Telegraphengleichung: Unterschied zwischen den Versionen

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== Allgemeines ==
== Allgemeines ==
Die Telegraphengleichung ist eine [[partielle Differentialgleichung]] (bei <math>a > 0</math> hyperbolisch, bei <math>a < 0</math> elliptisch und bei <math>a = 0</math> parabolisch) und lautet in der allgemeinen Form
Die Telegraphengleichung ist eine [[partielle Differentialgleichung]] (bei <math>a > 0</math> hyperbolisch, bei <math>a < 0</math> elliptisch und bei <math>a = 0</math> parabolisch) und lautet in der allgemeinen Form:


:<math>\Delta \vec F = a \cdot \frac{\partial^2 \vec F}{\partial t^2}+b \cdot \frac{\partial \vec F}{\partial t} + c \cdot \frac{\partial \vec F}{\partial x}+d \cdot \vec F</math>.
:<math>\Delta \vec F = a \cdot \frac{\partial^2 \vec F}{\partial t^2}+b \cdot \frac{\partial \vec F}{\partial t} + c \cdot \frac{\partial \vec F}{\partial x}+d \cdot \vec F</math>.


Dabei ist <math>\Delta \vec F</math> der [[Laplace-Operator]], in einer Orts-Dimension also <math>\Delta \vec F = \frac{\partial^2 \vec F}{\partial x^2}</math>. Die Ableitung nach x steht hier stellvertretend für die Ableitung nach Ortskoordinaten. Statt einem Vektor kann auch ein Skalar <math>F</math> stehen.
Dabei ist <math>\Delta \vec F</math> der [[Laplace-Operator]], in einer Orts-Dimension also <math>\Delta \vec F = \frac{\partial^2 \vec F}{\partial x^2}</math>. Die Ableitung nach <math>x</math> steht hier stellvertretend für die Ableitung nach Ortskoordinaten. Statt eines Vektors kann auch ein Skalar <math>F</math> stehen.


In dieser Form ist sie eine Gleichung, die viele andere lineare partielle Differentialgleichungen der Physik als Spezialfälle enthält ([[Wellengleichung]], [[Diffusionsgleichung]], [[Helmholtz-Gleichung]], [[Potentialgleichung]]).
In dieser Form ist sie eine Gleichung, die viele andere lineare partielle Differentialgleichungen der Physik als Spezialfälle enthält ([[Wellengleichung]], [[Diffusionsgleichung]], [[Helmholtz-Gleichung]], [[Potentialgleichung]]).


==Telegraphengleichung mit a>0, b>0; c=d=0==
== Telegraphengleichung mit a>0, b>0; c=d=0 ==


Die Gleichungen sind allgemein vom Typ:
Die Gleichungen sind allgemein vom Typ:
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Zum Beispiel kann man mit den [[Materialgleichungen der Elektrodynamik]] die [[Maxwellgleichungen]] in ladungsfreien Raumgebieten umschreiben zu
Zum Beispiel kann man mit den [[Materialgleichungen der Elektrodynamik]] die [[Maxwellgleichungen]] in ladungsfreien Raumgebieten umschreiben zu


:<math> \Delta \vec E = \frac{ \mu \epsilon}{c^2} \frac{ \partial ^2 \vec E}{\partial t^2} + \sigma \mu_0 \mu \frac{\partial \vec E}{\partial t} </math>
:<math> \Delta \vec E = \frac{ \mu \varepsilon}{c^2} \frac{ \partial ^2 \vec E}{\partial t^2} + \sigma \mu_0 \mu \frac{\partial \vec E}{\partial t} </math>


und  
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:<math> \Delta \vec H = \frac{ \mu \epsilon}{c^2} \frac{ \partial ^2 \vec H}{\partial t^2} + \sigma \mu_0 \mu\frac{\partial \vec H}{\partial t} </math>.
:<math> \Delta \vec H = \frac{ \mu \varepsilon}{c^2} \frac{ \partial ^2 \vec H}{\partial t^2} + \sigma \mu_0 \mu\frac{\partial \vec H}{\partial t} </math>.


wobei <math>c^2=\frac {1}{\mu_0 \, \epsilon_o}</math> (c der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum) benutzt wurde.
wobei <math>c^2=\frac {1}{\mu_0 \, \varepsilon_0}</math> (c der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum) benutzt wurde.


Das sind Wellengleichungen für ein verlustbehaftetes Dielektrikum. Im Fall eines Isolators ist <math> \sigma = 0 </math> und die Maxwellgleichungen reduzieren sich zur (vektoriellen) Wellengleichung.
Das sind Wellengleichungen für ein verlustbehaftetes Dielektrikum. Im Fall eines Isolators ist <math> \sigma = 0 </math> und die Maxwellgleichungen reduzieren sich zur (vektoriellen) Wellengleichung.


==Telegraphengleichung mit a>0; b=c=d=0==
== Telegraphengleichung mit a>0; b=c=d=0 ==


Die Gleichungen sind allgemein vom Typ der Wellengleichung:
Die Gleichungen sind allgemein vom Typ der Wellengleichung:
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:<math> \Delta F = a \frac {\partial^2 F} {\partial t^2}</math>
:<math> \Delta F = a \frac {\partial^2 F} {\partial t^2}</math>


Insbesondere erhält man die ursprünglich von [[Oliver Heaviside]] eingeführten [[Leitungsgleichung|Telegraphengleichung]]en für die Spannung U und dem Strom I in einer Doppelleitung mit Induktivität L und Kapazität C (Pro Längeneinheit angegeben und im Allgemeinen ortsabhängig):
Insbesondere erhält man die ursprünglich von [[Oliver Heaviside]] eingeführten [[Leitungsgleichung|Telegraphengleichung]]en für die Spannung <math>U</math> und dem Strom <math>I</math> in einer Doppelleitung mit Induktivität <math>L</math> und Kapazität <math>C</math> (Auf die Länge bezogen und im Allgemeinen ortsabhängig):


