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Das Kraft- oder Drehmoment: Grammatik korrigiert
 
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== Formen und Ausprägungen ==
== Formen und Ausprägungen ==
=== Geschichte und Entwicklung ===
=== Geschichte und Entwicklung ===
Das Konzept von Momenten hat seinen Ursprung in der Betrachtung von Kräftegleichgewichten bei Waagen. [[Franciscus Maurolicus]] (1494–1575) verwendete den Begriff „Momentum“ explizit, um die Stärke der drehenden Kraft zu beschreiben, mit der an einem Hebelarm befestigte Gewichte auf eine Waage wirken. [[Galileo Galilei]] zeigte dann 1638, dass die Stärke eines solchen „Moments des Gewichts“ dem Flächeninhalt des aus Abstand und Gewichtskraft gebildeten Rechtecks entspricht. Auf Grundlage von diesem Konzept entwickelte sich der heutige, abstraktere Begriff.<ref name="geschichte"/>
Das Konzept von Momenten hat seinen Ursprung in der Betrachtung von Kräftegleichgewichten bei Waagen. [[Franciscus Maurolicus]] (1494–1575) verwendete den Begriff „Momentum“ explizit, um die Stärke der drehenden Kraft zu beschreiben, mit der an einem Hebelarm befestigte Gewichte auf eine Waage wirken. [[Galileo Galilei]] zeigte dann 1638, dass die Stärke eines solchen „Moments des Gewichts“ dem Flächeninhalt des aus Abstand und Gewichtskraft gebildeten Rechtecks entspricht. Auf Grundlage von diesem Konzept entwickelte sich der heutige, abstraktere Begriff.<ref name="geschichte" />


=== Kontinuierliche und diskrete Verteilungen ===
=== Kontinuierliche und diskrete Verteilungen ===
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:<math>m_n=\sum_i x_i^n \alpha_i .</math>
:<math>m_n=\sum_i x_i^n \alpha_i .</math>


Das nullte Moment ist die Gesamtmasse. Das erste Moment beschreibt die Lage der Verteilung. Wenn das erste Moment durch die Gesamtmasse geteilt wird, was einer Normierung der Verteilung auf Eins entspricht, erhält man den Abstand des [[Massenmittelpunkt]]es vom Bezugspunkt. Das Moment zweiter Ordnung ist das [[Massenträgheitsmoment]] (siehe unten).<ref name="höhere Mathe"/>  
Das nullte Moment ist die Gesamtmasse. Das erste Moment beschreibt die Lage der Verteilung. Wenn das erste Moment durch die Gesamtmasse geteilt wird, was einer Normierung der Verteilung auf Eins entspricht, erhält man den Abstand des [[Massenmittelpunkt]]es vom Bezugspunkt. Das Moment zweiter Ordnung ist das [[Massenträgheitsmoment]] (siehe unten).<ref name="höhere Mathe" />


Auf gleiche Art und Weise lässt sich ein Moment für kontinuierlichen Verteilungen definieren. Hier besteht die Verteilung nicht aus einzelnen Massepunkten, sondern einem [[Starrer Körper|Körper]] mit kontinuierlicher Massenverteilung. Diese Verteilung wird durch ihre Dichtefunktion (Masse pro Längeneinheit) <math>\rho(x)</math> charakterisiert. Die Momente der Verteilung erhält man durch Integration:
Auf gleiche Art und Weise lässt sich ein Moment für kontinuierlichen Verteilungen definieren. Hier besteht die Verteilung nicht aus einzelnen Massepunkten, sondern einem [[Starrer Körper|Körper]] mit kontinuierlicher Massenverteilung. Diese Verteilung wird durch ihre Dichtefunktion (Masse pro Längeneinheit) <math>\rho(x)</math> charakterisiert. Die Momente der Verteilung erhält man durch Integration:
:<math>m_n=\int_\Bbb R x^n \rho(x)\, \mathrm d x .</math>
:<math>m_n=\int_\mathbb R x^n \rho(x)\, \mathrm d x .</math>


Mithilfe des [[Lebesgue-Integral]]s lassen sich beide Definitionen zusammenfassen, um Momente für allgemeinere, durch ein [[Maß (Mathematik)|Maß]] <math>\mu</math> gegebene Verteilungen zu definieren:
Mithilfe des [[Lebesgue-Integral]]s lassen sich beide Definitionen zusammenfassen, um Momente für allgemeinere, durch ein [[Maß (Mathematik)|Maß]] <math>\mu</math> gegebene Verteilungen zu definieren:
:<math>m_n=\int_\Bbb R x^n \mathrm d \mu(x) .</math>
:<math>m_n=\int_\mathbb R x^n \mathrm d \mu(x) .</math>


Anstelle von Massenverteilungen lassen sich Verteilungen beliebiger anderer Größen, beispielsweise Wahrscheinlichkeiten betrachten. Ist <math>X</math> eine [[Zufallsvariable]] mit [[Wahrscheinlichkeitsverteilung]] <math>\mu</math>, so ist das <math>n</math>-te Moment der [[Erwartungswert]] von <math>X^n</math>. Das zentrierte zweite Moment (siehe unten) ist die [[Varianz (Stochastik)|Varianz]]. Die Variable <math>x</math>, die sich als Abweichung oder Abstand interpretieren lässt, kann statt aus <math> \Bbb R</math> auch aus <math>\Bbb R^d</math> oder <math>\Bbb C</math> gewählt werden.<ref name="memoirs" />
Anstelle von Massenverteilungen lassen sich Verteilungen beliebiger anderer Größen, beispielsweise Wahrscheinlichkeiten betrachten. Ist <math>X</math> eine [[Zufallsvariable]] mit [[Wahrscheinlichkeitsverteilung]] <math>\mu</math>, so ist das <math>n</math>-te Moment der [[Erwartungswert]] von <math>X^n</math>. Das zentrierte zweite Moment (siehe unten) ist die [[Varianz (Stochastik)|Varianz]]. Die Variable <math>x</math>, die sich als Abweichung oder Abstand interpretieren lässt, kann statt aus <math> \mathbb R</math> auch aus <math>\mathbb R^d</math> oder <math>\mathbb C</math> gewählt werden.<ref name="memoirs" />


