktion jedoch überall stetig sein muss, werden somit Randbedingungen an die Wellenfunktion im Kasten gestellt, nämlich dass die Wellenfunktion <math>\, \psi(x)</math> an den Wänden gleich 0 ist:


:<math>\psi(x=0)=0 \quad \text{ und } \quad \psi(x=L)=0</math>.
:<math>\psi(x=0)=0 \quad \text{ und } \quad \psi(x=L)=0</math>.
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  & \overset{!}{=} & 0\end{matrix}</math>.
  & \overset{!}{=} & 0\end{matrix}</math>.


Damit diese Gleichung erfüllt wird, muss <math>B=0</math> sein. Damit vereinfacht sich die Wellenfunktion zu  
Damit diese Gleichung erfüllt wird, muss <math>B=0</math> sein. Damit vereinfacht sich die Wellenfunktion zu


:<math>\, \psi(x) = A \sin(kx)</math>.
:<math>\, \psi(x) = A \sin(kx)</math>.
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=== Randbedingung 2 ===
=== Randbedingung 2 ===


Mit Hilfe der zweiten Randbedingung folgt dann für die Wellenfunktion innerhalb des Kastens
Mithilfe der zweiten Randbedingung folgt dann für die Wellenfunktion innerhalb des Kastens


:<math>\, \psi(x=L)=A\sin(kL)\,\overset{!}{=}\,0</math>.
:<math>\, \psi(x=L)=A\sin(kL)\,\overset{!}{=}\,0</math>.
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:<math>k = k_n = \frac{\pi}{L}n\ ,\quad n\in\mathbb{N}</math>
:<math>k = k_n = \frac{\pi}{L}n\ ,\quad n\in\mathbb{N}</math>


Eigentlich folgt aus der zweiten Randbedingung nur, dass <math>n\in\mathbb{Z}</math> eine ganze Zahl ist. Für <math>n=0</math> wäre allerdings die Wellenfunktion <math>\psi(x) = A \sin(0\cdot x)=0</math> überall null und somit die Normierungsbedingung nicht zu erfüllen, also ist <math>n=0</math> nicht erlaubt. Für negative <math>n^\prime=-n<0</math> ist die Wellenfunktion bis auf das [[Vorzeichen (Zahl)|Vorzeichen]] dieselbe wie für das positive <math>n</math>, nämlich <math>\psi(x)=A\sin(k_{n^\prime}x)=A\sin(-k_{n}x)=-A\sin(k_{n}x)</math>. Da Wellenfunktionen, die sich um einen Faktor unterscheiden, denselben Zustand beschreiben, bringen die negativen ganzen Zahlen keine neuen Zustände hervor. Deshalb beschränkt man sich auf <math>n\in\mathbb{N}</math>
Eigentlich folgt aus der zweiten Randbedingung nur, dass <math>n\in\mathbb{Z}</math> eine ganze Zahl ist. Für <math>n=0</math> wäre allerdings die Wellenfunktion <math>\psi(x) = A \sin(0\cdot x)=0</math> überall null und somit die Normierungsbedingung nicht zu erfüllen, also ist <math>n=0</math> nicht erlaubt. Für negative <math>n^\prime=-n<0</math> ist die Wellenfunktion bis auf das [[Vorzeichen (Zahl)|Vorzeichen]] dieselbe wie für das positive <math>n</math>, nämlich <math>\psi(x)=A\sin(k_{n^\prime}x)=A\sin(-k_{n}x)=-A\sin(k_{n}x)</math>. Da Wellenfunktionen, die sich um einen Faktor unterscheiden, denselben Zustand beschreiben, bringen die negativen ganzen Zahlen keine neuen Zustände hervor. Deshalb beschränkt man sich auf <math>n\in\mathbb{N}</math>.


Wie oben berechnet, hängt die Energie <math>E</math> von der Wellenzahl <math>k</math> ab, einsetzen liefert:
Wie oben berechnet, hängt die Energie <math>E</math> von der Wellenzahl <math>k</math> ab; Einsetzen liefert:


:<math> E = E_n = \frac{\hbar^2 k_n^2}{2m} = \frac{\hbar^2\pi^2}{2mL^2}n^2 = \frac{h^2}{8mL^2}n^2\ ,\quad n\in\mathbb{N} </math>
:<math> E = E_n = \frac{\hbar^2 k_n^2}{2m} = \frac{\hbar^2\pi^2}{2mL^2}n^2 = \frac{h^2}{8mL^2}n^2\ ,\quad n\in\mathbb{N} </math>
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Die Amplitude <math>A</math> lässt sich noch über die Normierungsbedingung bestimmen:
Die Amplitude <math>A</math> lässt sich noch über die Normierungsbedingung bestimmen:


:<math>1\overset{!}{=}\int_{\mathbb{R}}\psi_{n}^{*}(x)\psi_{n}(x)\mathrm{d}x=|A|^{2}\int_{0}^{L}\sin^{2}\left(n\frac{\pi}{L}x\right)\mathrm{d}x = |A|^{2}\left[\frac{x}{2}-\frac{L}{4n\pi}\sin\left(2n\frac{\pi}{L}x\right)\right]_{0}^{L}=|A|^{2}\left(\frac{L}{2}-\frac{L}{4n\pi}\underbrace{\sin\left(2n\pi\right)}_{=0}\right)=|A|^{2}\frac{L}{2}</math>
:<math>\begin{align}
1 & \overset{!}{=}\int_{\mathbb{R}}\psi_{n}^{*}(x)\psi_{n}(x)\mathrm{d}x=|A|^{2}\int_{0}^{L}\sin^{2}\left(n\frac{\pi}{L}x\right)\mathrm{d}x = |A|^{2}\left[\frac{x}{2}-\frac{L}{4n\pi}\sin\left(2n\frac{\pi}{L}x\right)\right]_{0}^{L} \\
&=|A|^{2}\left(\frac{L}{2}-\frac{L}{4n\pi}\underbrace{\sin\left(2n\pi\right)}_{=0}\right) =|A|^{2}\frac{L}{2}
\end{align}</math>


Da <math>A</math> eine komplexe Zahl ist, ist nur ihr Betrag festgelegt, die Phase <math>\phi\in\mathbb{R}</math> ist beliebig:
Da <math>A</math> eine komplexe Zahl ist, ist nur ihr Betrag festgelegt, die Phase <math>\phi\in\mathbb{R}</math> ist beliebig:
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=== Grundzustand ===
=== Grundzustand ===