:<math> \frac {\partial^2 U} {\partial x^2} = L\,C \frac {\partial^2 U} {\partial t^2}</math>
:<math> \frac {\partial^2 U} {\partial x^2} = L\,C \frac {\partial^2 U} {\partial t^2}</math>
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Ein weiteres Beispiel sind die oben angegebenen Wellengleichungen des elektromagnetischen Feldes im Fall keiner Verluste (<math> \sigma = 0 </math> wie im freien Raum).
Ein weiteres Beispiel sind die oben angegebenen Wellengleichungen des elektromagnetischen Feldes im Fall keiner Verluste (<math> \sigma = 0 </math> wie im freien Raum).


==Literatur==
== Literatur ==
* [[Adolf J. Schwab]]: ''Begriffswelt der Feldtheorie. Praxisnahe, anschauliche Einführung. Elektromagnetische Felder, Maxwellsche Gleichungen, Gradient, Rotation, Divergenz, Finite Elemente, Finite Differenzen, Ersatzladungsverfahren, Boundary-Element-Methode, Momentenmethode, Monte-Carlo-Verfahren.'' 6. unveränderte Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-42018-5.
* [[Adolf J. Schwab]]: ''Begriffswelt der Feldtheorie. Praxisnahe, anschauliche Einführung. Elektromagnetische Felder, Maxwellsche Gleichungen, Gradient, Rotation, Divergenz, Finite Elemente, Finite Differenzen, Ersatzladungsverfahren, Boundary-Element-Methode, Momentenmethode, Monte-Carlo-Verfahren.'' 6. unveränderte Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-42018-5.
==Weblinks==
== Weblinks ==
*[http://www.spektrum.de/lexikon/physik/telegraphengleichung/14363 Telegraphengleichung, Lexikon der Physik, Spektrum Verlag]
* [https://www.spektrum.de/lexikon/physik/telegraphengleichung/14363 Telegraphengleichung, Lexikon der Physik, Spektrum Verlag]


[[Kategorie:Elektrodynamik]]
[[Kategorie:Elektrodynamik]]
[[Kategorie:Theoretische Elektrotechnik]]
[[Kategorie:Theoretische Elektrotechnik]]
[[Kategorie:Partielle Differentialgleichung]]
[[Kategorie:Partielle Differentialgleichung]]

Aktuelle Version vom 16. Februar 2021, 20:01 Uhr

Die Telegraphengleichung ist eine allgemeine Form der Wellengleichung. Sie ist eine partielle Differentialgleichung 2. Ordnung.

Allgemeines

Die Telegraphengleichung ist eine partielle Differentialgleichung (bei a>0 hyperbolisch, bei a<0 elliptisch und bei a=0 parabolisch) und lautet in der allgemeinen Form:

ΔF=a2Ft2+bFt+cFx+dF.

Dabei ist ΔF der Laplace-Operator, in einer Orts-Dimension also ΔF=2Fx2. Die Ableitung nach x steht hier stellvertretend für die Ableitung nach Ortskoordinaten. Statt eines Vektors kann auch ein Skalar F stehen.

In dieser Form ist sie eine Gleichung, die viele andere lineare partielle Differentialgleichungen der Physik als Spezialfälle enthält (Wellengleichung, Diffusionsgleichung, Helmholtz-Gleichung, Potentialgleichung).

Telegraphengleichung mit a>0, b>0; c=d=0

Die Gleichungen sind allgemein vom Typ:

ΔF=a2Ft2+bFt

Der Vorfaktor a hat die Dimension eines inversen Geschwindigkeitsquadrats.

Zum Beispiel kann man mit den Materialgleichungen der Elektrodynamik die Maxwellgleichungen in ladungsfreien Raumgebieten umschreiben zu

ΔE=μεc22Et2+σμ0μEt

und

ΔH=μεc22Ht2+σμ0μHt.

wobei c2=1μ0ε0 (c der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum) benutzt wurde.

Das sind Wellengleichungen für ein verlustbehaftetes Dielektrikum. Im Fall eines Isolators ist σ=0 und die Maxwellgleichungen reduzieren sich zur (vektoriellen) Wellengleichung.

Telegraphengleichung mit a>0; b=c=d=0

Die Gleichungen sind allgemein vom Typ der Wellengleichung:

ΔF=a2Ft2

Insbesondere erhält man die ursprünglich von Oliver Heaviside eingeführten Telegraphengleichungen für die Spannung U und dem Strom I in einer Doppelleitung mit Induktivität L und Kapazität C (Auf die Länge bezogen und im Allgemeinen ortsabhängig):

2Ux2=LC2Ut2

bzw.

2Ix2=LC2It2

wobei Leitungsverluste vernachlässigt wurden. Da a=LC breitet sich die Welle mit der Geschwindigkeit 1(LC) aus.

Ein weiteres Beispiel sind die oben angegebenen Wellengleichungen des elektromagnetischen Feldes im Fall keiner Verluste (σ=0 wie im freien Raum).

Literatur

  • Adolf J. Schwab: Begriffswelt der Feldtheorie. Praxisnahe, anschauliche Einführung. Elektromagnetische Felder, Maxwellsche Gleichungen, Gradient, Rotation, Divergenz, Finite Elemente, Finite Differenzen, Ersatzladungsverfahren, Boundary-Element-Methode, Momentenmethode, Monte-Carlo-Verfahren. 6. unveränderte Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-42018-5.