=== Momente in mehreren Dimensionen ===
=== Momente in mehreren Dimensionen ===
Bei Momenten in mehreren Dimensionen müssen die Komponenten in Richtung der [[Basis (Vektorraum)|Basisvektoren]] einzeln potenziert werden. So ergibt sich in zwei Dimensionen für das Moment ''p+q''-ter Ordnung:  
Bei Momenten in mehreren Dimensionen müssen die Komponenten in Richtung der [[Basis (Vektorraum)|Basisvektoren]] einzeln potenziert werden. So ergibt sich in zwei Dimensionen für das Moment ''p+q''-ter Ordnung:
:<math>m_{p+q}=\int x^p y^q \mathrm d \mu(x,y)</math>
:<math>m_{p+q}=\int x^p y^q \mathrm d \mu(x,y)</math>
Ein solches Moment ist somit abhängig von der Wahl der Basis sowie den einzelnen Potenzen ''p'' und ''q''. Beispielsweise bei der Berechnung von [[Flächenmoment]]en (<math>\rho= 1</math>) werden in kartesischen Koordinaten ''axiale'' und ''gemischte'' Momente unterschieden. Bei axialen Momenten sind die Potenzen bis auf eine Richtung Null (z.&nbsp;B. ''p''&nbsp;=&nbsp;2, ''q''&nbsp;=&nbsp;0). Bei gemischten Momenten, auch Kreuz- oder Verbundmomente genannt, tragen Faktoren unterschiedlicher Richtungen bei (z.&nbsp;B. ''p''&nbsp;=&nbsp;1, ''q''&nbsp;=&nbsp;1).<ref name="Läpple"/><ref>[http://homepages.inf.ed.ac.uk/rbf/CVonline/LOCAL_COPIES/OWENS/LECT2/node3.html Analysis of Binary Images], University of Edinburgh</ref> Gemischte Momente sind die [[Deviationsmoment]]e eines [[Trägheitstensor]]s oder die [[Kovarianz (Stochastik)|Kovarianz]] von Zufallsvariablen.
Ein solches Moment ist somit abhängig von der Wahl der Basis sowie den einzelnen Potenzen ''p'' und ''q''. Beispielsweise bei der Berechnung von [[Flächenmoment]]en (<math>\rho= 1</math>) werden in kartesischen Koordinaten ''axiale'' und ''gemischte'' Momente unterschieden. Bei axialen Momenten sind die Potenzen bis auf eine Richtung Null (z.&nbsp;B. ''p''&nbsp;=&nbsp;2, ''q''&nbsp;=&nbsp;0). Bei gemischten Momenten, auch Kreuz- oder Verbundmomente genannt, tragen Faktoren unterschiedlicher Richtungen bei (z.&nbsp;B. ''p''&nbsp;=&nbsp;1, ''q''&nbsp;=&nbsp;1).<ref name="Läpple" /><ref>[http://homepages.inf.ed.ac.uk/rbf/CVonline/LOCAL_COPIES/OWENS/LECT2/node3.html Analysis of Binary Images], University of Edinburgh</ref> Gemischte Momente sind die [[Deviationsmoment]]e eines [[Trägheitstensor]]s oder die [[Kovarianz (Stochastik)|Kovarianz]] von Zufallsvariablen.


Bei den ''polaren'' Momenten werden nicht Achsabstände, sondern der Abstand <math>r</math> zum Ursprung, also die Radialkomponente in [[Polarkoordinaten]] potenziert.
Bei den ''polaren'' Momenten werden nicht Achsabstände, sondern der Abstand <math>r</math> zum Ursprung, also die Radialkomponente in [[Polarkoordinaten]] potenziert.


=== Wechsel des Bezugspunktes und zentrierte Momente ===
=== Wechsel des Bezugspunktes und zentrierte Momente ===
Momente vom Grad größer als Null sind im Allgemeinen von der Lage des Bezugspunktes abhängig. Zwei Momente lassen sich nur sinnvoll addieren, wenn sie sich auf den gleichen Punkt beziehen.  
Momente vom Grad größer als Null sind im Allgemeinen von der Lage des Bezugspunktes abhängig. Zwei Momente lassen sich nur sinnvoll addieren, wenn sie sich auf den gleichen Punkt beziehen.