Die [[Grundzustand]]senergie (niedrigste mögliche Energie) ist nicht null (<math>n=0</math> ist wegen der Heisenbergschen Unschärferelation nicht erlaubt), sondern  
Die [[Grundzustand]]senergie (niedrigste mögliche Energie) ist nicht null (<math>n=0</math> ist wegen der Heisenbergschen Unschärferelation nicht erlaubt), sondern


:<math>E_{1}=\frac{\hbar^{2}\pi^{2}}{2mL^{2}}</math>
:<math>E_{1}=\frac{\hbar^{2}\pi^{2}}{2mL^{2}}</math>
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:<math>p_{\text{min}}=\frac{h}{2x_{\text{max}}}=\frac{h}{2L}\quad\Rightarrow\quad E_{\text{min}}=\frac{p_{\text{min}}^{2}}{2m}=\frac{h^{2}}{8mL^{2}}=\frac{\hbar^{2}\pi^{2}}{2mL^{2}}</math>
:<math>p_{\text{min}}=\frac{h}{2x_{\text{max}}}=\frac{h}{2L}\quad\Rightarrow\quad E_{\text{min}}=\frac{p_{\text{min}}^{2}}{2m}=\frac{h^{2}}{8mL^{2}}=\frac{\hbar^{2}\pi^{2}}{2mL^{2}}</math>
== Zeitliche Entwicklung eines Wellenpakets im Kastenpotential ==
Die zeitliche Entwicklung der Wellenfunktion ist gegeben durch
:<math>\Psi(x,t)=\sum_{n=1}^{\infty} a_{n}e^{-\frac{\mathrm i}{\hbar}E_{n} t}\psi_{n}(x)</math>
wobei die Koeffizienten <math>a_n</math> sich aus der Anfangsbedingung ergeben:
:<math>a_{n}=\int_{-\infty}^{\infty} \psi^\dagger_{n}(x)\Psi(x,0)\mathrm{d}x=\int_{0}^{L} \psi^\dagger_{n}(x)\Psi(x,0)\mathrm{d}x</math>
Durch eine Variablentransformation <math>x\to y = x - \bar x</math> kann das Problem so gestellt werden, dass es symmetrisch um Null herum ist. Es ist dann
:<math>\psi(y) = \sqrt{\frac 2L} \begin{cases} \sin(n \pi y/L) & n \text{ ungerade} \\ \cos(n\pi y/L) & n \text{ gerade}\end{cases}</math>
Das führt zur Gesamtwellenfunktion
:<math>\Psi(y,t) = \frac 2L \sum_{n\ \text{gerade}}^\infty \left[\int_{-L/2}^{L/2} \mathrm dy' \Psi(y',0) \cos(\tfrac{n \pi y'}{L}) \right] e^{-\frac{\mathrm i \hbar \pi^2 n^2 t}{2mL^2}} \cos(\tfrac{n \pi y}{L}) + \frac 2L \sum_{n\ \text{ungerade}}^\infty \left[\int_{-L/2}^{L/2} \mathrm dy' \Psi(y',0) \sin(\tfrac{n \pi y'}{L}) \right] e^{-\frac{\mathrm i \hbar \pi^2 n^2 t}{2mL^2}} \sin(\tfrac{n \pi y}{L})</math>.
Die Gesamtwellenfunktion ist zeitlich periodisch mit Periodendauer
:<math>T_R = \frac{4m L^2}{\pi \hbar}</math>,
die [[Quantum revival|revival time]] genannt wird. Das heißt, es gilt <math>\Psi(y, t + T_R) = \Psi(y,t)</math>. Dies ist eine charakteristische Eigenschaft des Kastenpotentials, da hier alle Energieeigenwerte ganzzahlige Vielfache der Grundzustandsenergie <math>E_1</math> sind.
Auch für rationale Vielfache von <math>T_R</math> können sich interessante Strukturen herausbilden. Seien <math>k,l</math> natürliche Zahlen mit <math>k < l</math>, dann gilt
:<math>e^{-\frac{\mathrm i}{\hbar} E_{n}\left(t+ \frac kl T_R\right)}=e^{-\frac{\mathrm i}{\hbar} E_n t} e^{- 2 \pi \mathrm i n^2 \frac kl}</math>
Für <math>l = 2</math> und gerades <math>n</math> ergibt der Phasenfaktor den Wert <math>+1</math>, für ungerades <math>n</math> den Wert <math>-1</math>. Es ist also
:<math>\Psi(y, t + T_R/2) = \Psi^\text{gerade}(y,t) - \Psi^\text{ungerade}(y,t) = \Psi(-y,t)</math>
und die Wellenfunktion wird um die Mitte des Kastens herum gespiegelt. Das heißt, ein Wellenpaket, das anfangs in der linken Kastenhälfte lokalisiert war, erscheint nach der halben Revival-Zeit auf der rechten Seite. Man nennt dies ein ''mirror revival''. Für die Wahrscheinlichkeitsdichte gilt trivialerweise:
:<math>\rho(y,t + T_R/2) = \rho(-y,t)</math>
Für <math>l = 4</math> und gerades <math>n</math> ergibt der Phasenfaktor den Wert <math>+1</math> und für ungerades <math>n</math> den Wert <math>-\mathrm i</math>. Ist <math>\Psi(x,t)</math> reell, dann gilt:
:<math>\rho(y, t+ T_R/4) = \rho^\text{gerade}(y,t) + \rho^\text{ungerade}(y,t) = \frac 12 \rho(y,t) + \frac 12 \rho(-y,t)</math>
In diesem Fall wird das Wellenpaket quasi in zwei Teile mit jeweils halber Wahrscheinlichkeitsdichte auf beiden Seiten aufgetrennt. Dieser Fall heißt ''fractional revival''.
Auch für die andere Zeiten <math>\textstyle \frac kl T_R</math> mit (kleinen) ganzen Zahlen <math>k</math> und <math>l</math> entstehen typischerweise mehrere approximative Reproduktionen des Wellenpaketes. Trägt man nun die zeitliche Entwicklung (Ordinate) gegen die räumliche Verteilung des Wellenpakets in einen Diagramm auf, ist eine starke Strukturierung in Ort und Zeit als ausgeprägte Gräben zu erkennen, in denen die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte sehr klein ist. Die Form des Diagramms erinnert an die Form eines orientalischen Teppichs. Man spricht daher auch vom ''[[Quantenteppich]]''.


