Willi A. Kalender

Willi A. Kalender

Willi Alfred Kalender (* 1. August 1949 in Thorr[1]) ist ein deutscher Physiker und Professor. Bis 2018 war er Direktor des Institutes für Medizinische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er gilt als der Erfinder der Spiral- sowie der Brust-Computertomographie. Zudem ist er Fellow der American Association of Physicists in Medizin und ehrenamtlicher Fellow des britischen Instituts für Radiologie.

Ausbildung

Willi Kalender begann sein Studium der Physik und Mathematik in der Universität Bonn, Deutschland. Er absolvierte seinen Master in Medizinischer Physik 1974 an der University of Wisconsin und promovierte 1979 an ebendieser. 1988 habilitierte er an der Universität Tübingen, Deutschland.

Leben und Wirken

Kalender studierte Mathematik und Physik in Bonn und Medizinische Physik an der Universität von Wisconsin, wo er 1979 promovierte. Er habilitierte im Jahre 1988 in Tübingen. Von 1976 bis 1995 war er bei der Siemens AG in Erlangen tätig, seither leitet er den Lehrstuhl für Medizinische Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 1991 lehrte Kalender außerdem als Associate Professor an der Universität von Wisconsin sowie 1993 bis 1995 als Privatdozent an der TU München. Er ist Mitglied des „Board of Directors“ der Amerikanischen Gesellschaft für Medizinische Physik. Daneben war er Geschäftsführer der PET-Net GmbH, die Radiopharmaka für die Positronen-Emissions-Tomographie herstellte. Aktuell hält Kalender 15 Patente, er hat über 700 wissenschaftliche Arbeiten publiziert.

Karriere

Von 1979 bis 1995 arbeitete Dr. Kalender in einem Forschungslabor von Siemens Medical Systems in Erlangen, Deutschland. In den Jahren 1988 bis 1995 wurde er als Leiter der Medizinischen Physik Abteilung eingesetzt. Seit 1992 ist er Gastprofessor der Medizinischen Physik in der Universität von Wisconsin. 1995 wurde er dann Professor und Lehrstuhlinhaber an dem neu gegründeten Institut für Medizinische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland. 1999 wurde er zum Gastprofessor des Departments Radiologie in der Stanford-Universität, Stanford, Kalifornien, USA ernannt.

Willi A. Kalender betrieb hauptsächlich Forschung im Gebiet der diagnostischen Bildgebung. Die Entwicklung und Einführung der volumetrischen Spiral-Computertomographie war der Fokus in seiner Arbeit. Die Kombination von Schleifringtechnik, die eine Dauerrotation ermöglichte, erlaubte eine beachtliche Verringerung der Untersuchungszeit und führte zu der Entwicklung von neuen Applikationen, wie zum Beispiel die Herzphasen-spezifische Darstellung, wie sie bei der Computertomographie des Herzens bis heute zum Einsatz kommt. Die Entwicklung des weltweit ersten Dual Energy CT (DECT) 1983, Metal Artefakt Reduktion (MAR) 1987 und eine Vielzahl von Dosis reduzierenden Herangehensweisen sind weitere Beispiele seiner Forschungsergebnisse.

Andere Forschungsfelder waren der Strahlenschutz und die Entwicklung von quantitativen diagnostischen Prozeduren, zum Beispiel die Beurteilung von Osteoporose, Lungen- und Herzerkrankungen. Seit 2008 fokussierte sich Willi Kalenders Forschungsarbeit auf die Entwicklung eines effizienten Brustscanner Systems (Brust-Computertomographen auch als Mamma-Computertomograph bezeichnet), um die Erkennung von Brustkrebs im frühen Stadium zu verbessern.

Während seiner Karriere hat Willi Kalender einige universitäre Spinoffs gegründet, um wissenschaftliche Ergebnisse in Produkte und kleine Firmen zu leiten. In Anerkennung seiner Beiträge zu der medizinischen Bildgebung hat Willi Kalender eine Reihe an Preisen erhalten.

Ausgewählte Ehrungen und Preise

Kalender wurde u. a. von der Europäischen Wissenschaftsstiftung mit dem Europäischen Latsis-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2008 erhielt er die Röntgen-Plakette der Stadt Remscheid. Im Jahre 2009 wurde ihm von der RWTH Aachen die Ehrendoktorwürde und von der Bayerischen Röntgengesellschaft die Grashey-Medaille verliehen. Ebenfalls seit 2009 ist er Mitglied der Leopoldina. 2016 wurde er in die National Academy of Engineering gewählt.