Aus dem Moment <math>m_1</math> ersten Grades, das sich auf den Ursprung des Koordinatensystems bezieht kann wie folgt ein Moment <math>m_1'</math>, bezogen auf <math>x'</math>, berechnet werden, wobei <math>m_0</math> das nullte Moment ist:
Aus dem Moment <math>m_1</math> ersten Grades, das sich auf den Ursprung des Koordinatensystems bezieht kann wie folgt ein Moment <math>m_1'</math>, bezogen auf <math>x'</math>, berechnet werden, wobei <math>m_0</math> das nullte Moment ist:
:<math>m_1'
:<math>m_1'
   = \int_\Bbb R (x-x') \rho(x)\, \mathrm d x  
   = \int_\mathbb R (x-x') \rho(x)\, \mathrm d x
   = \int_\Bbb R x \rho(x)\, \mathrm d x - x' \int_\Bbb R \rho(x)\, \mathrm d x  
   = \int_\mathbb R x \rho(x)\, \mathrm d x - x' \int_\mathbb R \rho(x)\, \mathrm d x
   = m_1 - x' m_0  
   = m_1 - x' m_0
</math>
</math>
Der zusätzliche Term <math>x' m_0</math> wird auch als [[Versatzmoment]] bezeichnet. Allgemein lässt sich mit dem [[Binomischer Lehrsatz|binomischen Lehrsatz]] für die Umrechnung von einem Moment <math>m_n</math> vom Grad ''n'' in ein Moment <math>m_n'</math> bezogen auf den um <math>x'</math> verschobenen Ursprung zeigen, dass
Der zusätzliche Term <math>x' m_0</math> wird auch als [[Versatzmoment]] bezeichnet. Allgemein lässt sich mit dem [[Binomischer Lehrsatz|binomischen Lehrsatz]] für die Umrechnung von einem Moment <math>m_n</math> vom Grad ''n'' in ein Moment <math>m_n'</math> bezogen auf den um <math>x'</math> verschobenen Ursprung zeigen, dass
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Um Vergleichbarkeit herzustellen, wird der Bezugspunkt häufig so gewählt, dass das erste Moment Null ist. Ein solches Moment wird zentral oder zentriert genannt. Es bezieht sich dann auf den Mittelpunkt der Verteilung, beispielsweise den Erwartungswert oder Schwerpunkt. Das ''n''-te zentrierte Moment berechnet sich durch
Um Vergleichbarkeit herzustellen, wird der Bezugspunkt häufig so gewählt, dass das erste Moment Null ist. Ein solches Moment wird zentral oder zentriert genannt. Es bezieht sich dann auf den Mittelpunkt der Verteilung, beispielsweise den Erwartungswert oder Schwerpunkt. Das ''n''-te zentrierte Moment berechnet sich durch
:<math>\bar m_n=\int_\Bbb R \left(x-\frac{m_1}{m_0}\right)^n \rho(x) \,\mathrm d x ,</math>
:<math>\bar m_n=\int_\mathbb R \left(x-\frac{m_1}{m_0}\right)^n \rho(x) \,\mathrm d x ,</math>
wobei <math>m_0</math> das nullte Moment und <math>m_1</math> das erste (nicht zentrierte) Moment bedeutet.
wobei <math>m_0</math> das nullte Moment und <math>m_1</math> das erste (nicht zentrierte) Moment bedeutet.


=== Momente von Vektorfeldern ===
=== Momente von Vektorfeldern ===
[[Datei:Torquemoment.svg|mini|Vektorielle Berechnung eines Moments. Die Richtung des Moments zeigt senkrecht aus der Papierebene heraus.]]
[[Datei:Torquemoment.svg|mini|Vektorielle Berechnung eines Moments. Die Richtung des Moments zeigt senkrecht aus der Papierebene heraus.]]
In der Physik gibt es häufig vektorwertige [[Physikalische Größe|Größen]]. Sie haben neben ihrem Betrag auch eine Richtung. Einer Verteilung einer vektorwertigen Größe im Raum, also einem [[Vektorfeld]] <math>\vec \rho (\vec r)</math>, lassen sich ebenfalls Momente zuordnen. Eine solche Größe ist beispielsweise das [[Drehmoment]] (<math>\vec\rho</math> ist hierbei die [[Kraft]]-Verteilung), das [[Magnetisches Moment|magnetische Moment]] (<math>\vec\rho</math> ist hierbei  die [[Elektrische Stromdichte|Stromdichte]]-Verteilung) oder der [[Drehimpuls]] (früher auch Impulsmoment genannt, <math>\vec \rho</math> ist hierbei  die [[Impuls]]-Verteilung).  
In der Physik gibt es häufig vektorwertige [[Physikalische Größe|Größen]]. Sie haben neben ihrem Betrag auch eine Richtung. Einer Verteilung einer vektorwertigen Größe im Raum, also einem [[Vektorfeld]] <math>\vec \rho (\vec r)</math>, lassen sich ebenfalls Momente zuordnen. Eine solche Größe ist beispielsweise das [[Drehmoment]] (<math>\vec\rho</math> ist hierbei die [[Kraft]]-Verteilung), das [[Magnetisches Moment|magnetische Moment]] (<math>\vec\rho</math> ist hierbei  die [[Elektrische Stromdichte|Stromdichte]]-Verteilung) oder der [[Drehimpuls]] (früher auch Impulsmoment genannt, <math>\vec \rho</math> ist hierbei  die [[Impuls]]-Verteilung).


Für ein Vektorfeld <math>\vec \rho (\vec r)</math> ist das Moment erster Ordnung ein Vektor, der durch das Integral über das [[Kreuzprodukt]] <math>\vec r \times \vec \rho(\vec r )</math> gegeben ist:  
Für ein Vektorfeld <math>\vec \rho (\vec r)</math> ist das Moment erster Ordnung ein Vektor, der durch das Integral über das [[Kreuzprodukt]] <math>\vec r \times \vec \rho(\vec r )</math> gegeben ist:
:<math>\vec m_1=\int \vec r \times \vec \rho(\vec r)  \,\mathrm d^3 r</math>
:<math>\vec m_1=\int \vec r \times \vec \rho(\vec r)  \,\mathrm d^3 r</math>