== Dreidimensionaler Fall (Quader) ==
== Dreidimensionaler Fall (Quader) ==
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Im dreidimensionalen Kasten (Quader) sieht der Hamiltonoperator wie folgt aus:
Im dreidimensionalen Kasten (Quader) sieht der Hamiltonoperator wie folgt aus:


:<math>H=-\frac{\hbar^{2}}{2m}\left(\frac{\mathrm{d}^{2}}{\mathrm{d}x_{1}^{2}}+\frac{\mathrm{d}^{2}}{\mathrm{d}x_{2}^{2}}+\frac{\mathrm{d}^{2}}{\mathrm{d}x_{3}^{2}}\right)+V_{1}(x_{1})+V_{2}(x_{2})+V_{3}(x_{3})</math>
:<math>H=-\frac{\hbar^{2}}{2m}\left(\frac{\partial^{2}}{\partial x_{1}^{2}}+\frac{\partial^{2}}{\partial x_{2}^{2}}+\frac{\partial^{2}}{\partial x_{3}^{2}}\right)+V_{1}(x_{1})+V_{2}(x_{2})+V_{3}(x_{3})</math>


Dabei ist das Potential
Dabei ist das Potential
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Den vollständigen Hamiltonoperator kann man mittels
Den vollständigen Hamiltonoperator kann man mittels


:<math>H_{i}=-\frac{\hbar^{2}}{2m}\frac{\mathrm{d}^{2}}{\mathrm{d}x_{i}^{2}}+V_{i}(x_{i})</math>
:<math>H_{i}=-\frac{\hbar^{2}}{2m}\frac{\partial^{2}}{\partial x_{i}^{2}}+V_{i}(x_{i})</math>


als Summe dreier eindimensionaler Hamiltonoperatoren schreiben:
als Summe dreier eindimensionaler Hamiltonoperatoren schreiben:
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Die stationäre Schrödingergleichung (dreidimensional)
Die stationäre Schrödingergleichung (dreidimensional)


:<math> H\,\psi(\vec{r}\,)=E\,\psi(\vec{r}\,)</math>  
:<math> H\,\psi(\vec{r}\,)=E\,\psi(\vec{r}\,)</math>


lässt sich mit folgendem Produktansatz
lässt sich mit folgendem Produktansatz
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:<math>\psi(\vec{r}\,)=\psi_{1}(x_{1})\psi_{2}(x_{2})\psi_{3}(x_{3})</math>
:<math>\psi(\vec{r}\,)=\psi_{1}(x_{1})\psi_{2}(x_{2})\psi_{3}(x_{3})</math>


in drei eindimensionale Probleme separieren.  
in drei eindimensionale Probleme separieren.


Setze dazu den Produktansatz in die stationäre Schrödingergleichung ein und nutze aus, dass <math>H_i</math> nur auf <math>\psi_{i}</math> wirkt, d.&nbsp;h. die anderen <math>\psi_{j}</math> kann man am Hamiltonoperator vorbeiziehen.
Setze dazu den Produktansatz in die stationäre Schrödingergleichung ein und nutze aus, dass <math>H_i</math> nur auf <math>\psi_{i}</math> wirkt, d.&nbsp;h. die anderen <math>\psi_{j}</math> kann man am Hamiltonoperator vorbeiziehen.
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0 & ,\ (x_{i}<0,\ x_{i}>L_{i})\end{cases}\ ,\quad n_{i}\in\mathbb{N}</math>
0 & ,\ (x_{i}<0,\ x_{i}>L_{i})\end{cases}\ ,\quad n_{i}\in\mathbb{N}</math>


=== Gesamtlösung ===
=== Stationäre Gesamtlösung ===


Die Lösung des dreidimensionalen Kastens ist für die Gesamtwellenfunktion das Produkt der eindimensionalen Wellenfunktionen
Die Lösung des dreidimensionalen Kastens ist für die Gesamtwellenfunktion das Produkt der eindimensionalen Wellenfunktionen


:<math>\psi_{l_1,l_2,l_3}(\vec{r}\,)=\psi_{1}(x_{1})\psi_{2}(x_{2})\psi_{3}(x_{3})=\begin{cases}
:<math>\begin{align}
\psi_{l_1,l_2,l_3}(\vec{r}\,) &=\psi_{1}(x_{1})\psi_{2}(x_{2})\psi_{3}(x_{3}) \\
&=\begin{cases}
\sqrt{\frac{8}{L_{1}L_{2}L_{3}}}\sin(n_{1,l_1}\frac{\pi}{L_{1}}x_1)\sin(n_{2,l_2}\frac{\pi}{L_{2}}x_2)\sin(n_{3,l_3}\frac{\pi}{L_{3}}x_3) & ,\quad0\leq x_{1}\leq L_{1},\ 0\leq x_{2}\leq L_{2},\ 0\leq x_{3}\leq L_{3}\\
\sqrt{\frac{8}{L_{1}L_{2}L_{3}}}\sin(n_{1,l_1}\frac{\pi}{L_{1}}x_1)\sin(n_{2,l_2}\frac{\pi}{L_{2}}x_2)\sin(n_{3,l_3}\frac{\pi}{L_{3}}x_3) & ,\quad0\leq x_{1}\leq L_{1},\ 0\leq x_{2}\leq L_{2},\ 0\leq x_{3}\leq L_{3}\\
0 & ,\quad\text{sonst}\end{cases}</math>
0 & ,\quad\text{sonst}\end{cases}
\end{align}</math>


und für die Gesamtenergie die Summe der eindimensionalen Energieeigenwerte:
und für die Gesamtenergie die Summe der eindimensionalen Energieeigenwerte:
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Für den dreidimensionalen kugelförmigen Kasten mit Radius <math>L</math> ist es sinnvoll, den Hamiltonoperator in [[Kugelkoordinaten]] darzustellen:
Für den dreidimensionalen kugelförmigen Kasten mit Radius <math>L</math> ist es sinnvoll, den Hamiltonoperator in [[Kugelkoordinaten]] darzustellen:


:<math>H = -\frac{\hbar^{2}}{2m} \left( \frac{1}{r^2} \frac{d}{dr} \left( r^2 \frac{d}{dr} \right) + \frac{1}{r^2 \sin \vartheta} \frac{d}{d\vartheta} \left( \sin \vartheta \frac{d}{d\vartheta} \right) + \frac{1}{r^2 \sin^2 \vartheta} \frac{d^2}{d\varphi^2} \right) + V
:<math>H = -\frac{\hbar^{2}}{2m} \left( \frac{1}{r^2} \frac{\partial}{\partial r} \left( r^2 \frac{\partial}{\partial r} \right) + \frac{1}{r^2 \sin \vartheta} \frac{\partial}{\partial\vartheta} \left( \sin \vartheta \frac{\partial}{\partial\vartheta} \right) + \frac{1}{r^2 \sin^2 \vartheta} \frac{\partial^2}{\partial\varphi^2} \right) + V
</math>
</math>


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:<math>\Psi_{nlm}(r,\vartheta,\varphi) = R_{nl}(r) Y_{lm}(\vartheta, \varphi )</math>
:<math>\Psi_{nlm}(r,\vartheta,\varphi) = R_{nl}(r) Y_{lm}(\vartheta, \varphi )</math>


Dabei ist auch hier <math>\,n</math> die Haupt- oder Energiequantenzahl, <math>\,l</math> die Drehimpulsquantenzahl und  <math>\,m</math> die magnetische Quantenzahl.  
Dabei ist auch hier <math>\,n</math> die Haupt- oder Energiequantenzahl, <math>\,l</math> die Drehimpulsquantenzahl und  <math>\,m</math> die magnetische Quantenzahl.


Für die radiusabhängige Funktion bleibt noch folgende radiale Schrödingergleichung (wobei V = 0 innerhalb des Kastens berücksichtigt wurde):
Für die radiusabhängige Funktion bleibt noch folgende radiale Schrödingergleichung (wobei V = 0 innerhalb des Kastens berücksichtigt wurde):


:<math> -\frac{\hbar^{2}}{2m} \left( \frac{1}{r^2} \frac{d}{dr} \left( r^2 \frac{d}{dr} \right)\right) R(r) - A R(r) = E R(r) </math>
:<math> -\frac{\hbar^{2}}{2m} \left( \frac{1}{r^2} \frac{\partial}{\partial r} \left( r^2 \frac{\partial}{\partial r} \right)\right) R(r) - A R(r) = E R(r) </math>


A ergibt sich durch Lösung der winkelabhängigen Schrödingergleichung zu:
A ergibt sich durch Lösung der winkelabhängigen Schrödingergleichung zu:
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=== Kugelsymmetrische Lösungen ===
=== Kugelsymmetrische Lösungen ===


Zunächst sei nur der einfache Fall <math>l = 0</math> betrachtet (s-artige Wellenfunktionen). Damit verschwindet der Term <math>A R(r)</math> aus der radialen Schrödingergleichung.  
Zunächst sei nur der einfache Fall <math>l = 0</math> betrachtet (s-artige Wellenfunktionen). Damit verschwindet der Term <math>A R(r)</math> aus der radialen Schrödingergleichung.


Zusätzlich sei <math>u(r) = r R(r) </math> gesetzt. Es folgt:
Zusätzlich sei <math>u(r) = r R(r) </math> gesetzt. Es folgt:


: <math>R(r) = \frac{u(r)}{r};\; \frac{d}{dr}R(r) = \frac{1}{r} \frac{d}{dr}u(r) - \frac{u(r)}{r^2};\; </math>
: <math>R(r) = \frac{u(r)}{r};\; \frac{\partial}{\partial r}R(r) = \frac{1}{r} \frac{\partial}{\partial r}u(r) - \frac{u(r)}{r^2};\; </math>


:<math>r^2 \frac{d}{dr}R(r) = r \frac{d}{dr} u(r) - u(r);\; </math>
:<math>r^2 \frac{\partial}{\partial r}R(r) = r \frac{\partial}{\partial r} u(r) - u(r);\; </math>


:<math>{\frac{d}{dr} \left(r^2 \frac{d}{dr}\right)R(r) = \frac{d}{dr} \left(r \frac{d}{dr}u(r) - u(r)\right) = \frac{d}{dr} u(r) + r \frac{d^2}{dr^2} u(r) - \frac{d}{dr}u(r) = r \frac{d^2}{dr^2}u(r);}</math>
:<math>{\frac{\partial}{\partial r} \left(r^2 \frac{\partial}{\partial r}\right)R(r) = \frac{\partial}{\partial r} \left(r \frac{\partial}{\partial r}u(r) - u(r)\right) = \frac{\partial}{\partial r} u(r) + r \frac{\partial^2}{\partial r^2} u(r) - \frac{\partial}{\partial r}u(r) = r \frac{\partial^2}{\partial r^2}u(r);}</math>


: <math>\frac{1}{r^2} \frac{d}{dr} \left(r^2 \frac{d}{dr} \right)R(r) = \frac{1}{r}\frac{d^2 u(r)}{dr^2}.</math>
: <math>\frac{1}{r^2} \frac{\partial}{\partial r} \left(r^2 \frac{\partial}{\partial r} \right)R(r) = \frac{1}{r}\frac{\partial^2 u(r)}{\partial r^2}.</math>


Damit vereinfacht sich die radiale Schrödingergleichung zu:
Damit vereinfacht sich die radiale Schrödingergleichung zu:


:<math> -\frac{\hbar^{2}}{2m} \frac{d^2}{dr^2} u(r) = E u(r) </math>
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Wie direkt ersichtlich ist, ist der Lösungsansatz für <math>u(r)</math> der Gleiche wie beim Teilchen im linearen Kasten: <math> u(r) = a \sin(kr) + b \cos(kr) </math> bzw.
Wie direkt ersichtlich ist, ist der Lösungsansatz für <math>u(r)</math> der Gleiche wie beim Teilchen im linearen Kasten: <math> u(r) = a \sin(kr) + b \cos(kr) </math> bzw.
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Einsetzen von <math>u(r)</math> in die radiale Schrödingergleichung liefert:
Einsetzen von <math>u(r)</math> in die radiale Schrödingergleichung liefert:


:<math> -\frac{\hbar^{2}}{2m} \frac{d^2}{dr^2} \left( a \cdot \sin \left(\frac{n\pi}{L}r\right) \right) = E_{n0} u(r) </math>,
:<math> -\frac{\hbar^{2}}{2m} \frac{\partial^2}{\partial r^2} \left( a \cdot \sin \left(\frac{n\pi}{L}r\right) \right) = E_{n0} u(r) </math>,


woraus sich die Energieeigenwerte <math>  E_{nl}</math> mit <math>l = 0</math> bestimmen lassen.
woraus sich die Energieeigenwerte <math>  E_{nl}</math> mit <math>l = 0</math> bestimmen lassen.
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=== Nicht-kugelsymmetrische Lösung ===
=== Nicht-kugelsymmetrische Lösung ===