  • 2002 – FAAPM, Ehrenamtliche Mitgliedschaft in der American Association of Physicists in Medizin (AAPM)
  • 2004 – Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 2007 – Europäischer Latsis-Preis 2007 von der European Science Foundation (ESF)
  • 2008 – Roentgen-Plakette von der Stadt Remscheid (WC Röntgen’s Geburtsort), Deutschland
  • 2009 – Dr. med. h. c. (Ehrendoktor) verliehen von der RWTH Aachen, Deutschland
  • 2009 – Ehrenmitglied in der European Society of Radiology (ESR)
  • 2009 – Ausgewähltes Mitglied in der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2009 – William D. Coolidge Award von der American Association of Physicists in Medicine (AAPM)
  • 2010 – Ziedses des Plantes-Medaille von der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie
  • 2011 – Dr. med. h. c. (Ehrendoktor) verliehen von der Universität Zürich, Schweiz
  • 2012 – FBIR, Ehrenamtliche Mitgliedschaft im British Institute of Radiology (BIR), England
  • 2013 – Pauwels-Medaille der DGOOC[2]
  • 2016 – Ausgewähltes Mitglied der National Academy of Engineering (NAE), USA

Publikationen

(insgesamt 954 Publikationen, darunter 283 originale wissenschaftliche Arbeiten; mit einem h-Index von 65 / ISI-Web of Knowledge)

Ausgewählte Publikationen

  • W. A. Kalender, W. Seissler, E. Klotz, P. Vock: Spiral volumetric CT with single-breath-hold technique, continuous transport, and continuous scanner rotation. In: Radiology. 176, 1990, S. 181–183.
  • W. A. Kalender: X-ray Computed Tomography. In: Phys Med Biol. 51, 2006, S. R29–R43
  • W. A. Kalender, Y. Kyriakou: Flat-detector computed tomography (FD-CT). In: Eur Rad. 17(11), 2007, S. 2767–2779.
  • D. Ertel, T. Pflederer, S. Achenbach, W. A. Kalender: Real-time determination of the optimal re-construction phase to control ECG pulsing in spiral cardiac CT. In: Physica Medica. 25(3), 2009, S. 122–127.
  • D. Kolditz, Y. Kyriakou, W. A. Kalender: Volume-of-interest (VOI) imaging in C-arm flat-detector CT for high image quality at reduced dose. In: Med. Phys. 37(6), 2010, S. 2719–2730.
  • M. Weigel, S. Vollmar, W. A. Kalender: Spectral optimization for dedicated breast CT. In: Med Phys. 38(1), 2011, S. 114–124.
  • W. A. Kalender: High-resolution spiral CT of the breast at very low dose: concept and feasibility considerations. In: Eur Radiol. 22(1), Jan 2012, S. 1–8.
  • M. Beister, D. Kolditz, W. A. Kalender: Iterative reconstruction methods in X-ray CT. In: Eur J of Med Phys. 28, 2012, S. 94–108.
  • W. Chen, D. Kolditz, M. Beister, R. Bohle, W. A. Kalender: Fast on-site Monte Carlo tool for dose calculations in CT applications. In: Med Phys. 39(6), 2012, S. 2985–2996.
  • W. A. Kalender, P. Deak, M. Kellermeier, M. van Straten, S. V. Vollmar: Application- and patient size-dependent optimization of x-ray spectra for CT. In: Med. Phys. 36, 2009, S. 993–1007.
  • F. Lück, D. Kolditz, M. Hupfer, W. A. Kalender: Effect of shaped filter design on dose and image quality in breast CT. In: Phys. Med. Biol. 58(21), 2013, S. 4205–4223.
  • W. A. Kalender: Dose in x-ray computed tomography. In: Phys Med Biol. 59, 2014, S. R129–R150
  • W. A. Kalender, D. Kolditz, C. Steiding, V. Ruth, F. Lück, A. C. Rößler, E. Wenkel: Technical feasibility proof for high-resolution low-dose photon-counting CT of the breast. In: Eur Radiol. 2016. doi:10.1007/s00330-016-4459-3
  • Computed tomography. Fundamentals, System Technology, Image Quality, Applications. 3., überarb. Auflage. Publicis, Erlangen 2011, ISBN 978-3-89578-317-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ehrendoktorinnen und Ehrendoktoren der Universität Zürich 2011. (PDF; 168 kB) Universität Zürich, 30. April 2011, S. 8, abgerufen am 10. Februar 2013.
  2. DGOOC - Pauwels Medaille. In: dgooc.de. dgooc, 2020, abgerufen am 14. August 2020.