Wenn die Komponente eines Moments bezüglich einer bestimmten Richtung zu berechnen ist, sind immer nur die Anteile der Vektoren des Vektorfelds zu verwenden, die orthogonal zu dieser Richtung sind. Wählt man ein [[kartesisches Koordinatensystem]], so ist beispielsweise die ''z''-Komponente des Moments durch die „Dichten“ <math>\rho_x(\vec r)</math> und <math>\rho_y(\vec r)</math> zu berechnen.  
Wenn die Komponente eines Moments bezüglich einer bestimmten Richtung zu berechnen ist, sind immer nur die Anteile der Vektoren des Vektorfelds zu verwenden, die orthogonal zu dieser Richtung sind. Wählt man ein [[kartesisches Koordinatensystem]], so ist beispielsweise die ''z''-Komponente des Moments durch die „Dichten“ <math>\rho_x(\vec r)</math> und <math>\rho_y(\vec r)</math> zu berechnen.
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, es ist also ein [[gebundener Vektor]].<ref>{{Literatur|Autor=Kurt Magnus, Hans H. Müller-Slany|Titel=Grundlagen der Technischen Mechanik|Verlag=Vieweg+Teubner|Jahr=2005|ISBN=3-8351-0007-6|Seiten=25|Online={{Google Buch|BuchID=_o2aRSpxEx8C|Seite=25}}}}</ref>  
, es ist also ein [[gebundener Vektor]].<ref>{{Literatur|Autor=Kurt Magnus, Hans H. Müller-Slany|Titel=Grundlagen der Technischen Mechanik|Verlag=Vieweg+Teubner|Jahr=2005|ISBN=3-8351-0007-6|Seiten=25|Online={{Google Buch|BuchID=_o2aRSpxEx8C|Seite=25}}}}</ref>
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=== Trigonometrische Momente ===
=== Trigonometrische Momente ===
Hat <math>\mu</math> lediglich eine Winkelabhängigkeit, so lässt sich ein trigonometrisches Moment definieren.<ref name="fisher"/> Dazu wählt man <math>x=e^{\mathrm i\theta}</math> aus den komplexen Zahlen und erhält
Hat <math>\mu</math> lediglich eine Winkelabhängigkeit, so lässt sich ein trigonometrisches Moment definieren.<ref name="fisher" /> Dazu wählt man <math>x=e^{\mathrm i\theta}</math> aus den komplexen Zahlen und erhält
:<math>m_n=\int_0^{2\pi} e^{\mathrm i \theta n} \mathrm d \mu(\theta)</math>
:<math>m_n=\int_0^{2\pi} e^{\mathrm i \theta n} \mathrm d \mu(\theta)</math>


== Momentenproblem ==
== Momentenproblem ==
Das Momentenproblem ist ein klassisches Problem der Analysis. Statt aus einer Verteilung die Momente zu berechnen, sollen aus einer gegebenen [[Folge (Mathematik)|Folge]] von Momenten <math>(m_n)</math> Rückschlüsse auf eine mögliche Verteilung <math>\mu</math> gezogen werden. Die Bezeichnung Momentenproblem wurde von [[Thomas Jean Stieltjes]] eingeführt, der das Problem 1894 erstmals ausführlich untersuchte und dabei die Bezeichnungen und Konzepte aus der Mechanik übernahm.<ref name="stieltjes"/><ref name="gene"/><ref name="shohat"/>
{{Hauptartikel| Momentenproblem}}
 
Das Momentenproblem ist ein klassisches Problem der Analysis. Statt aus einer Verteilung die Momente zu berechnen, sollen aus einer gegebenen [[Folge (Mathematik)|Folge]] von Momenten <math>(m_n)</math> Rückschlüsse auf eine mögliche Verteilung <math>\mu</math> gezogen werden.
Je nach [[Träger (Mathematik)|Träger]] der Verteilung (das ist das [[Komplement (Mengenlehre)|Komplement]] der größten [[Offene Menge|offenen]] Menge vom Maß null), werden unterschiedliche Varianten des Momentenproblems unterschieden: Beim ''Hamburger Momentenproblem'' ist der Träger die gesamte reelle Achse (-∞,∞), beim ''Stieltjes-Momentenproblem'' die Halbachse [0,∞) und beim ''Hausdorff-Momentenproblem'' ein beschränktes [[Intervall (Mathematik)|Intervall]] [[Ohne Beschränkung der Allgemeinheit|o.&nbsp;B.&nbsp;d.&nbsp;A.]] [0,1]. Eine weitere Variante ist das trigonometrische Momentenproblem, bei dem die Verteilung auf einem Einheitskreis in Abhängigkeit vom Winkel, also ein trigonometrisches Moment gesucht wird.<ref name="landau"/>
 
Ist die Folge von Momenten beschränkt, wird das Problem (engl.) ''truncated'' genannt, ist sie unbeschränkt so heißt das Problem (engl.) ''infinite''.<!-- Deutsche Übersetzung = begrenzt? beschränkt? abgeschlossen? -->