Für l > 0 ist die Lösung der Schrödingergleichung erheblich komplizierter. Für <math>R_{nl}(r)</math> ergeben sich sphärische [[Bessel-Funktionen]] ''j''<sub>''l''</sub>, die mit den normalen Bessel-Funktionen ''J''<sub>''l''</sub> folgendermaßen zusammenhängen:<ref>Abramowitz and Stegun: [http://www.math.sfu.ca/~cbm/aands/page_437.htm Page 437].</ref>
Für <math>l > 0</math> ist die Lösung der Schrödingergleichung erheblich komplizierter. Für <math>R_{nl}(r)</math> ergeben sich sphärische [[Bessel-Funktionen]] <math>j_l</math>, die mit den normalen Bessel-Funktionen <math>J_l</math> folgendermaßen zusammenhängen:<ref>Abramowitz and Stegun: [http://www.math.sfu.ca/~cbm/aands/page_437.htm Page 437].</ref>


:<math>j_l(r) = \sqrt{\frac{\pi}{2r}} J_{l+1/2}(r).</math>
:<math>j_l(r) = \sqrt{\frac{\pi}{2r}} J_{l+1/2}(r).</math>


<math>E_{nl}</math> hängt wegen der Randbedingung <math>R_{nl}(L) = 0</math> quadratisch von der jeweils n.ten Nullstelle <math>x_{nl}</math> dieser Funktionen ab:  
<math>E_{nl}</math> hängt wegen der Randbedingung <math>R_{nl}(L) = 0</math> quadratisch von der jeweils <math>n</math>-ten Nullstelle <math>x_{nl}</math> dieser Funktionen ab:


:<math>E_{nl} = \frac{x_{nl}^2\hbar^2}{2mL^2},</math>
:<math>E_{nl} = \frac{x_{nl}^2\hbar^2}{2mL^2},</math>

Aktuelle Version vom 29. Januar 2022, 14:45 Uhr

Das Teilchen im Kasten ist ein Modell in der Quantenmechanik, bei dem sich ein freies Teilchen in einem Kastenpotential befindet. Es handelt sich um einen Spezialfall des Potentialtopfes, bei dem das Potential in einem bestimmten Bereich gleich null und außerhalb davon unendlich ist. Das Modellsystem macht die Quantisierung der Energie verständlich. Als eindimensionales Modell lässt es sich vergleichsweise einfach berechnen.

Datei:Infinite potential well.svg
Das Potential, hier mit V bezeichnet, ist außerhalb des Potentialkastens unendlich groß, im Inneren gleich null.

Aufbau und Voraussetzungen

Das eindimensionale Modellsystem besteht aus einem freien Teilchen, beispielsweise einem Gasmolekül, das sich in dem potentialfreien Raum zwischen zwei unendlich großen Potentialen befindet. Die als „Wände“ bezeichneten Grenzen (eine bei x=0 und eine bei x=L) sind orthogonal zur x-Achse und somit parallel zueinander. Dieses stark vereinfachende Modell eines Potentialtopfs bezeichnet man als Potentialkasten.

Innerhalb des Potentialkastens der Länge L wirken im Modell keine Kräfte auf das Teilchen (Gravitation und Elektromagnetische Felder werden nicht berücksichtigt). Da das Potential außerhalb des Kastens unendlich groß ist, kann das Teilchen den Kasten nicht verlassen. Daraus folgt, dass sich das Teilchen im Inneren des Kastens mit konstanter Geschwindigkeit v bewegt und an den Wänden ohne Energieverlust reflektiert wird. Betrachtet man v als vektorielle Größe, so gilt, dass der Betrag der Geschwindigkeit konstant bleibt.

Zustandsfunktion und Antreffwahrscheinlichkeit

Datei:Waves in Box.svg
Im Potentialkasten können nur Wellen existieren, für die L ein Vielfaches ihrer halben Wellenlänge λ ist.

Beschreibt man das Teilchen, wie in der Quantenphysik üblich, mit Hilfe einer einfachen Wellenfunktion, ergibt sich, dass im Inneren des Potentialkastens nur solche Energie-Eigenfunktionen zulässig sind, für die L ein ganzzahliges Vielfaches ihrer halben Wellenlänge ist.

Eine weitere quantenmechanische Besonderheit in dem Modell ist die Antreffwahrscheinlichkeit, also die Wahrscheinlichkeit, das Teilchen an einem bestimmten Ort anzutreffen. Die Wahrscheinlichkeit, das Teilchen irgendwo im Potentialkasten zu finden, beträgt 1, da es den Kasten nicht verlassen kann. Überall außerhalb des Kastens beträgt die Antreffwahrscheinlichkeit dementsprechend 0. Für einzelne Punkte innerhalb des Kastens ist die Antreffwahrscheinlichkeit verschieden und hängt von dem Zustand des Teilchens ab.

Eine andere Besonderheit der Quantenmechanik, der Tunneleffekt, tritt nicht bei dem hier beschriebenen Potential, sondern nur bei einem endlich hohen Potentialtopf auf.

Energie

Weil für ein Teilchen innerhalb eines Potentialkastens nur bestimmte einzelne Eigenzustände n zulässig sind, können sie auch nur bestimmte diskrete, von n abhängige Energiewerte haben. Dies gilt auch bei endlich hohen „Wänden“ und hat weitreichende Auswirkungen etwa auf das Verständnis des Aufbaus von Atomen. Mit den oben gemachten Annahmen lässt sich für die Energie eines Teilchens in Abhängigkeit von n folgende Gleichung herleiten:

En=h28mL2n2mitn=1,2,3,

Wird ein Teilchen angeregt, also etwa einem Atom durch Bestrahlung Energie zugeführt, wechselt es ohne „fließenden“ Übergang direkt auf ein höheres Energieniveau („Quantensprung“). Wechselt ein Teilchen auf ein niedrigeres Energieniveau, so gibt es die freiwerdende Energie ab, beispielsweise in Form eines Photons.

