Yakir Aharonov

Yakir Aharonov (2006)

Yakir Aharonov (hebräisch יקיר אהרונוב‎; * 28. August 1932 in Haifa) ist ein israelischer Physiker.

Leben und Werk

Nach dem Schulbesuch wurde Aharonov zum 18. Geburtstag zur israelischen Armee einberufen. Danach studierte er am Technion, Haifa, wo er 1956 seinen Bachelor machte. Er wechselte an die University of Bristol, wo er 1960 mit einer Arbeit über Quantentheorie promovierte. 1960 bis 1961 war er Postdoktorand an der Brandeis University. Anschließend kehrte er nach Israel zurück, um an der Yeshiva University zu lehren: Bis 1964 als Dozent und dann bis 1967 als außerordentlicher Professor. 1967 bis 1973 war er ordentlicher Professor an der Universität Tel Aviv und der Yeshiva University. Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 2006 war er Professor für theoretische Physik in Tel Aviv und an der University of South Carolina. Von 2006 bis 2008 war er Professor am Center for Quantum Studies der George Mason University und seit 2008 ist er Professor für Theoretische Physik und James J. Farley Professor of Natural Philosophy an der Chapman University in Orange County (Kalifornien).

Aharonov interessiert sich für nichtlokale und topologische Effekte der Quantenmechanik und der Quantenfeldtheorien sowie für die Interpretation der Quantenmechanik. 1959 sagte er mit seinem Doktorvater David Bohm den später nach ihnen benannten Aharonov-Bohm-Effekt voraus[1], der schon im Folgejahr von Robert Chambers erstmals experimentelle Bestätigung erfuhr.[2] In den sechziger Jahren publizierte Aharonov mit Joel Lebowitz und Peter Bergmann eine alternative Formulierung der Quantenphysik, die das Messproblem vermeiden soll.[3]

In seiner Freizeit spielt Aharonov gern Schach. Er ist der Onkel der Quanteninformatikerin Dorit Aharonov.

Veröffentlichungen

  • über 150 Arbeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften
  • Some problems in the quantum theory of measurements and electromagnetic potentials as observables in the quantum theory. Dissertation, Bristol 1960
  • mit Daniel Rohrlich: Quantum paradoxes. Quantum theory for the perplexed. Wiley-VCH, Weinheim und Cambridge 2005, ISBN 3-527-40391-4

Preise

  • 1983 Rothschild Prize in Physics
  • 1984 Weizmann Prize in Physics
  • 1988–89 Miller Research Professorship award at Berkeley
  • 1989 Israel-Preis in Physik
  • 1991 Elliott Cresson Medal[4]
  • 1993 The Distinguished Scientist Governor Award of South Carolina
  • 1995 Hewlett-Packard Europhysics Prize
  • 1998 Wolf-Preis
  • 2006 EMET-Preis[5]
  • 2009 National Medal of Science (USA)[6]

Mitgliedschaften

  • 1978 American Physical Society[7]
  • 1990 Israelische Akademie der Wissenschaften
  • 1993 National Academy of Sciences
  • Ehrendoktorwürden: 1992 Technion-Israel Institute of Technology, 1993 University of South Carolina, 1997 Bristol University, 1999 Universidad de Buenos Aires, 2012 Ben-Gurion-Universität des Negev

Einzelnachweise

  1. Y. Aharonov und D. Bohm: Significance of Electromagnetic Potentials in the Quantum Theory (PDF; 1,2 MB). In: Physical Review. Band 115, 1959, S. 485–491. Der Effekt wurde schon 1949 vorhergesagt: Werner Ehrenberg und Raymond Eldred Siday: The Refractive Index in Electron Optics and the Principles of Dynamics. In: Proceedings of the Physical Society B. Band 62, 1949, S. 8–21
  2. R. G. Chambers: Shift of an Electron Interference Pattern by Enclosed Magnetic Flux. In: Physical Review Letters. Band 5, 1960, S. 3–5. Für weitere experimentelle Bestätigungen sei auf folgendes Buch verwiesen: Murray Peshkin und Akira Tonomura: The Aharonov-Bohm Effect (= Lecture Notes in Physics, Band 340). Springer, Berlin 1989, ISBN 3-540-51567-4
  3. Y. Aharonov, P. G. Bergman und J. L. Lebowitz: Time Symmetry in the Quantum Process of Measurement. In: Physical Review. Band 134, 1964, S. 1410–1416
  4. Yakir Aharonov. The Franklin Institute, abgerufen am 16. April 2019 (english, "For observations of electromagnetic potentials and insights into quantum mechanics.").
  5. Emet Prize Laureates: Prof. Yakir Aharonov. emetprize.org, abgerufen am 16. April 2019 (english, "...for elucidating the principles of Quantum Theory, for being a pioneer and a leader in the exploration of the profound meanings of this theory and for his unique discoveries that have had an impact on various fields in physics").
  6. Yakir Aharonov. National Medal of Science Foundation, 2009, abgerufen am 16. April 2019 (english).
  7. APS Fellow Archive

Weblinks

Die News der letzten Tage

25.09.2022
Kometen_und_Asteroiden | Sonnensysteme
Untersucht: Bodenproben des Asteroiden Ryugu
Ein internationales Forschungsteam hat Bodenproben untersucht, die die japanische Raumsonde Hayabusa-2 auf dem Asteroiden Ryugu einsammelte.
22.09.2022
Milchstraße | Schwarze Löcher
Eine heiße Gasblase, die um das schwarze Loch der Milchstraße schwirrt
Mit Hilfe des Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) haben Astronomen Anzeichen für einen „heißen Fleck“ entdeckt, der Sagittarius A*, das schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie, umkreist.
22.09.2022
Festkörperphysik | Quantenphysik | Teilchenphysik
Kernstück für einen skalierbaren Quantencomputer
Millionen von Quantenbits sind nötig, damit Quantencomputer sich in der Praxis als nützlich erweisen, die sogenannte Skalierbarkeit gilt als eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung.
22.09.2022
Optik | Quantenoptik
Zwischen Erfurt und Jena: Erstmals erfolgreich Quantenschlüssel via Glasfaser ausgetauscht
Das ist ein Meilenstein für die Erforschung der hochsicheren Quantenkommunikation in Thüringen und Deutschland.
22.09.2022
Festkörperphysik | Thermodynamik
Molekülschwingungen schärfer denn je messbar!
Mit Rastertunnelmikroskopen lassen sich zwar einzelne Moleküle abbilden, ihre Schwingungen waren damit bisher aber nur schwer detektierbar.
20.09.2022
Festkörperphysik | Quantenphysik
Neue Quantenmaterialien am Computer entworfen
Eine neues Designprinzip kann nun die Eigenschaften von bisher kaum erforschbaren Quantenmaterialien vorhersagen.
19.09.2022
Sterne
Stern-Kindheit prägt stellare Entwicklung
In klassischen Modellen zur Sternentwicklung wurde bis heute der frühen Evolution der Sterne wenig Bedeutung zugemessen.