== Beispiele aus der Mechanik ==
== Beispiele aus der Mechanik ==
=== Das Kraft- oder Drehmoment ===
=== Das Kraft- oder Drehmoment ===
Das Drehmoment ist das Produkt aus Kraft und Hebelarm. Es ist das in der Technik am häufigsten vorkommende Moment. Das Wort ''Moment'' wird daher Vielfach als Abkürzung oder als Synonym für Drehmoment gebraucht.<ref name="Demtröder2008">{{cite book|author=Wolfgang Demtröder|title=Experimentalphysik 1: Mechanik und Wärme|url=http://books.google.com/books?id=wD453JJ6nusC&pg=PA67|accessdate=20 July 2013|date=1 May 2008|publisher=Springer DE|isbn=978-3-540-79295-6|pages=67–}}</ref><ref name="Landau1997">{{cite book|author=Lev D. Landau|title=Mechanik|url=http://books.google.com/books?id=EZfexmVHDHIC&pg=PA133|accessdate=20 July 2013|year=1997|publisher=Harri Deutsch Verlag|isbn=978-3-8171-1326-2|pages=133–}}</ref><ref>[[Taschenbuch für den Maschinenbau|Dubbel -- Taschenbuch für den Maschinenbau]], Kapitel B "Mechanik, Kinematik", Abschnitte 1.1 und 3.1</ref> Für spezielle Drehmomente werden zusammengesetzte Begriffe mit Namensteil ''-moment'', aber ohne ''Dreh-'' gebraucht. Beispiele sind:
Das Drehmoment ist das Produkt aus Kraft und Hebelarm. Es ist das in der Technik am häufigsten vorkommende Moment. Das Wort ''Moment'' wird daher vielfach als Abkürzung oder als Synonym für Drehmoment gebraucht.<ref name="Demtröder2008">{{cite book|author=Wolfgang Demtröder|title=Experimentalphysik 1: Mechanik und Wärme|url=http://books.google.com/books?id=wD453JJ6nusC&pg=PA67|accessdate=20 July 2013|date=1 May 2008|publisher=Springer DE|isbn=978-3-540-79295-6|pages=67–}}</ref><ref name="Landau1997">{{cite book|author=Lev D. Landau|title=Mechanik|url=http://books.google.com/books?id=EZfexmVHDHIC&pg=PA133|accessdate=20 July 2013|year=1997|publisher=Harri Deutsch Verlag|isbn=978-3-8171-1326-2|pages=133–}}</ref><ref>[[Taschenbuch für den Maschinenbau|Dubbel -- Taschenbuch für den Maschinenbau]], Kapitel B "Mechanik, Kinematik", Abschnitte 1.1 und 3.1</ref> Für spezielle Drehmomente werden zusammengesetzte Begriffe mit Namensteil ''-moment'', aber ohne ''Dreh-'' gebraucht. Beispiele sind:
* [[Antriebsmoment]],
* [[Antriebsmoment]],
* [[Lastmoment]],
* [[Lastmoment]],
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* [[Torsionsmoment]].
* [[Torsionsmoment]].


Wirken mehrere Kräfte, so lassen sich diese zu einem Drehmoment oder einer resultierenden Kraft mit resultierendem Hebelarm zusammenfassen.<ref name="papula" /> Auch linear (Linienkraft) oder flächig (Flächendruck) verteilte Kräfte lassen sich so zusammenfassen.
Wirken mehrere Kräfte, so lassen sich diese zu einem Drehmoment oder einer resultierenden Kraft mit resultierendem Hebelarm zusammenfassen.<ref name="papula" /> Auch linear (Linienkraft) oder flächig ([[Flächendruck]]) verteilte Kräfte lassen sich so zusammenfassen.


=== Flächenmoment ===
=== Flächenmoment ===
Ebenfalls häufig verwendete Momente sind die [[Flächenmoment]]e. Um ein Flächenmoment der Fläche <math>A\subset \Bbb R^2</math> zu bestimmen, wählt man für <math>\rho</math> die [[Charakteristische Funktion (Mathematik)|charakteristische Funktion]] der Fläche
Ebenfalls häufig verwendete Momente sind die [[Flächenmoment]]e. Um ein Flächenmoment der Fläche <math>A\subset \mathbb R^2</math> zu bestimmen, wählt man für <math>\rho</math> die [[Indikatorfunktion|charakteristische Funktion]] der Fläche
:<math>\rho\colon \Bbb R^2\to \{0,1\},\ r\mapsto  
:<math>\rho\colon \mathbb R^2\to \{0,1\},\ r\mapsto
\begin{cases}
\begin{cases}
   1, & \text{falls } r \in A \\
   1, & \text{falls } r \in A \\
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=== Massenträgheitsmoment ===
=== Massenträgheitsmoment ===
[[Datei:Zylinderkoordinaten.PNG|mini|Zylinder]]
[[Datei:Zylinderkoordinaten.PNG|mini|Zylinder]]
Das (Massen-) [[Trägheitsmoment]] <math>J</math> eines Körpers ist auf eine bestimmte Rotationsachse bezogen. Es gibt an, wie stark sich der Körper einer Drehbeschleunigung widersetzt. Das Trägheitsmoment ist ein Moment zweiten Gerades in [[Zylinderkoordinaten]], bei dem der Abstand zur Rotationsachse <math>r</math> quadriert wird. Es berechnet sich durch Integration über eine Massenverteilung <math>\mathrm d \mu=\rho \ \mathrm d V</math>, wobei <math>\rho</math> die [[Dichte (Physik)|Massendichte]] (Masse pro Volumen) des Volumenelementes <math>\mathrm d V</math> ist.
Das (Massen-)[[Trägheitsmoment]] <math>J</math> eines Körpers ist auf eine bestimmte Rotationsachse bezogen. Es gibt an, wie stark sich der Körper einer Drehbeschleunigung widersetzt. Das Trägheitsmoment ist ein Moment zweiten Gerades in [[Zylinderkoordinaten]], bei dem der Abstand zur Rotationsachse <math>r</math> quadriert wird. Es berechnet sich durch Integration über eine Massenverteilung <math>\mathrm d \mu=\rho \ \mathrm d V</math>, wobei <math>\rho</math> die [[Dichte (Physik)|Massendichte]] (Masse pro Volumen) des Volumenelementes <math>\mathrm d V</math> ist.