Aus der oben angeführten Gleichung lassen sich drei einfache Schlussfolgerungen ziehen, die das Teilchen im Potentialkasten qualitativ beschreiben:

  1. Die Energie des Teilchens ist proportional dem Quadrat der Quantenzahl n (En2)
  2. Je länger der Potentialkasten, desto kleiner ist die Energie des Teilchens (EL2)
  3. Je länger der Potentialkasten, desto geringer ist die Differenz zwischen zwei Energieniveaus En und En+1.

Diese Aussagen gelten sinngemäß auch für andere Potentialtöpfe.

Die Lösungen der Schrödinger-Gleichung führen zur Quantisierung der Energie

Der Hamiltonoperator des eindimensionalen Problems lautet in Ortsdarstellung

H=22md2dx2+V(x) ,V(x)={0(0<x<L)(x0, Lx)

Die Schrödingergleichung

itΨ(x,t)=HΨ(x,t)

geht mit dem Ansatz

Ψ(x,t)=ψ(x)exp(iEt)

in die zeitunabhängige (stationäre) Schrödingergleichung über.

Hψ(x)=Eψ(x)

Im Folgenden wird die zeitunabhängige Schrödingergleichung zu lösen sein (Eigenwertproblem des Hamiltonoperators)

Innerhalb des Kastens

Die stationäre Schrödingergleichung entspricht innerhalb des Kastens der eines freien Teilchens (gewöhnliche Differentialgleichung 2. Ordnung)

22md2dx2ψ(x)=Eψ(x) ,(0xL)

Für die Wellenfunktion ψ(x) innerhalb des Kastens wählt man folgenden Ansatz

ψ(x)=Asin(kx)+Bcos(kx)

Äquivalent wäre der Ansatz mit komplexen Exponentialfunktionen ψ(x)=Aexp(ikx)+Bexp(ikx).

Diesen Ansatz setzt man in die Schrödingergleichung ein, wobei die zweite Ableitung nach dem Ort d2dx2ψ(x)=k2ψ(x) ist.

22m(k2)ψ(x)=Eψ(x)

Somit erhält man die Energie E in Abhängigkeit von der Wellenzahl k:

E=2k22m

Außerhalb des Kastens, Stetigkeitsbedingung

Außerhalb des Kastens muss die Wellenfunktion aufgrund des unendlich hohen Potentials identisch null sein.

ψ(x)=0 ,(x<0, x>L)

Da die Wellenfunktion jedoch überall stetig sein muss, werden somit Randbedingungen an die Wellenfunktion im Kasten gestellt, nämlich dass die Wellenfunktion ψ(x) an den Wänden gleich 0 ist:

ψ(x=0)=0 und ψ(x=L)=0.

Randbedingung 1

Aus der ersten Randbedingung folgt für die Wellenfunktion innerhalb des Kastens

ψ(x=0)=Asin(k0)+Bcos(k0)=A0+B1=!0.

Damit diese Gleichung erfüllt wird, muss B=0 sein. Damit vereinfacht sich die Wellenfunktion zu

ψ(x)=Asin(kx).

Randbedingung 2

Mithilfe der zweiten Randbedingung folgt dann für die Wellenfunktion innerhalb des Kastens

ψ(x=L)=Asin(kL)=!0.

Damit diese Gleichung erfüllt wird, muss kL ein ganzes Vielfaches von π sein (die triviale Lösung A=0 würde bedeuten, dass gar keine Welle existiert), also

kL=nπ wobei n=1,2,3,

Somit darf die Wellenzahl k nur diskrete Werte annehmen

k=kn=πLn ,n

Eigentlich folgt aus der zweiten Randbedingung nur, dass n eine ganze Zahl ist. Für n=0 wäre allerdings die Wellenfunktion ψ(x)=Asin(0x)=0 überall null und somit die Normierungsbedingung nicht zu erfüllen, also ist n=0 nicht erlaubt. Für negative n=n<0 ist die Wellenfunktion bis auf das Vorzeichen dieselbe wie für das positive n, nämlich ψ(x)=Asin(knx)=Asin(knx)=Asin(knx). Da Wellenfunktionen, die sich um einen Faktor unterscheiden, denselben Zustand beschreiben, bringen die negativen ganzen Zahlen keine neuen Zustände hervor. Deshalb beschränkt man sich auf n.

Wie oben berechnet, hängt die Energie E von der Wellenzahl k ab; Einsetzen liefert:

E=En=2kn22m=2π22mL2n2=h28mL2n2 ,n

Da n nur ganzzahlige Werte annehmen darf, kann die Energie ebenfalls nur bestimmte Werte annehmen. Die Energie des Teilchens ist somit gequantelt, die Energieniveaus sind „diskret“.

Normierung

Die Amplitude A lässt sich noch über die Normierungsbedingung bestimmen:

1=!ψn*(x)ψn(x)dx=|A|20Lsin2(nπLx)dx=|A|2[x2L4nπsin(2nπLx)]0L=|A|2(L2L4nπsin(2nπ)=0)=|A|2L2

Da A eine komplexe Zahl ist, ist nur ihr Betrag festgelegt, die Phase ϕ ist beliebig:

A=2Leiϕ

Wellenfunktionen, die sich nur um einen konstanten Phasenfaktor unterscheiden, beschreiben denselben Zustand. Deshalb kann man ϕ=0 setzen und somit A=2L reell wählen.

Zusammenfassung

Die Eigenwerte (= mögliche Energiewerte) und Eigenfunktionen (= Wellenfunktionen) des Hamiltonoperators für ein Teilchen im Kasten mit unendlich hohen Potentialwänden sind also:

En=2π22mL2n2 ,ψn(x)={2Lsin(nπLx), (0xL)0, (x<0, x>L) ,n{0}

Grundzustand

Die Grundzustandsenergie (niedrigste mögliche Energie) ist nicht null (n=0 ist wegen der Heisenbergschen Unschärferelation nicht erlaubt), sondern

E1=2π22mL2

Dies erhält man auch aus der Betrachtung der Heisenbergschen Unschärferelation ΔxΔph/2: Das Teilchen ist auf den Raumbereich xmax=L eingeschränkt. Dann ergibt sich der minimale Impuls über xmaxpmin=h/2. Innerhalb des Kastens ist das Potential gleich null, somit ist die Gesamtenergie gleich der kinetischen Energie E=p2/2m.