Als Beispiel wird ein [[Homogenität|homogener]] Zylinder mit konstanter Dichte <math>\rho_0</math>, Durchmesser <math>R</math>, Höhe <math>h</math> und der Masse <math>m_Z=\rho_0 \pi R^2 h</math> betrachtet. Das Trägheitsmoment dieses Zylinders für eine Rotation um die ''z''-Achse ist dann gegeben durch das Integral:
Als Beispiel wird ein [[Homogenität|homogener]] Zylinder mit konstanter Dichte <math>\rho_0</math>, Radius <math>R</math>, Höhe <math>h</math> und der Masse <math>m_Z=\rho_0 \pi R^2 h</math> betrachtet. Das Trägheitsmoment dieses Zylinders für eine Rotation um die ''z''-Achse ist dann gegeben durch das Integral:


:<math>J = \int_{\Bbb R^3} \mathrm d V \; r^2 \rho(r,\phi,z) =\rho_0 \int_0^{2\pi}\mathrm d \phi \int_0^h \mathrm d z \int_0^R \mathrm d r\; r^3= \frac{\rho_0 \pi h R^4}{2} = \frac{1}{2} m_Z R^2</math>
:<math>J = \int_{\mathbb R^3} \mathrm d V \; r^2 \rho(r,\phi,z) =\rho_0 \int_0^{2\pi}\mathrm d \phi \int_0^h \mathrm d z \int_0^R \mathrm d r\; r^3= \frac{\rho_0 \pi h R^4}{2} = \frac{1}{2} m_Z R^2</math>


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
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<ref name="memoirs">
<ref name="memoirs">
{{Literatur
{{Literatur
  | Autor=Palle E. T. Jørgensen, Keri A. Kornelson, Karen L. Shuman
  |Autor=Palle E. T. Jørgensen, Keri A. Kornelson, Karen L. Shuman
  | Titel=Iterated Function Systems, Moments, and Transformations of Infinite Matrices
  |Titel=Iterated Function Systems, Moments, and Transformations of Infinite Matrices Memoirs of the American Mathematical Society
Memoirs of the American Mathematical Society
  |Verlag=American Mathematical Society
  | Verlag=American Mathematical Society
  |Datum=2011
  | Jahr=2011
  |ISBN=0-8218-8248-1
  | ISBN=0-8218-8248-1
  |Seiten=2
  | Seiten=2
  |Online={{Google Buch|BuchID=AeIK6GRGo7UC|Seite=2|Hervorhebung=Moments}}}}
  | Online={{Google Buch|BuchID=AeIK6GRGo7UC|Seite=2|Hervorhebung=Moments}}
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<ref name="höhere Mathe">
<ref name="höhere Mathe">
{{Literatur
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  | Autor=Vladimir I. Smirnov
  |Autor=Vladimir I. Smirnov
  | Titel=Lehrgang der höheren Mathematik Teil 2
  |Titel=Lehrgang der höheren Mathematik Teil 2
  | Verlag=Harri Deutsch Verlag
  |Verlag=Harri Deutsch Verlag
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  | Autor=Volker Läpple
  |Autor=Volker Läpple
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  | Autor=N. I. Fisher
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{{Literatur
| Autor=Thomas Jean Stieltjes
| Titel=Recherches sur les Fractions continues
| Jahr=1894
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}}
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{{Literatur
| Autor=Gene H. Golub, Gérard Meurant
| Titel=Matrices, Moments and Quadrature with Applications
| Verlag=Princeton University Press
| Jahr=2009
| ISBN=1-4008-3388-4
| Seiten=15
| Online={{Google Buch|BuchID=IZvkFET3LlwC|Seite=15}}
}}
</ref>
<ref name="shohat">
{{Literatur
| Autor=James Alexander Shohat, Jacob David Tamarkin
| Titel=The Problem of Moments
| Verlag=American Mathematical Society
| Jahr=1943
| ISBN=0-8218-1501-6
| Seiten=vii
| Online={{Google Buch|BuchID=xGaeqjHm1okC|Seite=vii}}
}}
</ref>
<ref name="landau">
{{Literatur
| Autor=Henry J. Landau
| Titel=Moments in Mathematics
| Verlag=American Mathematical Society
| Jahr=1987
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[[Kategorie:Physikalische Größe]]
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Aktuelle Version vom 7. September 2021, 17:31 Uhr

Momente sind in Naturwissenschaften und Technik Kenngrößen einer Verteilung, welche die Lage und Form dieser Verteilung beschreiben. Sie werden durch Integration über die mit einem potenzierten Abstand gewichteten Verteilung berechnet. Die Aufgabe, aus vorgegebenen Momenten Lage und Form der Verteilung zu ermitteln, heißt Momentenproblem.

Momente verschiedener Art spielen wichtige Rollen in der Stochastik, technischen Mechanik und Bildverarbeitung.

Formen und Ausprägungen

Geschichte und Entwicklung

Das Konzept von Momenten hat seinen Ursprung in der Betrachtung von Kräftegleichgewichten bei Waagen. Franciscus Maurolicus (1494–1575) verwendete den Begriff „Momentum“ explizit, um die Stärke der drehenden Kraft zu beschreiben, mit der an einem Hebelarm befestigte Gewichte auf eine Waage wirken. Galileo Galilei zeigte dann 1638, dass die Stärke eines solchen „Moments des Gewichts“ dem Flächeninhalt des aus Abstand und Gewichtskraft gebildeten Rechtecks entspricht. Auf Grundlage von diesem Konzept entwickelte sich der heutige, abstraktere Begriff.[1]

Kontinuierliche und diskrete Verteilungen

Für die Definition eines Momentes bei diskreten Verteilungen lässt sich als Beispiel eine Verteilung von Massenpunkten auf einer Linie betrachten. Bezeichnet xi den Abstand von einem Bezugspunkt und αi die Masse der i-ten Punktmasse, so ist das n-te Moment der i-ten Punktmasse das Produkt aus Masse und der n-ten Potenz des Abstandes: xinαi. Der Exponent n ist dabei eine natürliche Zahl und wird Ordnung oder Grad des Momentes genannt. Um das Moment m der gesamten Massenverteilung zu erhalten, werden die Momente aller Punktmassen addiert:

mn=ixinαi.

Das nullte Moment ist die Gesamtmasse. Das erste Moment beschreibt die Lage der Verteilung. Wenn das erste Moment durch die Gesamtmasse geteilt wird, was einer Normierung der Verteilung auf Eins entspricht, erhält man den Abstand des Massenmittelpunktes vom Bezugspunkt. Das Moment zweiter Ordnung ist das Massenträgheitsmoment (siehe unten).[2]

Auf gleiche Art und Weise lässt sich ein Moment für kontinuierlichen Verteilungen definieren. Hier besteht die Verteilung nicht aus einzelnen Massepunkten, sondern einem Körper mit kontinuierlicher Massenverteilung. Diese Verteilung wird durch ihre Dichtefunktion (Masse pro Längeneinheit) ρ(x) charakterisiert. Die Momente der Verteilung erhält man durch Integration:

mn=xnρ(x)dx.

Mithilfe des Lebesgue-Integrals lassen sich beide Definitionen zusammenfassen, um Momente für allgemeinere, durch ein Maß μ gegebene Verteilungen zu definieren:

mn=xndμ(x).

Anstelle von Massenverteilungen lassen sich Verteilungen beliebiger anderer Größen, beispielsweise Wahrscheinlichkeiten betrachten. Ist X eine Zufallsvariable mit Wahrscheinlichkeitsverteilung μ, so ist das n-te Moment der Erwartungswert von Xn. Das zentrierte zweite Moment (siehe unten) ist die Varianz. Die Variable x, die sich als Abweichung oder Abstand interpretieren lässt, kann statt aus auch aus d oder gewählt werden.[3]

Momente in mehreren Dimensionen

Bei Momenten in mehreren Dimensionen müssen die Komponenten in Richtung der Basisvektoren einzeln potenziert werden. So ergibt sich in zwei Dimensionen für das Moment p+q-ter Ordnung:

mp+q=xpyqdμ(x,y)

Ein solches Moment ist somit abhängig von der Wahl der Basis sowie den einzelnen Potenzen p und q. Beispielsweise bei der Berechnung von Flächenmomenten (ρ=1) werden in kartesischen Koordinaten axiale und gemischte Momente unterschieden. Bei axialen Momenten sind die Potenzen bis auf eine Richtung Null (z. B. p = 2, q = 0). Bei gemischten Momenten, auch Kreuz- oder Verbundmomente genannt, tragen Faktoren unterschiedlicher Richtungen bei (z. B. p = 1, q = 1).[4][5] Gemischte Momente sind die Deviationsmomente eines Trägheitstensors oder die Kovarianz von Zufallsvariablen.

Bei den polaren Momenten werden nicht Achsabstände, sondern der Abstand r zum Ursprung, also die Radialkomponente in Polarkoordinaten potenziert.

Wechsel des Bezugspunktes und zentrierte Momente

Momente vom Grad größer als Null sind im Allgemeinen von der Lage des Bezugspunktes abhängig. Zwei Momente lassen sich nur sinnvoll addieren, wenn sie sich auf den gleichen Punkt beziehen.

Aus dem Moment m1 ersten Grades, das sich auf den Ursprung des Koordinatensystems bezieht kann wie folgt ein Moment m1, bezogen auf x, berechnet werden, wobei m0 das nullte Moment ist:

m1=(xx)ρ(x)dx=xρ(x)dxxρ(x)dx=m1xm0

Der zusätzliche Term xm0 wird auch als Versatzmoment bezeichnet. Allgemein lässt sich mit dem binomischen Lehrsatz für die Umrechnung von einem Moment mn vom Grad n in ein Moment mn bezogen auf den um x verschobenen Ursprung zeigen, dass

mn=mn+k=0n1(nk)(x)nkmk

Für ein Moment zweiten Grades ist diese Relation als Steinerscher Satz und in der Stochastik als Verschiebungssatz bekannt. Wenn alle Momente mm vom Grad m<n Null sind, so ist das Moment mn unabhängig von der Wahl des Bezugspunktes. So ist beispielsweise ein Drehmoment von einem Kräftepaar unabhängig von der Wahl des Bezugspunktes, da die Summe aller Kräfte Null ist.

Um Vergleichbarkeit herzustellen, wird der Bezugspunkt häufig so gewählt, dass das erste Moment Null ist. Ein solches Moment wird zentral oder zentriert genannt. Es bezieht sich dann auf den Mittelpunkt der Verteilung, beispielsweise den Erwartungswert oder Schwerpunkt. Das n-te zentrierte Moment berechnet sich durch

m¯n=(xm1m0)nρ(x)dx,

wobei m0 das nullte Moment und m1 das erste (nicht zentrierte) Moment bedeutet.

Momente von Vektorfeldern

Datei:Torquemoment.svg
Vektorielle Berechnung eines Moments. Die Richtung des Moments zeigt senkrecht aus der Papierebene heraus.

In der Physik gibt es häufig vektorwertige Größen. Sie haben neben ihrem Betrag auch eine Richtung. Einer Verteilung einer vektorwertigen Größe im Raum, also einem Vektorfeld ρ(r), lassen sich ebenfalls Momente zuordnen. Eine solche Größe ist beispielsweise das Drehmoment (ρ ist hierbei die Kraft-Verteilung), das magnetische Moment (ρ ist hierbei die Stromdichte-Verteilung) oder der Drehimpuls (früher auch Impulsmoment genannt, ρ ist hierbei die Impuls-Verteilung).

Für ein Vektorfeld ρ(r) ist das Moment erster Ordnung ein Vektor, der durch das Integral über das Kreuzprodukt r×ρ(r) gegeben ist:

m1=r×ρ(r)d3r

Wenn die Komponente eines Moments bezüglich einer bestimmten Richtung zu berechnen ist, sind immer nur die Anteile der Vektoren des Vektorfelds zu verwenden, die orthogonal zu dieser Richtung sind. Wählt man ein kartesisches Koordinatensystem, so ist beispielsweise die z-Komponente des Moments durch die „Dichten“ ρx(r) und ρy(r) zu berechnen.