pmin=h2xmax=h2LEmin=pmin22m=h28mL2=2π22mL2

Zeitliche Entwicklung eines Wellenpakets im Kastenpotential

Die zeitliche Entwicklung der Wellenfunktion ist gegeben durch

Ψ(x,t)=n=1aneiEntψn(x)

wobei die Koeffizienten an sich aus der Anfangsbedingung ergeben:

an=ψn(x)Ψ(x,0)dx=0Lψn(x)Ψ(x,0)dx

Durch eine Variablentransformation xy=xx¯ kann das Problem so gestellt werden, dass es symmetrisch um Null herum ist. Es ist dann

ψ(y)=2L{sin(nπy/L)n ungeradecos(nπy/L)n gerade

Das führt zur Gesamtwellenfunktion

Ψ(y,t)=2Ln gerade[L/2L/2dyΨ(y,0)cos(nπyL)]eiπ2n2t2mL2cos(nπyL)+2Ln ungerade[L/2L/2dyΨ(y,0)sin(nπyL)]eiπ2n2t2mL2sin(nπyL).

Die Gesamtwellenfunktion ist zeitlich periodisch mit Periodendauer

TR=4mL2π,

die revival time genannt wird. Das heißt, es gilt Ψ(y,t+TR)=Ψ(y,t). Dies ist eine charakteristische Eigenschaft des Kastenpotentials, da hier alle Energieeigenwerte ganzzahlige Vielfache der Grundzustandsenergie E1 sind.

Auch für rationale Vielfache von TR können sich interessante Strukturen herausbilden. Seien k,l natürliche Zahlen mit k<l, dann gilt

eiEn(t+klTR)=eiEnte2πin2kl

Für l=2 und gerades n ergibt der Phasenfaktor den Wert +1, für ungerades n den Wert 1. Es ist also

Ψ(y,t+TR/2)=Ψgerade(y,t)Ψungerade(y,t)=Ψ(y,t)

und die Wellenfunktion wird um die Mitte des Kastens herum gespiegelt. Das heißt, ein Wellenpaket, das anfangs in der linken Kastenhälfte lokalisiert war, erscheint nach der halben Revival-Zeit auf der rechten Seite. Man nennt dies ein mirror revival. Für die Wahrscheinlichkeitsdichte gilt trivialerweise:

ρ(y,t+TR/2)=ρ(y,t)

Für l=4 und gerades n ergibt der Phasenfaktor den Wert +1 und für ungerades n den Wert i. Ist Ψ(x,t) reell, dann gilt:

ρ(y,t+TR/4)=ρgerade(y,t)+ρungerade(y,t)=12ρ(y,t)+12ρ(y,t)

In diesem Fall wird das Wellenpaket quasi in zwei Teile mit jeweils halber Wahrscheinlichkeitsdichte auf beiden Seiten aufgetrennt. Dieser Fall heißt fractional revival.

Auch für die andere Zeiten klTR mit (kleinen) ganzen Zahlen k und l entstehen typischerweise mehrere approximative Reproduktionen des Wellenpaketes. Trägt man nun die zeitliche Entwicklung (Ordinate) gegen die räumliche Verteilung des Wellenpakets in einen Diagramm auf, ist eine starke Strukturierung in Ort und Zeit als ausgeprägte Gräben zu erkennen, in denen die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte sehr klein ist. Die Form des Diagramms erinnert an die Form eines orientalischen Teppichs. Man spricht daher auch vom Quantenteppich.

Dreidimensionaler Fall (Quader)

Im dreidimensionalen Kasten (Quader) sieht der Hamiltonoperator wie folgt aus:

H=22m(2x12+2x22+2x32)+V1(x1)+V2(x2)+V3(x3)

Dabei ist das Potential

Vi(xi)={0(0xiLi)(xi<0, xi>Li)

Den vollständigen Hamiltonoperator kann man mittels

Hi=22m2xi2+Vi(xi)

als Summe dreier eindimensionaler Hamiltonoperatoren schreiben:

H=H1+H2+H3

Separationsansatz

Die stationäre Schrödingergleichung (dreidimensional)

Hψ(r)=Eψ(r)

lässt sich mit folgendem Produktansatz

ψ(r)=ψ1(x1)ψ2(x2)ψ3(x3)

in drei eindimensionale Probleme separieren.

Setze dazu den Produktansatz in die stationäre Schrödingergleichung ein und nutze aus, dass Hi nur auf ψi wirkt, d. h. die anderen ψj kann man am Hamiltonoperator vorbeiziehen.

ψ2(x2)ψ3(x3)H1ψ1(x1)+ψ1(x1)ψ3(x3)H2ψ2(x2)+ψ1(x1)ψ2(x2)H3ψ3(x3)=Eψ1(x1)ψ2(x2)ψ3(x3)

Teilen durch ψ1(x1)ψ2(x2)ψ3(x3) liefert:

H1ψ1(x1)ψ1(x1)E1+H2ψ2(x2)ψ2(x2)E2+H3ψ3(x3)ψ3(x3)E3=E

Dabei wurden die drei Separationskonstanten E1, E2, E3 definiert, deren Summe die Gesamtenergie E ergibt:

E=E1+E2+E3

Eindimensionale Probleme

Nun muss für jede Raumrichtung separat das eindimensionale Problem, wie oben bereits geschehen, gelöst werden:

Hiψi(xi)=Eiψi(xi)

Deren Lösung ist:

Ei,l=2π22mLi2ni,l2 ,ψi,l(xi)={2Lisin(ni,lπLixi), (0xiLi)0, (xi<0, xi>Li) ,ni

Stationäre Gesamtlösung

Die Lösung des dreidimensionalen Kastens ist für die Gesamtwellenfunktion das Produkt der eindimensionalen Wellenfunktionen

ψl1,l2,l3(r)=ψ1(x1)ψ2(x2)ψ3(x3)={8L1L2L3sin(n1,l1πL1x1)sin(n2,l2πL2x2)sin(n3,l3πL3x3),0x1L1, 0x2L2, 0x3L30,sonst

und für die Gesamtenergie die Summe der eindimensionalen Energieeigenwerte:

El1,l2,l3=E1,l1+E2,l2+E3,l3=2π22m(n1,l12L12+n2,l22L22+n3,l32L32) ,n1,n2,n3

Entartung

Die Energieeigenwerte können entartet sein, d. h. unterschiedliche Wellenfunktionen besitzen dieselbe Energie. Das bedeutet für den dreidimensionalen Kasten, dass unterschiedliche Quantenzahlen n1,n2,n3 zu derselben Summe n12L12+n22L22+n32L32 führen.