Trigonometrische Momente

Hat μ lediglich eine Winkelabhängigkeit, so lässt sich ein trigonometrisches Moment definieren.[6] Dazu wählt man x=eiθ aus den komplexen Zahlen und erhält

mn=02πeiθndμ(θ)

Momentenproblem

Das Momentenproblem ist ein klassisches Problem der Analysis. Statt aus einer Verteilung die Momente zu berechnen, sollen aus einer gegebenen Folge von Momenten (mn) Rückschlüsse auf eine mögliche Verteilung μ gezogen werden.

Beispiele aus der Mechanik

Das Kraft- oder Drehmoment

Das Drehmoment ist das Produkt aus Kraft und Hebelarm. Es ist das in der Technik am häufigsten vorkommende Moment. Das Wort Moment wird daher vielfach als Abkürzung oder als Synonym für Drehmoment gebraucht.[7][8][9] Für spezielle Drehmomente werden zusammengesetzte Begriffe mit Namensteil -moment, aber ohne Dreh- gebraucht. Beispiele sind:

Wirken mehrere Kräfte, so lassen sich diese zu einem Drehmoment oder einer resultierenden Kraft mit resultierendem Hebelarm zusammenfassen.[10] Auch linear (Linienkraft) oder flächig (Flächendruck) verteilte Kräfte lassen sich so zusammenfassen.

Flächenmoment

Ebenfalls häufig verwendete Momente sind die Flächenmomente. Um ein Flächenmoment der Fläche A2 zu bestimmen, wählt man für ρ die charakteristische Funktion der Fläche

ρ:2{0,1}, r{1,falls rA0,sonst

Das nullte Flächenmoment ist der Flächeninhalt. Teilt man die Momente durch den Flächeninhalt, erhält man als erstes Flächenmoment den Schwerpunkt der Fläche. Das zentrierte Flächenmoment zweiten Grades ist das Flächenträgheitsmoment, das als Kenngröße für Querschnitte von Balken bei deren Festigkeits- und Verformungsberechnung dient.[11]

Datei:Beispieldreieck.svg
Das Dreieck in der xy-Ebene

Als Beispiel wird ein Dreieck in der xy-Koordinatenebene betrachtet, das durch die Geraden x=4,y=0 und y=x/2 begrenzt ist. Der Flächeninhalt ist

m0,0=dxdyx0y0ρ(x,y)=04dx0x/2dy=4

Die x-Koordinate des Schwerpunkts ist

Sx=m1,0m0,0=14dxdyx1y0ρ(x,y)=1404dx0x/2dyx=83

Das axiale Flächenträgheitsmoment um die y-Achse berechnet sich aus dem Quadrat des x-Abstandes zum Schwerpunkt:

Iy=m¯2,0=04dx0x/2dy(xSx)2=329

Massenträgheitsmoment

Datei:Zylinderkoordinaten.PNG
Zylinder

Das (Massen-)Trägheitsmoment J eines Körpers ist auf eine bestimmte Rotationsachse bezogen. Es gibt an, wie stark sich der Körper einer Drehbeschleunigung widersetzt. Das Trägheitsmoment ist ein Moment zweiten Gerades in Zylinderkoordinaten, bei dem der Abstand zur Rotationsachse r quadriert wird. Es berechnet sich durch Integration über eine Massenverteilung dμ=ρ dV, wobei ρ die Massendichte (Masse pro Volumen) des Volumenelementes dV ist.

Als Beispiel wird ein homogener Zylinder mit konstanter Dichte ρ0, Radius R, Höhe h und der Masse mZ=ρ0πR2h betrachtet. Das Trägheitsmoment dieses Zylinders für eine Rotation um die z-Achse ist dann gegeben durch das Integral:

J=3dVr2ρ(r,ϕ,z)=ρ002πdϕ0hdz0Rdrr3=ρ0πhR42=12mZR2

Einzelnachweise

  1. John J. Roche: The Mathematics of Measurement: A Critical History. Springer, 1998, ISBN 0-387-91581-8, S. 98 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Vladimir I. Smirnov: Lehrgang der höheren Mathematik Teil 2. Harri Deutsch Verlag, 1990, ISBN 3-8171-1298-X, S. 198 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Palle E. T. Jørgensen, Keri A. Kornelson, Karen L. Shuman: Iterated Function Systems, Moments, and Transformations of Infinite Matrices Memoirs of the American Mathematical Society. American Mathematical Society, 2011, ISBN 0-8218-8248-1, S. 2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Volker Läpple: Einführung in die Festigkeitslehre. Springer, 2011, ISBN 3-8348-1605-1, S. 171 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Analysis of Binary Images, University of Edinburgh
  6. N. I. Fisher: Statistical Analysis of Circular Data. Cambridge University Press, 1995, ISBN 0-521-56890-0, S. 41 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Wolfgang Demtröder: Experimentalphysik 1: Mechanik und Wärme.. Springer DE, 1 May 2008, ISBN 978-3-540-79295-6, S. 67– (Zugriff am 20 July 2013).
  8. Lev D. Landau: Mechanik.. Harri Deutsch Verlag, 1997, ISBN 978-3-8171-1326-2, S. 133– (Zugriff am 20 July 2013).
  9. Dubbel -- Taschenbuch für den Maschinenbau, Kapitel B "Mechanik, Kinematik", Abschnitte 1.1 und 3.1
  10. Lothar Papula: Mathematik für Ingenieure und Naturwissenschaftler 1. 2007, ISBN 978-3-8348-0224-8, S. 536 (Statisches Moment einer Kraft).
  11. Wolfgang Brauch, Hans-Joachim Dreyer, Wolfhart Haacke: Mathematik für Ingenieure. 11. Auflage. Teubner, 2006, ISBN 3-8351-0073-4, S. 372 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).