Zum Beispiel treten für den Spezialfall des Würfels, also L1=L2=L3, Entartungen auf. Die Energie ist gegeben durch:

E=2π22mL2(n12+n22+n32) ,n1,n2,n3

Für Entartung müssen unterschiedliche Quantenzahlen n1,n2,n3 zu derselben Summe n12+n22+n32 führen.

Der niedrigste Energiewert ist nicht entartet (= einfach entartet) n1=n2=n3=1 somit n12+n22+n32=3 und E=32π22mL2.

Der nächsthöhere Energiewert ist bereits dreifach entartet: (n1,n2,n3)=(2,1,1),(1,2,1),(1,1,2) somit n12+n22+n32=6 und E=62π22mL2.

Es können auch höhere Entartungen als dreifach auftreten, z. B. 4-fach (n1,n2,n3)=(3,3,3),(5,1,1),(1,5,1),(1,1,5) somit n12+n22+n32=27 und E=272π22mL2.

Dreidimensionaler Fall (Kugel)

Für den dreidimensionalen kugelförmigen Kasten mit Radius L ist es sinnvoll, den Hamiltonoperator in Kugelkoordinaten darzustellen:

H=22m(1r2r(r2r)+1r2sinϑϑ(sinϑϑ)+1r2sin2ϑ2φ2)+V

Dabei ist das Potential

V(r)={0(0rL)(r>L)

Separationsansatz

Ebenso wie beim Wasserstoffatom kann man die Schrödinger-Gleichung in zwei unabhängige Gleichungen separieren, wobei die Wellenfunktion sich aus Produkt einer radiusabhängigen Funktion Rnl(r) und den Kugelflächenfunktionen Ylm(ϑ,φ) ergibt:

Ψnlm(r,ϑ,φ)=Rnl(r)Ylm(ϑ,φ)

Dabei ist auch hier n die Haupt- oder Energiequantenzahl, l die Drehimpulsquantenzahl und m die magnetische Quantenzahl.

Für die radiusabhängige Funktion bleibt noch folgende radiale Schrödingergleichung (wobei V = 0 innerhalb des Kastens berücksichtigt wurde):

22m(1r2r(r2r))R(r)AR(r)=ER(r)

A ergibt sich durch Lösung der winkelabhängigen Schrödingergleichung zu:

A=22ml(l+1)r2

Kugelsymmetrische Lösungen

Zunächst sei nur der einfache Fall l=0 betrachtet (s-artige Wellenfunktionen). Damit verschwindet der Term AR(r) aus der radialen Schrödingergleichung.

Zusätzlich sei u(r)=rR(r) gesetzt. Es folgt:

R(r)=u(r)r;rR(r)=1rru(r)u(r)r2;
r2rR(r)=rru(r)u(r);
r(r2r)R(r)=r(rru(r)u(r))=ru(r)+r2r2u(r)ru(r)=r2r2u(r);
1r2r(r2r)R(r)=1r2u(r)r2.

Damit vereinfacht sich die radiale Schrödingergleichung zu:

22m2r2u(r)=Eu(r)

Wie direkt ersichtlich ist, ist der Lösungsansatz für u(r) der Gleiche wie beim Teilchen im linearen Kasten: u(r)=asin(kr)+bcos(kr) bzw.

R(r)=asin(kr)+bcos(kr)r

Da das Potential im Ursprung stetig ist, darf die Wellenfunktion dort nicht singulär werden, sodass der cos-Term wegfällt. Außerdem gilt die Randbedingung R(L)=0 wegen der Stetigkeit der Wellenfunktion. Daraus folgt für k:

k=nπL

Einsetzen von u(r) in die radiale Schrödingergleichung liefert:

22m2r2(asin(nπLr))=En0u(r),

woraus sich die Energieeigenwerte Enl mit l=0 bestimmen lassen.

Zusammengefasst: Für l=0 (kugelsymmetrische Lösungen) ergeben sich die Wellenfunktionen Rn0 mit der Normierungskonstante a und den Energieeigenwerten En0 zu:

Rn0(r)=asin(nπLr)r
En0=n2h28mL2

Nicht-kugelsymmetrische Lösung

Für l>0 ist die Lösung der Schrödingergleichung erheblich komplizierter. Für Rnl(r) ergeben sich sphärische Bessel-Funktionen jl, die mit den normalen Bessel-Funktionen Jl folgendermaßen zusammenhängen:[1]

jl(r)=π2rJl+1/2(r).

Enl hängt wegen der Randbedingung Rnl(L)=0 quadratisch von der jeweils n-ten Nullstelle xnl dieser Funktionen ab:

Enl=xnl222mL2,

wobei die xnl nicht analytisch zu bestimmen sind.

Modell für konjugierte Systeme

Das Teilchen im Kasten kann als einfaches Modell für ein konjugiertes Molekül, z. B. Hexatrien, verwendet werden, um dessen Energie abzuschätzen. Man nimmt an, dass sich die Elektronen in einem konjugierten Molekül in diesem frei bewegen können, aber es nicht verlassen können. Man addiert formal ein halbes Atom an jedem Ende des Moleküls. Die Länge dieses Teilchens entspricht dann dem Kasten, in dem sich das Elektron befindet.

Beispiele

Ein Beispiel aus der Kristallographie ist das Farbzentrum, bei denen ein Elektron in einer Anionen-Leerstelle eingesperrt ist und das sich in guter Näherung als ein Teilchen im Kasten beschreiben lässt. Auch die Farbigkeit von Farbstoffen mit linearen konjugierten Pi-Systemen lässt sich erfassen, indem man das Pi-System als eindimensionales Teilchen im Kastenproblem betrachtet.

Siehe auch

Literatur

  • B. H. Bransden, C. J. Joachain: Quantum mechanics, 2nd. Auflage, Pearson Education, Essex 2000, ISBN 0-582-35691-1.
  • John H. Davies: The Physics of Low-Dimensional Semiconductors: An Introduction, 6th reprint. Auflage, Cambridge University Press, 2006, ISBN 0-521-48491-X.
  • David J. Griffiths: Introduction to Quantum Mechanics, 2nd. Auflage, Prentice Hall, 2004, ISBN 0-13-111892-7.
Commons: 1D infinite square wells – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Abramowitz and Stegun: Page 437.